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Dieses Gender-Ding

23. Dezember 2011

Ja, ich schreib jetzt was zu dem Thema. Pech gehabt!

Zunächst mal möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich - vor allem anfangs - immer eine starke Ablehnung gegenüber diesem Thema hatte, die sogar stärker wurde, desto mehr Leute versucht haben, es in den Vordergrund zu rücken. Mittlerweile kann ich dieses reflexartige Ablehnungsbedürfnis etwas besser zügeln und möchte daher versuchen, herauszufinden, wie es dazu kommt. Auch, aber nicht nur, weil ich dieses Verhalten auch bei anderen bemerkt zu haben glaube und dem Eindruck erliege, es könnte dem allgemeinen gegenseitigen Verständnis eventuell entgegen kommen.

Meine Probleme mit der sogenannten Gender-Debatte sind zahlreich. Da sind zum einen die Debatte an sich sowie die Art, wie sie geführt wird, und dann noch die Leute, die sie führen. Alles soll hier Platz finden und ich hoffe, ich schaffe es, diesen einigermaßen strukturiert zu verteilen.

Vorweg: Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf den Teil der Debatte, der meinem Eindruck nach auch das Gros der Diskussion ausmacht und sich mit Sexismus - d.h. Diskriminierung, also Unterscheidung, aufgrund des Geschlechts, von Geschlechtsmerkmalen oder traditionellen Rollenbildern - befasst.

Mir persönlich sind dabei hauptsächlich zwei Arten (oder Ausprägungen) von Diskriminierungen bekannt, zwischen denen ich zu unterscheiden ich hier für sinnvoll halte. Zum einen ist da die durch Regeln gestützte Bevorzugung eines Geschlechts (und damit die Benachteilgigung der übrigen). Damit meine ich hauptsächlich solche, die auf gesetzlichen oder auch anderen Bestimmungen beruhen; ein Beispiel hierfür wäre, wenn nur Männer (oder nur Frauen) das Wahlrecht hätten. Diese soll hier als politische oder rechtliche Diskriminierung oder Gleichberechtigung bezeichnet werden.

Die andere wäre eine gesellschaftliche, die sich nicht in expliziten ‹Regeln› oder offiziellen Gesetzen äußert, aber beispielsweise bestimmte Erwartungshaltungen oder Rollenbilder festigt oder aber schlichtweg sexistisches Gedankengut bezeichnet. Obigem Beispiel folgend wären das die Ablehnung des Wahlrechts für eine bestimmte Geschlechtergruppe, Ansichten wie «Frauen sollten nicht wählen», «Wählen ist was für Mädchen», «als Mann/Frau/… sollte ich mich nicht mit Politik beschäftigen» oder «es gehört sich für mich als X/Y, das zu wählen, was mein Partner/Elter/irgendwas sagt» (es gibt noch tausend andere Beispiele, aber ich schätze, es ist klar, was gemeint ist).

Wie man vielleicht sieht, unterscheidet sich diese Art wiederum in bewusste Diskriminierung und un(ter)bewusste Erfüllung/Auslebung eines Rollenbilds. Ich werde versuchen, auch darauf an den gegebenen Stellen einzugehen. Die beiden Varianten werde ich ansonsten unter gesellschaftliche Diskriminierung/Gleichberechtigung zusammenfassen.

Kommen wir wieder zurück zu mimimi meiner Kritik, wenn man es so nennen möchte.

Als Anfangsbetrachtung möchte ich hier einmal erwähnen, dass ich mich als der Gleichberechtigung aufgeschlossene, zugetane und sogar von ihr als ethisch richtig überzeugte Person betrachte (andere Leute mögen das mitunter anders sehen, aber darauf kommt es an dieser Stelle noch nicht an). Trotzdem habe ich es sehr lange abgelehnt, mich mit diesem Thema überhaupt zu befassen - es ging sogar soweit, dass ich schon fast aggressiv wurde, wenn es überhaupt erwähnt wurde. Die Frage ist nicht nur, wie es dazu kommt, dass jemand, der den Gleichberechtigungsgedanken keineswegs abzulehnen meint, diese Abneigung gegenüber der Befassung damit entwickeln konnte, sondern auch, ob es anderen, die sich ähnlich verhalten (und die Tatsache, welche Reaktionen Äußerungen in Richtung «Gender» für gewöhnlich nach sich ziehen, scheint mir recht offensichtlich nahezulegen, dass ich nicht die einzige Person bin, der es so geht).

Selbstverständlich kann ich nur für mich selbst sprechen. Dennoch will ich nicht ausschließen und halte es im Gegenteil sogar für sehr wahrscheinlich, dass der Großteil der anderen Reflexablehner sich, ebenso wie ich, als Befürworter der Gleichberechtigung versteht. Und grade unter diesem Aspekt ist es vielleicht interessant, sich zu fragen, warum das Thema dennoch so emotional diskutiert und teilweise sogar direkt im Ansatz abzuwürgen versucht wird.

Nun ist es bei mir durchaus nicht so, dass ich im Internet oder gar bei den Piraten das allererste mal mit - mangels besserer Begrifflichkeit schreibe ich es jetzt einfach mal so - feministischem Gedankengut in Berührung gekommen bin. Im Gegenteil: Aus moralischer Sicht schienen mir gleiche Rechte für alle eine Selbstverständlichkeit. Natürlich hatte ich auch von der Benachteiligung von Frauen (und Anderen nicht-männlichen Geschlechts) in der jüngeren und älteren Geschichte gehört. Nachwirkungen davon waren für mich aber selten zu spüren; es wurde vielmehr eher theoretisch darüber geredet.

Zugleich wurden aber auch immer noch bestehende rechtliche Diskrepanzen auf diesem Gebiet offenbar (als Beispiel sei hier die Wehrpflicht genannt). Das schien zumindest erstmal ungerecht. Hinzu kamen dann die ersten Kontakte mit dem, was sich zu diesem Zeitpunkt (selbst) unter dem Begriff Feminismus* zusammenfasste und -fand: Hier bei ging es nicht selten um die Unterstellung (anders kann ich es nicht nennen, da ich zumindest nie etwas solches im eigenen Umfeld kennen gelernt hatte), weibliche Personen bedürften anderer, gesonderter oder gar bevorzugter Behandlung.

Dies war gleich in doppelter Ausführung negativ. Zum einen führte es unbewusst wie auch bewusst zu (gewollter und ungewollter) Übervorteilung einer Geschlechtergruppe aufgrund gewisser Vorurteile oder sonstiger gutmeinender Bestrebungen. Zum anderen wurde einem genau diese Sonderbehandlung implizit und auch explizit häufig vorgworfen - insbesondere, wenn man sich in Bezug auf Gleichberechtigung o.ä. äußerte. Als Beispiel sei hier genannt, dass, wenn sich eine Frau z.B. zu irgendeiner wie auch immer gearteten Benachteilgung äußerte, es quasi sofort hieß, dass sie Ungleichbehandlung in bezug auf die Wehrpflicht anscheinend nicht störe. Unabhängig davon, dass, bloß, weil irgendwelche anderen (weiblichen) Menschen so dachten, es diese Frau nicht zwangsläufig auch tat; sie es höchstwahrscheinlich genauso wenig ändern konnte und es üblicherweise überhaupt nichts mit dem ursprünglich diskutierten Thema zu tun hatte (zumal die Tatsache, dass ein problem noch nicht gelöst ist, wohl kaum rechtfertigt, die Lösung eines anderen Problems gar nicht erst zu diskutieren).

Was ich sagen will: Die Ungleichbehandlung führt, egal, wen sie bevor- oder benachteiligt dazu, dass die Position des einzelnen geschwächt wird.

Dieser förderische Behandlung von Mädchen fand 8und findet) sich in vielen Bereichen wieder. Sei es nun, dass im Sportunterricht nach Geschlecht und nicht nach Interesse getrennte Spiele gespielt werden; man in nach Geschlechtern getrennten Unterricht in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern gesteckt wird, weil Mädchen angeblich schlechter lernen, wenn sie mit Jungs zusammen unterrichtet werden; man für Dinge explizit deshalb rekrutiert wird, weil man weiblich ist (Credo «wir brauchen noch mehr Weibchen auf Position X»); man zu speziellen, traditionell eher dem männlichen Geschlecht zugeschriebenen Interessen und Aktivitäten nach einer «weiblichen» Sichtweise (wtf?) befragt wird.

All das impliziert nicht nur, Mädchen bräuchten spezielle Förderung, weil sie es von sich aus nicht ‹schaffen›, sich gegen Jungs zu behaupten oder gleich gute Leistungen zu erbringen oder… gleichzeitig festigt es auch dir Vorstellung, Mädchen seien nun mal anders als Jungs, müssten anders behandelt werden, hätten pauschal eine andere Sicht als diese (aber dann bitte alle die gleiche, oder was?) usw. usf.

Gleichzeitig werden Mädchen dadurch noch dazu genötigt, sich an jeder Stelle beweisen zu müssen, denn es herrscht ja automatisch die implizite Unterstellung, sie könnten nichts, könnten es schlechter als Jungs oder wären überhaupt nur dort, wo sie sind, weil sie bevorzugt werden. Das heißt man wird als Mädchen nicht nur unaufgefordert gesondert behandelt und mitunter bevorzugt, man muss sich auch noch gegen Vorwürfe dafür verteidigen. Es ist, als würde jemand beleidigt und derjenige müsste dann auch noch rechtfertigen, wie es dazu kommen konnte und warum er das nicht verhindert habe (etwas seltsame Analogie; ich hoffe, ihr könnt mir folgen).

Und genau DAS sind die hauptsächlichen, hervorstechendsten und mich am meisten aufregendsten Ereignisse und Gelegenheiten, die mir in den Sinn komme, wenn ich «Sexismus» oder ähnliches höre oder darüber nachdenke. In SOLCHEN Momenten fühle ich mich diskriminiert und auf mein Geschlecht reduziert. Und genau dieses Gefühl triggert auch die Frage nach «mehr Frauen in…», Geschlechterquoten, etwaigen Problemen, dem Binnen-I, «Wie interessiert man Frauen für…?»-Fragen und was nicht sonst noch alles. Einiges davon betont ‹nur› das Geschlecht der beteiligten (und unbeteiligten) Personen, anderes stellt eine plumpe Verallgemeinerung der halben (teilweise ganzen) Bevölkerung dar und unterstützt primitives Schubladendenken und ungerechtfertigte Kategorisierungen, welche letztendlich Vorurteile begründen.

Und sollte es bei Gleichberechtigung nicht auch darum gehen, Leute unabhängig ihres (biologischen) Geschlechts zu betrachten? Sollte das Geschlecht nicht eben genau keine Rolle mehr spielen?

Ich glaube, oben von mir zu verbalisieren versuchte Problematik ist es, wenn Leute auf Bemühungen anderer Menschen mit «man kann sich Probleme auch herbeireden (wahlweise: welche machen, wo keine sind)» reagieren. Denn genauso empfinde ich es selbst oft. Es handelt sich also um eine Art Trotzreaktion darauf, die hauptsächlich darauf begründet ist, dass ich das Hervorheben des Geschlechts an sich ablehne und es als Ursprung vieler Probleme sehe.

Damit will ich nicht andeuten, dass die Gleichberechtigung innerhalt der Gesellschaft erreicht ist. Teilweise gibt es immer noch diskriminierende Gesetze, aber vor allem sozial sind wir noch weit davon entfernt. Neben Menschen, die sich für sexistische Witze begeistern und Mario Barth toll finden, gibt es (natürlich auf beiden Seiten) eine erschreckende Anzahl von Leuten, die ganz ernsthaft von traditionellen Rollenbildern überzeugt sind und diese wie selbstverständlich auszufüllen suchen. Dies kann sich so ausprägen, dass sie das andere Geschlecht für in irgendeiner Weise minderwertig halten oder aber schlichtweg meinen, eine oder beide Seiten seien genetisch in gewisser Weise zu bestimmten Handlungsweisen oder auch Begabungen vorgeprägt. Und es gibt Leute wie mich, die sich für von solchen Gedankengängen nicht betroffen gehalten haben.

Aber bin ich das wirklich? Spoiler: Nein, bin ich nicht. Auch ich habe mich - vor allem in letzter Zeit - oft dabei erwischt, in die alte Rollenfalle zu tappen. Damit meine ich nicht unbedingt mein eigenes Verhalten oder die Beurteilung anderer Menschen, aber zum Beispiel die schlichte Einordnung gewisser Handlungsweisen.

Das ist übrigens auch wieder eins der Probleme die ich u.a. mit dem sog. Feminismus, aber auch mit sexistisch geprägten Weltbildern habe. Dort gibt es ja bekanntlich Vorstellungen à la «Frauen tun X» und «Männer sollten Y» und ähnliches mehr. Dadurch, dass man nun nahezu zwangsläufig einem der beiden Geschlechter angehört, wird man in seinem Leben immer mal wieder in eine dieser beiden Rollen gedrängt.

Natürlich kann ich das ganze nur aus meiner Perspektive beurteilen, aber ich habe in Bezug auf geschlechtsspezifische Dinge häufig folgende Erfahrung gemacht: Wenn ich etwas nicht kann, das für mein Geschlecht als un- bzw. für das andere als typisch gilt, liegt mein Unvermögen an meinem Geschlecht. Gleichzeitig repräsentiere ich plötzlich alle anderen Vertreter dieses Geschlechts und untermauer somit auch noch das Vorurteil, das ich gerade beschrieben habe und bringe den ‹Rest› durch mein Unvermögen sozusagen auch noch in eine prekäre Lage.

Gut in etwas zu sein, dass nicht meinem Rollenbild entspricht, ist dagegen fast selbstverständlich eine Auszeichnung.

Kann ich hingegen etwas, das für mein Geschlecht typisch ist, ist das irgendwie auch wieder nicht gut, weil es natürlich wieder das Klischee zementiert. Ich neige sogar häufig dazu, es (bei mir selbst!) alleind eshalb als minderwertig anzusehen, weil es eben nun mal als typische Eigenschaft dieses Geschlechts gilt. Sprich: Eigenschaften meines Geschlechts = minderwertig. Dazu sollte erwähnt werden, dass ich niemals bewusst eine andere Person aufgrund solcher Fähigkeiten oder Eigenschaften abgewertet habe und mir auch nicht einfiele, warum ich das tun sollte. Warum also bei mir selbst? Warum fühle ich mich genötigt, einem Klischee zu widersprechen? Und warum führt dieser Widerspruchswunsch dann auch noch dazu, dass ich gewisse Eigenschaften (an mir) als minderwertig empfinde?

Kommen wir nach diesem kurzen Exkurs nun dazu, was mich daran stört, wie die Debatte geführt wird. Da ist zunächst mal die Art, wie das Thema überhaupt an andere herangetragen wird.

Das wird meistens in der oder einer ähnlichen Art getan, wie ich oben die Erstkontakte zu Gleichberechtigungsbestrebungen innerhalb der Gesellschaft beschrieben habe. Sprich: Es wird erstmal ein Unterschied zwischen Jungs und Mädchen herbeigeredet, im schlimmsten Fall sogar pauschalisiert und betont. Da ich genau dieses Gebaren als Sexismus und diskriminierend empfinde, setzt es bei mir dann leider häufig schon aus, so dass es extrem schwierig ist, noch inhaltlich an mich heranzukommen. Das mag unreif sein und nicht unbedingt für mich als Mensch sprechen, aber so ist es vorerst einmal und mit emotionalen Reaktionen muss man immer rechnen; insbesondere, wenn man anderen ein kontroverses Thema nahebringen will (zur Verteidigung der Gegenseite: konnte die ja nicht wissen, dass das ganze so kontrovers ist).

Dann kommen noch Randerscheinungen wie das sogenannte «Gendering» von Texten, die Forderung von Quoten oder auch die Begründung von irgendwas außer Kinderkriegen und dergleichen (im besten Fall noch Qualifikation - wtf?!²) mit «weil ich eine Frau bin» hinzu, die mich extrem schnell und leicht unsachlich werden lassen. An dieser Stelle könnte eine längliche Darlegung stehen, warum ich beides für (polemisch ausgedrückt) mehr oder minder groben Unfug halte, aber der Post ist, glaube ich, bereits lang genug. Aber vielleicht werde ich das bei Interesse mal nachreichen.

Schlussendlich seien noch die involvierten Personen erwähnt. Nun kenne ich die meisten nicht näher und kann daher nur oberflächlich, wenn überhaupt, beurteilen, um was für Menschen es sich handelt. Aber ich kann zumindest beschreiben, welchen Eindruck sie auf mich machen.

Da fällt einerseits auf, dass der Großteil biologisch weiblich ist. Nun, das ist an sich nicht schlimm - es kann ja auch niemand etwas für sein Geschlecht - uns es gab auch männliche und weitere Vertreter; nur leider ist es eben schwierig, das Thema Gleichberechtigung, bei dem es mir besonders wichtig erscheint, so viele Menschen wie möglich einzubeziehen, vernünftig zu diskutieren, wenn so viele nicht mit einbezogen sind (wobei ich nicht unterstellen will, dass dabei absichtlich jemand ausgeschlossen wird - vielmehr denke ich, ein Großteil der Personen wird aus oben aufgeführten und noch zu nennenden Gründen von der Teilnahme abgeschreckt).

Ich meine aber zumindest, beobachtet zu haben, dass sich diese Menschen auch auf eine gewisse Art verhalten, sei es nun durch Ausdrücke, Diskussionskultur oder anderes, mit der ich mich persönlich so wenig identifizieren kann, dass ich nicht mit ihnen zusammenarbeiten möchte. Ja, richtig, ich fühle mich unter diesen Menschen nicht wohl, nicht zugehörig und ich habe den Eindruck, dass meine Sicht der Dinge nicht relevant ist, da sie ohnehin als Blödsinn abgetan würde.

Nun ist mir letzteres nicht unbedingt unbekannt; im Gegenteil. Für gewöhnlich juckt es nicht, wenn jemand meine Meinung nicht teilt (das ist üblich) oder der Großteil einer Gruppe anderer Ansicht ist. Das allein hält mich nicht unbedingt von der Teilnahme an einer Diskussion ab. Es ist mehr das vage Gefühl (!), diese Leute interessierte meine Ansicht nur marginal und es ginge primär darum, mich zu überzeugen, dass ich falsch läge. Ich sehe, meine Formulierung lässt hier zu wünschen übrig, denn genau das ist (leider) nicht unüblich und stört mich bei sonstigen Debatten höchstens oberflächlich. Vielleicht ist es auch die Vermutung, meine Denkweise könne nicht nachvollzogen - oder von mir sogar gar nicht richtig erklärt? - werden, die mich stört. Oder aber die Aussicht, die sinnlose Anstrengung zu unternehmen, ein extrem komplexes Thema aus meiner Perspektive zu beleuchten, ohne, dass es interessiert oder verstanden wird oder jemanden zum Nachdenken anregt, wenn diese ganze Fragestellung meines Erachtens hochgradig fruchtlos zu werden verspricht. Und die Tatsache, dass ich meine Zeit im Zweifelsfall lieber mit Leuten verbringe, deren Ansichten oder Denkweisen den meinen ähneln (nicht notwendigerweise gleichen) und mit denen ich andere, womöglich erbaulichere Themenfelder beackern kann.

Aber wie kann man das ändern, sofern es denn gewollt ist? Gute Frage, offene Antwort. Denn abgesehen von «mehr Personen einbinden» fällt mir dazu nichts konstruktives ein. Dennoch sollte man die Fragestellung meines Erachtens nicht einfach unter den Tisch fallen lassen - insbesondere, da das ganze leider eben doch immer noch aktuell ist, vor allem sozial, und auch innerhalb der Piratenpartei zumindest solange nicht überwunden scheint, wie einige es als solches ansehen und es zudem nicht möglich ist, ein sachliches Gespräch darüber zu führen, welches die Problemlage näher erörtert.

Was schließe ich also daraus? Hauptsächlich, dass das Thema noch verzweigter und diffiziler ist, als ich vermutet habe; ich höchstwahrscheinlich die Hälfte oder mehr vergessen und ungezählte Male den faden verloren hab, so dass ich mich jetzt ernsthaft frage, ob dieser Text auch nur im entferntesten nachvollziehbar ist oder überhaupt für irgendwas anderes als die Tonne taugt. Und: Es gibt zu diesem Thema noch so unglaublich viel mehr zu sagen, dass ich angesichts dieses Bergs unwillkürlich kapitulieren möchte.

Aber am allerneugierigsten bin ich auf andere Meinungen, die mir im Idealfall noch dabei helfen, mir selbst darüber klarer zu werden, was ich hier eigentlich zu sagen versuche.

* Allein den Begriff an sich finde ich bereits unglücklich gewählt, da er quasi automatisch impliziert, es drehte sich dabei nur um Frauen - es ist aber natürlich unlogisch, nur Frauen ‹gleiche› Rechte zuzusprechen, denn der Natur des Wortes nach müssen gleiche Rechte nun mal für alle gleich sein, und das schließt eben Menschen aller Geschlechter ein, weswegen der Begriff, unter den die Bewegung(en) und deren Bemühungen zusammengefasst wird, dies meines Erachtens auch reflektieren und nicht eine oder mehrere Gruppen ausschließen sollte.

Hell

23. September 2011

Angesichts mehrerer positiver Presseartikel, über die ich in letzter Zeit zum Film Hell gestolpert bin, muss ich nun doch nochmal meine Meinung zu dem Regiedebüt von Tim Fehlbaum kundtun. Worum es geht, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein: Die Sonne scheint - aus welchem Grund auch immer - unnachgiebig, es ist heiß, Spuren der Zivilisation wie auch Rohstoffe gibt es nur noch spärlich. Leider sieht man vor allem von der im Titel angekündigten Helligkeit insgesamt nur recht wenig, da der Großteil des Films nachts oder in einem trüben Zwielicht spielt. Einerseits verständlich, da man ansonsten vermutlich nicht allzu viel erkennen könnte (und vor allem ständig die Charaktere verwechseln würde). Auch nicht unbedingt unästhetisch, nur sind verwaschene blaugraue Bilder nicht eben bahnbrechend innovativ. Zudem gibt es auch nur spärlich verteilte Totalaufnahmen, so dass einem das ‹große Ganze› insgesamt eher verschlossen bleibt und es höchstens bis zu einer diffusen Idee, die man sich aus diversen, im Vorfeld gelesenen Beschreibungen zusammengestückelt hat, reicht. Schade.

Nachdem ich das nun mit möglichst umständlichen Bandwurmsätzen (sorry~) geklärt hätte, kommen wir zu den anderen Aspekten des Films. Zunächst einmal wären da die Charaktere. Diese bleiben anfangs recht flach (nur Phillip darf sich etwas unbeliebt machen), mutieren aber auch später nicht mehr zu übermäßig tiefgründigen Persönlichkeiten. Vielleicht bezeichnend, dass Tom für mich nicht nur der interessanteste, sondern auch sympathischste Charakter war. Denn viel Screentime hat der arme Junge nicht unbedingt spendiert bekommen.

Marie erschien mir als Hauptfigur nur teilweise nachvollziehbar. Ebenso wenig konnte ich mich durchweg für ihr Schicksal erwärmen, obwohl sie zumindest in keine grobe Charakterfalle (Zickigkeit, «Damsel in Distress»-Anwandlungen oder ähnliches) tappt. Leonie hingegen wirkt eher wie ein etwas miesepetriger MacGuffin. Oder so. Aber damit habe ich im Großen und Ganzen kein Problem - letztendlich können jüngere Geschwister wie auch kleine Kinder in Filmen viel, viel nerviger sein.

Die Story haut mich, wie auch der Rest der Mischung, nicht unbedingt vom Hocker. Sie ist aber auch nicht schlecht. Die Art des Films verleitet mich zu der Annahme, um sie gehe es hier sowieso weniger. Schließlich heißt das Setting Postapokalypse - wen interessiert da noch der Plot! Andere Vertreter des Genres (ist das überhaupt ein Genre?) haben gezeigt, dass man dieses Metier auch (fast) ohne rocken kann. Aber um die soll’s hier nicht gehen.

Erwähnenswert wäre noch, dass sich der Streifen für eine deutsche Produktion überraschend (und irgendwie erfrischend) ‹undeutsch› anfühlt. Rein optisch als auch inhaltlich. Dass die Schauspieler Deutsche sind, merkt man natürlich irgendwie. Aber wie sollte man das auch nicht? Sie sprechen ja deutsch.

Insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob ich vom Film wirklich enttäuscht sein soll. Er war nicht schlecht. Nur eben auch nicht wirklich gut. Die Möglichkeiten des Szenarios werden meiner Meinung nach aber nur leidlich ausgeschöpft, obwohl der Film keineswegs trashig daherkommt. Optisch ist das ganze zwar stimmig umgesetzt, es fehlt mir aber eben der etwas häufigere Blick auf die Umgebung. Ich will verdörrte Landschaften sehen und gleißende Sonnenstrahlen über Zivilisationsresten (oder wahlweise Bergen, Wäldern,…)!

Bereue ich es also, den Film als einen von zweien Kinobesuchen des letzten Fantasy Filmfests auserkoren zu haben? Eigentlich nicht - und sei es nur aufgrund des sympathischen Regisseurs, der doch eigentlich nur einen Zombiefilm drehen wollte («Nur, damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich will immer noch einen Zombiefilm drehen.»).

Und woher verdammt kenne ich Hannah Herzsprung?

Im Namen des Lexikons

23. August 2011

Im Namen des Lexikons ist ein Buch von Amélie Nothomb. Das heißt, es ist wie alle Bücher von Madame Nothomb: sehr gut zu lesen, aber mit nervigen, bisweilen dämlichen Charakteren, mindestens einem ‹perfekten› Kind, seltsamen Namen und einem unausgegorenen Ende. So oder so ähnlich könnte man es vielleicht zusammen­fassen - aber dann wäre dieser Post ja schrecklich kurz.

Fangen wir also mit einer kurzen Inhaltsangabe an: Auch in der deutschsprachigen Ausgabe von «Robert de Noms propres» geht es um ein Mädchen mit dem - angeblich - seltsamen Vornamen «Plectrude». Da meine Französischkenntnisse allerdings nach der zehnten Klasse angefangen haben, sich rasant zurückzubilden (und es immer noch täten, wenn sie dadurch nicht schon längst im negativen Bereich angelangt wären), kann ich diesen Umstand jedoch nicht recht beurteilen. Glück gehabt, denn eigentlich tut er auch nur wenig zur Sache.

Während sie anfangs noch ein wenig seltsam anmutet, versteht es ihre Geschichte im Verlauf selbiger durchaus, Interesse für sich zu wecken und mitunter sogar, zu unterhalten. Auch, wenn sich hier erneut viele Versatzstücke anderer Nothomb-Werke wiederfinden. So hat sie offensichtlich nicht nur immer noch einen Hang zu ausgefallenen Namen, sie macht diese Tatsache auch noch ungemein gerne zum Thema ihrer Bücher. Selbstverständlich hatt auch wieder die personifizierte Perfektion, diesmal in Gestalt der Plectrude höchstselbst, einen Auftritt. Nicht zu vergessen natürlich die dazu gehörige grenzenlose Verehrung durch Mitmenschen (oder -figuren). Und ja, gemordet wird natürlich auch - und das nicht nur einmal. Wer sich für die weiteren vorkommenden nothomb-typischen Themen interessiert, kann ja mal ein anderes ihrer Bücher aufschlagen. Er findet bestimmt was.

Kann ich darüber noch ein wenig entrückt hinwegsehen (ich weiß ja, worauf ich mich einlasse - zudem entwickelt der Plot, trotz seiner relativen Austauschbarkeit, in der Mitte plötzlich eine Art sanften Sog und ich auch nicht leugnen kann, dass mich einige der nothomb-typischen Themen ja durchaus ansprechen), so muss ich doch sagen, dass das Ende für meinen Geschmack doch ein wenig zu unausgegoren geworden ist. Die Handlung wirkt ab einem gewissen Punkt plötzlich so, als hätte die Autorin keine Zeit mehr gehabt, ihre Ideen für den weiteren Verlauf vernünftig auszuarbeiten und als wären ihr selbige letztendlich sogar vollkommen ausgegangen. Das ist natürlich umso bedauerlicher, da sie es gerade erst geschafft hatte, Interesse für das Leben der kleinen Plectrude zu wecken.

Aber sei’s drum: Kaum hat man die Verfehlungen der letzten Seiten so richtig bemerkt, ist es auch schon vorbei.

Achso: Bei dem Roman handelt es sich angeblich um ein semi-biografisches Buch der französischen Sängerin RoBERT, die ich jedoch nicht kenne. Vielleicht ist der Ausgang also auch einfach nur eine Anhäufung irgendwelcher Insider, über die sich die beiden insgeheim kaputtlachen. Wer weiß.

Telecomix

28. Mai 2011

Heute hatte ich die Ehre, einem Vortrag des Herrn Urbach über Telecomix im Attraktor beiwohnen zu dürfen. Er fing aufgrund Pizzamangels zwar etwas verspätet an, war dafür aber umso interessanter. Es ging im wesentlichen darum, was Telecomix macht und wie dort gearbeitet wird - aber wieso schreib ich das überhaupt, er ist schließlich auch online verfügbar.

Nun, was macht Telecomix eigentlich? In erster Linie helfen sie bei der Kommunikation. Dafür stellen sie zum Beispiel Infrastruktur zur Verfügung oder helfen ganz einfach dadurch, dass sie Kommunikationsmittel (z.B. für sichere Kommunikation, also bspw. Verschlüsselung oder Darknets) erklären. Gar nicht so einfach, wenn man es mit DAUs Nicht-Techies zu tun hat oder die primären Kommunikationskanäle bereits nicht mehr zur Verfügung stehen, wie Anfang des Jahres in Ägypten.

An dieser Stelle darauf hinweisen tue ich vor allem deshalb, weil ich die Arbeit von Telecomix wichtig und cool finde. Eigentlich kann ich mir zwar nicht vorstellen, dass hier irgendwer liest, der sie noch nicht kennt (eigentlich kann ich mir nicht mal vorstellen, dass hier überhaupt jemand liest) - aber so kann man mir wenigstens nicht vorwerfen, ich hätte es nicht versucht.

P.S. Ich hoffe, ich habe alles soweit richtig dargestellt und - nein, das ist keine Eigenwerbung *g*

After School Nightmare

09. April 2011

Ach, Houkago Hokenshitsu, was soll ich nur von dir halten… aber fangen wir am Anfang woanders an: Letztlich führte ich mir, nachdem der erste Band irgendwie doch Lust auf mehr gemacht hatte, auch die restlichen neun Bände von «After School Nightmare» zu Gemüte. Ließ die Geschichte dabei bereits zu Anfang durchaus mal alberne Elemente aufblitzen, konnte ich diese zugunsten der interessanten Grundidee jedoch noch ignorieren, was sich aber zunehmend schwieriger gestaltete. Der Plot wartet dabei mit immer neuen, teils willkürlich wirkenden Wendungen auf, die immer weiter vom Ursprungskonzept ablenken, so dass die ‹Lösung› des eigentlichen Problems schlussendlich zu einer Randnotiz verkommt, die jegliche Erklärung (oder Andeutung derselbigen) vermissen lässt.

Das ist vor allem deshalb schade, weil eben die Grundidee an sich - vor allem in der dargestellten Weise - ziemlich unverbraucht daherkommt, auch wenn im Grunde von Anfang an klar ist, in welche Richtung sich der Hauptcharakter dabei bewegt. Bliebe ja trotzdem noch eine unterhaltsame Klärung der Situation, welche aber leider im Verlauf der Handlung irgendwo zwischen Pseudo-Inzest und belanglosen Beziehungsproblemen aus dem Shoujo-Baukasten untergeht.

Die tatsächliche Auflösung kommt hingegen zwar relativ unvorhergesehen, dies liegt aber vornehmlich daran, dass sie kaum Bezug zum Inhalt der eigentlichen Geschichte hat. So hat man zwar nicht mit genau dieser Konstellation gerechnet, sie spielt genau genommen aber auch keine Rolle mehr.

Was dem Plot an Überzeugungskraft fehlt, hätte womöglich durch starke Charaktere ausgeglichen werden können, aber auch diese enttäuschen auf lange Sicht. Zwar kann Hauptcharakter Mashiro von Anfang an nicht wirklich überzeugen, wird mit dem Fortschreiten der Story allerdings immer unglaubwürdiger. Kann man anfändliches Fehlverhalten nämlich noch mit mangelnder Selbsterkenntnis entschuldigen, sind spätere Handlungsweisen einfach nur noch unverständlich. Oder mit welcher Argumentation verzeiht man jemandem eine versuchte Vergewaltigung? So blind kann man doch selbst vor Liebe Hormonstau nicht sein.

Ebenfalls schade ist die Art und Weise, in der Nebencharaktere durch die Ereignisse gepeitscht werden. Kaum taucht einer auf, ist die nächste Szene auch schon seine letzte. Verbarg sich hier anfangs noch ein wenig Potential, da sich ein wenig länger mit den Personen beschäftigt wurde und man so auch als Leser Zeit hatte, sich mit ihnen zu befassen und sie um ihrer selbst Willen wahrzunehmen, dienen sie zunehmend nur noch als Handlungswerkzeuge, die den Hauptcharakteren irgendeinen Dienst erweisen.

Hier wäre der laut Autorin Mizushiro ursprünglich geplante Story-Verlauf mitunter vorteilhafter gewesen, der gewisse Figuren bereits früher in die Geschichte integriert und ihnen so womöglich mehr Tiefe verliehen hätte.

Großes Potential hätte meines Erachtens natürlich die Problematik um Mahiro’s Geschlechtsidentität geboten. Abgesehen davon, dass er/sie für mich schon von Anfang an nicht wirklich glaubhaft einen Jungen darstellen konnte, wird, abgesehen von einer kurzen, humoristisch angehauchten Erwähnung innerhalb eines Gesprächs zwischen Kureha und Sou, zum Beispiel auch nie die klischeehafte Vorstellung über Geschlechterrollen, die ihm/ihr offensichtlich anhaftet, adressiert. Die Betrachtung dieser Sichtweise wäre doch aber weitaus interessanter gewesen als die Klärung der Frage, ob Mashiro nun lieber ein Junge oder ein Mädchen sein will (und warum hat das überhaupt damit zu tun, zu welchem Geschlecht er/sie sich sexuell hingezogen fühlt?)!

Auch die Entwicklung der weiteren Hauptakteure Kureha und Sou bleibt größtenteils unglaubwürdig, da kaum ein Übergang von ihrem ursprünglichen, ‹unvollendeten› Selbst zu ihrer späteren, veränderten Form stattfindet. Stattdessen vollführen die beiden mehr oder weniger eine 180°-Drehung und verhalten sich plötzlich ganz anders als zuvor, ohne, dass die Beweggründe zu ihren vormaligen Handlungen (oder die dahinterliegenden Probleme) komplett geklärt würden.

Letztendlich bleibt also nur ein etwas fader Nachgeschmack einer an sich interessanten Exposition mit viel Potential, das leider nicht mal ansatzweise ausgeschöpft wurde und deren Ende leider keine wirkliche Lösung anfangs dargelegter Probleme bietet (kathartische Erkenntnisse habe ich ja nun ohnehin nicht erwartet, falls das jemand denken sollte). Ein bisschen was zum Nachdenken bietet es vielleicht dennoch, wenn man sich darauf einlässt - und den größten Teil der Geschichte ignoriert. Selbst die Zeichnungen sind diesmal nicht so hübsch geraten wie aus Tag X gewohnt…

Tatort Zukunft

14. März 2011

An dieser Stelle könnte etwas über Atomkraft stehen. Und obwohl eine Diskussion darüber sicherlich nicht verkehrt ist, liefe es höchstwahrscheinlich ohnehin auf eine Kritik an der Sachlichkeit der momentanen Debatte hinaus, zu der an anderer Stelle schon viel kluges geschrieben wurde, dem ich mich in dem Sinne daher nur kurz anschließe (was im Übrigen nichts an meiner grundsätzlichen Haltung gegenüber Kernkraft ändert).

Kommen wir nun zu etwas vollkommen anderem…

Dieses Wochendende fand eine kleine Veranstaltung zum (groben) Thema «Zukunft» und deren Ausgestaltung statt, an der ich auch teilnahm. Zu einem ausführlichen Bericht wird es wohl nicht reichen, aber ein paar Gedanken möchte ich doch festhalten.

Ich hatte mich - ganz klischeehaft - für das Themengebiet «Medien» gemeldet. In unserer Gruppe wurde dann erst Diskussionsobjekt und die vorhandenen Problematiken etwas erläutert, danach ging es in die Erarbeitung von Standpunkten. Hierfür haben wir zunächst mal aufgeschrieben, wie man es schlimmer machen könnte. Das war zugegebenermaßen ganz witzig, allerdings bin ich persönlich auch nicht der Ansicht, dass man dann durche ine einfache Negativierung der Thesen zu sinnvollen Forderungen kommt. Ein Foto möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten:

Wie die Zukunft NICHT aussehen sollte

Wie die Zukunft NICHT aussehen sollte

Wie man sieht (falls man überhaupt was sieht), wir hatten Spaß. Mehr oder weniger.

Bis zu diesem Punkt gab es - zumindest in unserer Abteilung - auch so gut wie keine wirklich kontroversen Diskussionen, obwohl hier ja durchaus unterschiedliche ‹Lager› (ich mag diese Einteilung eigentlich überhaupt nicht) vertreten waren. Andererseits fehlte bei uns wohl der Teil, der anderer Meinung gewesen wäre. Zuerst fand ich das etwas enttäuschend, denn abgesehen davon, dass ich mitunter eine perverse Freude an kontroversen Debatten habe (sonst wäre ich wohl schon durchgedreht), kann man dabei üblicherweise auch immer noch am meisten lernen. Andererseits ermöglicht die mehr oder weniger bewusste ‹Ausklammerung› diskussionswürdiger Themen konstruktiveres Arbeiten, was wiederum auch so einges wert ist. Ändert zwar nichts daran, dass man auch kontroverse Themen ansprechen und letztendlich ausdiskutieren sollte bzw. muss, aber man kann sich dafür ja auch einen passenderen Zeitpunkt aussuchen als ein arbeitsorientiertes Wochenende *g*

Was ich bis dahin selbstverständlich nicht wusste: Am Sonntag würde ich davon noch mehr als genug bekommen. Denn dort ging es im großen Plenum darum, sich die Vorschläge der anderen Teams anzuhören, sie erneut zu diskutieren, gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zu machen und letztendlich darüber abzustimmen.

Hierbei trat dann auch sehr eklatant hervor, was sich bei mir bereits im Vorfeld dezent bemerkbar gemacht hatte. Diese Leute sind einfach vollkommen verrückt! Es wurde sich wirklich ins Zeug gelegt, auch noch das hinterletzte Klischeevorurteil zu bestätigen (okay, ich gestehe, dass diese Formulierung dezent polemisch ist und es nur halb so shclimm war… die Vertreter der Grünen Jugend stellten sich nicht als dauerkiffende Ökos mit Vollbart, Dreads und Sandalen heraus). Ich bin zu schreiben geneigt, ihnen wäre wohl nichts zu albern gewesen - allerdings war es ihnen damit ja durchaus ernst, was überhaupt erst die Traurigkeit der Sache ausmacht.

Zum einen wäre da die konsequente Verschandelung des Sprach- und Schriftbildes durch grammatikalische Fehlkonstruktionen wie das Binnen-I sowie Verweiblichungen mit Unterstrich (kurzes Beispiel: Student_innen). Ja, ich gestehe: Da bin ich empfindlich. Sehr empfindlich. Abgesehen davon, dass sowas einen Text auf die ein oder andere Weise mehr oder weniger unleserlich macht (entweder im Stillen oder beim Vorlesen) ist es schlichtweg unnötig und falsch. Es gibt im Deutschen generische Formen - das meistbekannte hierbei das generische Maskulinum, aber auch generisches Femininum und Neutrum. Diese existieren meines Erachtens aus gutem Grund: Es ist einfach umständlich, Texte mit diesen offensichtlich künstlichen Einschüben halbwegs vernünftig zu lesen (von der gesprochenen Sprache mal ganz abgesehen); außerdem werden nahezu zwangsweise Leute außen vor gelassen - da kann auch ein Unterstrich nicht wirklich helfen. Aber näher will ich auf dieses Thema eigentlich gar nicht eingehen, sonst reg ich mich bloß wieder unnötig auf (abgesehen davon haben das andere schon besser gemacht).

Ein eng damit verknüpfter Aspekt ist natürlich auch die Forderung nach Quoten an jeder Ecke. Rednerliste nach Meldereihenfolge? Unsinn! Da spielt das Geschlecht womöglich ja überhaupt keine Rolle bei. Und das geht schließlich GAR nicht… bei anderen Jugendorganisationen scheint es - so zumindest mein Eindruck - die Pflicht aller Mitglieder zu sein, einander möglichst oft an die eigenen (womöglich utnerschiedlichen) geschlechter zu erinnern. Damit einhergehend selbstverständlich auch die Tatsache, dass man Gleichberechtigung/-stellung/-kekse prinzipiell erzwingen muss, denn es haben ja ohnehin alle unterschwellige Vorurteile, durch die dann letztendlich Frauen Menschen benachteiligt werden. Letzterem würde ich nicht mal per se widersprechen wollen - die Frage ist nur, ob die Überbetonung der unterschiedlichen (auf die binäre Ausprägung beschränkten) Geschlechter und damit einhergehende Ungleichbehandlung aufgrund selbiger die Lösung sein kann. Die Fragen, die sich mir dabei immer stellen: Kann (oder sollte oder will) man Gleichberechtigung durch Ungleichbehandlung erreichen? Kann (oder sollte oder will) man die Losgelöstheit vom biologischen Geschlecht durch eine Überbetonung desselbigen auch in Bereichen, in denen dieses überhaupt nichts zur Sache tut (also den meisten), erreichen? Ehrlich gesagt macht dieses Verhalten auf mich irgendwo den Eindruck, eventuell unterschwellig vorhandene diskriminierende Handlungsweisen dadurch zu bekämpfen, indem man diskriminierende Handlungsweisen erzwingt - da weiß man dann wenigstens, woran man ist?

Nun ja. Dies führte dann auch zu einigen - meiner Meinung nach - absurden Forderungen, die ich hier aufgrund anhaltender Faulheit nicht wiedergeben werde. Aber ihr findet sie sicherlich später irgendwo im Netz.

Wurde denn auch noch etwas anderes beschlossen? Zum Glück ja. Einiges davon ist vieles nichts neues, und wurde so oder ähnlich schon mal an anderer Stelle gefordert oder steht sicherlich auch bereits in einigen Wahl- oder Parteiprogrammen (zumindest ein oder zwei Piratenstandpunkte sind vertreten), manches ist zumindest ein bisschen provokant, manches immer noch unsinnig, aber hey - wenigstens muss ich mich nicht als Teil dieser Gruppe fühlen, oder?

Obwohl ich nicht jeden Punkt des Dokuments ablehne, sondern vielen auch oder zumindest im Großteil zustimme, konnte ich ihm dann schlussendlich aber nicht in seiner Gänze zustimmen. Zwar stecken da wirklich einige für mich ungangbare Klopper drin, aber letztendlich habe ich mich dann doch nur enthalten, wenngleich sich eine Ablehnung im Nachhinein wohl besser anfühlen würde.

Letztendlich wurde von den Organisatoren unsere sachliche Zusammenarbeit gelobt, wobei ich diese persönlich nicht durchgehend, aber doch überwiegend bestätigen kann. Einige Male kam es zu polemischen oder anderweitig ausartenden Diskussionen, allerdings halte ich das für fast unvermeidlich, selbst wenn in den Grundsätzen alle einer Meinung sind.

Etwas schade war meiner Ansicht nach auch, dass für viele Sachen keine wirkliche Zeit blieb. Einerseits kann man zwar sagen, dass Grundsatzdiskussionen im Allgemeinen wenig bringen, da die Meinungen für gewöhnlich sowieso feststehen - und da ist sicherlich auch viel wahres dran - andererseits bin zumindest ich auch dorthin gegangen, um selbst noch etwas dazuzulernen. Und für mich persönliche finde ich es durchaus bereichernd, so eine Diskussion zu führen. Natürlich hängt das auch vom Diskussionspartner ab - aber je nachdem ist es dabei durchaus möglich, auf zuvor noch nicht gehörte Argumente zu stoßen (und die eigene Sichtweise dann eventuell anzupassen) oder schlichtweg die eigene Position zu stärken und die Beweggründe nochmal mit der Realität abzugleichen. Solange man eine Debatte nicht als ‹Wettbewerb› auffasst, den es zu gewinnen gilt, kann man dabei eigentlich fast nur gewinnen - oder zumindest Spaß haben… vorausgesetzt, der/die Gesprächspartner sieht/sehen das zumindest ähnlich.

P.S. Irgendwie ist es mir gelungen, diesen Text zu schreiben, ohne in Lobhudeleien für die JuPis auszubrechen. Bin ich jetzt cool?

Ethik & Empathie

18. Januar 2011

Seit ich mich mit dem Thema befasse - und im Grunde auch vorher schon - ist mir aufgefallen, dass viele das Nichttöten (und Nichtquälen) von (nichtmenschlichen) Tieren mit Empathie begründen. So passend sie für diese Individuen auch sein mag - sie will mir nicht gefallen. Meines Erachtens ist Mitgefühl weder eine Notwendigkeit noch ein Garant für Moral.

Vielleicht bin ich damit alleine, aber meines Erachtens sollten ethische Fragestellung in gewissem Sinne rational und nicht emotional beantwortet werden können. Denn Gefühle sind letztendlich immer willkürlich - und auf Willkür sollte man Werte, die ja oft auch einen gewissen Anspruch auf Allgemeingültigkeit (wenn dieser auch nie absolut sein kann) haben, nicht begründen. Vielmehr sollten sie sich logisch aus gewissen Grundannahmen schlussfolgern lassen. Natürlich kann eine Ethik niemals allen Personen gerecht werden… irgendwer wird es immer anders sehen. Aber mit einem einfachen «ich empfinde das eben so» möchte ich mich auch nicht zufrieden geben.

Ich nehme an der Stelle einfach mal mich selbst als Beispiel, werde aber später auch noch mal allgemein auf die Fragestellung eingehen. Das erste Mal mit Vegetarismus in Kontakt kam ich im Kindergarten. Als Begründung wurde hier, wie so oft, angeführt, die Tiere täten der entsprechenden Person eben Leid. Was an sich natürlich alles andere als verwerflich und sicherlich auch ein guter (persönlicher) Grund ist, sie nicht zu verzehren oder anderweitig an ihrer Tötung mitzuwirken. Es ist aber aus meiner Sicht kein Argument für Vegetarismus (oder Veganismus oder irgendwas anderes). Mir taten sie nämlich nicht Leid. Und das tun sie auch heute nicht. Genauso wenig, wie mir die oft herangezogenen (ver)hungernden Kinder in Drittweltländern leidtun. Aber müssen sie das, damit ich ihre Situation verurteile(n kann)? Damit ich ihr Leid anerkennen kann? Damit ich Verbesserungen für notwendig halten kann? Ich denke nicht.

Nur, damit mich keiner falsch versteht: Stünde ich einem solchen Kind gegenüber, täte es mir womöglich tatsächlich Leid. Ich weiß es nicht. Aber das spielt keine Rolle. Wenn ich jetzt daran denke, dass tagtäglich unzählige Kinder verhungern, empfinde ich dabei keine Trauer und auch kein Mitgefühl. Ich sehe es als schlecht an, ja. Aber Mitgefühl? Nein.

Außerdem könnte man sicher leicht Praktiken wie zum Beispiel die Todesstrafe rechtfertigen, wenn man als Gegenargument lediglich Mitgefühl ins Feld führt. Zumindest kann ich mir vorstellen, dass viele Leute kein Mitleid mit Mördern oder Kinderschändern hätten. Ich allerdings muss für mich sagen, dass ich die Todesstrafe ablehne.

Worauf kann man dann die Rücksichtnahme auf andere Lebewesen (und seien es auch ‹nur› Menschen) begründen? Ich möchte es mit Logik probieren.

Meine Grundannahme dafür ist, dass jedes Lebewesen erstmal frei und gleichwertig ist. Das heißt, es ist niemandem gegenüber verpflichtet und kann - sofern niemand anders dadurch beeinflusst wird - tun und lassen, was es will. Und zwar schlicht aus dem Grund, dass es selbst auch das einzige ist, das die Konsequenzen aus dieser Handlung zu tragen hat. Sobald jemand anderes diese ebenfalls zu tragen hat, muss er mindestens in die Entscheidung mit einbezogen werden.

Weiterhin zählt es auch nicht mehr oder weniger als irgendein anderes, denn wer könnte letztendlich beurteilen, was mehr und was weniger wert wäre und auf welcher Grundlage? Absolute Objektivität existiert ja bekanntermaßen sowieso nicht, also ist es auch nutzlos, sich der Illusion hinzugeben, sie täte es.

Wenn man dies beides akzeptiert, stellt sich die Frage, unter welchen Umständen man das ‹Recht› hätte, eine andere Kreatur zu töten. Da beide gleich viel wert sind, drängt sich eine Situation auf, in der es um Leben und Tod geht - und in der einer von beiden sterben muss, damit der andere überleben kann. Nun kann man einerseits argumentieren, dass es in diesem Fall am gerechtesten wäre, derjenige stürbe, der nur durch das aktive Töten des anderen überleben könne, da dieser, der ja ohne jegliche Veränderung der Situation sein Leben behielte, dadurch vielleicht eher ein Recht darauf hätte (gesetzt dem Fall, es müsste überhaupt nur einer von beiden töten).

Andererseits könnte man diese Art des Egoismus auch gewissermaßen verzeihen (unter der Prämisse, in so einer Situation handelte jeder so oder einfach dadurch, dass das Interesse am eigenen Überleben dies rechtfertige). Oder auch nicht. Damit will ich mich momentan gar nicht näher befassen, da diese Situation im Grunde nichts mit der Fragestellung zu tun hat - sie trifft jedoch in Bezug auf Pflanzen zu (ohne deren Konsum der Mensch ja letztendlich nicht überleben kann), da kann sich an dieser Stelle jeder seine eigene Meinung zu bilden.

Ist aber diese Voraussetzung, dass es um das eigene Überleben geht, nicht mehr gegeben, stellt sich die gleiche Frage erneut: Warum töten? Vor allem: Warum töten, wenn es nicht nötig ist? Es gibt keinen überlebenswichtigen Grund dazu - dementsprechend keinen für einen selbst wirklich essentiellen. Für die Gegenseite allerdings ist diese Frage allesentscheidend. Sie hat dort also einen sehr hohen Stellenwert, während der ‹Nachteil› auf unserer Seite letztendlich zu vernachlässigen wäre, stellt er doch lediglich den Verlust der Befriedigung oberflächlicher Gelüste dar.

Sind die Interessen desjenigen, um dessen Leben es dabei immerhin geht, in dem Fall nicht höher zu bewerten? Egal, ob man ihn mag oder nicht?

2010

07. Januar 2011

Eigentlich liegen mir derartige Rückblicke ja nicht, weil ich alles immer sofort vergesse. Außerdem erscheint es mir fragwürdig, Erlebnisse in willkürliche Zeiteinheiten einzuteilen. Aber grade deshalb will ich es diesmal trotzdem versuchen - und sei es nur, um mich vielleicht doch noch an etwas zu erinnern.

Also, was bleibt von 2010?

Filme

The Social Network
The Social Network war mein Überraschungs-Hit dieses Jahr. Ursprünglich hatte ich ihn gar nicht auf dem Schirm, dan interessierte er mich höchstens mäßig (selbstinitiativ hätte ich ihn wohl kaum angekuckt). Als ich dann jedoch erfahren habe, dass David Fincher der Regisseur war, habe ich es doch noch ernsthaft in Erwägung gezogen - obwohl eine ‹Erfolgsquote› von weniger als 50% auch nicht unbedingt für erwähnten spricht. Aber ich wurde positiv überrascht. Vielleicht grade, weil ich nicht sehr viele Erwartungen hatte. Auf jeden Fall hatte ich sehr viel Spaß mit diesem Film und habe keinen Euro bereut, den ich für den Kinobesuch ausgegeben habe. Da ich mich allerdings schon mal zu dem Film geäußert habe, belasse ich es an dieser Stelle mal dabei.

Inception
Vor Inception hingegen war man im Vorfeld ja kaum sicher - und das, obwohl ich mich nach wie vor als ziemlich hype-resistent bezeichnen würde. Und sei’s nur, weil ich einfach nichts mitbekomme… aber ich schweife ab. Allzu viel hatte ich auch in diesem Fall im Vorfeld nicht gehört, so dass ich relativ unvoreingenommen an die Sache gehen konnte (auf Geschwafel von irgendwelchen Leuten, die meinen Geschmack sowieso eher nicht teilen, lohnt es sich meistens auch nicht, ersnthaft etwas zu geben). Zwar handelt es sich hierbei nicht unbedingt um das Meisterwerk, als das er häufig verkauft wird, aber unterhaltsam ist er allemal. Etwas schade fand ich, dass die Charaktere verhältnismäßig zweidimensional bleiben und ihr Schicksal einen nie wirklich zu berühren vermag.

Scott Pilgrim vs. the World
Eigentlich hat auch Scott Pilgrim nur halbherzig mein Interesse wecken können (ein Kumpel, dessen Filmgeschmack sich von meinem traditionell doch erheblich unterscheidet - ich glaube, der einzige Film, den wir beide mögen, ist Fight Club - hatte mich überhaupt erst auf ihn aufmerksam gemacht), aber eine blauhaarige Ramona Flowers mit Fliegerbrille hat mich dann doch zum Anschauen bewogen. Wenn auch nicht im Kino, denn er wurde hier bereits nach einer Woche wieder abgesetzt. Aber für solche Fälle gibt es heutzutage ja glücklicherweise andere Methoden… letztendlich hat es sich für mich immerhin als lohnenswert erwiesen, wenngleich auch er nicht unbedingt zu meinem Lieblingsfilm avanciert ist. Und - hey - Asiatinnen und blaue Haare!

Was sonst noch so lief:

Machete
Um ein Meisterwerk handelt es sich hierbei natürlich nicht unbedingt, aber wer das erwartet, hat sich wohl im Film geirrt. Unterhaltsam war er allemal und zudem einer der wenigen Filme, bei dem das Kino wirklich proppevoll war. Und wer will, kann sogar ein klitzekleines bisschen Gesellschaftskritik in diesem Trash-Spektakel entdecken.

Chatroom
Tja… fand ich den jetzt gut oder schlecht? Fakt ist, dass Chatroom meines Erachtens weit unter seinem Potential bleibt. Die Idee ist zwar nicht schlecht und optisch weiß er durchaus zu gefallen (auch die einzelnen Räume fand ich ganz gut umgesetzt; technische Spielereien wären hier vermutlich auch unangebracht gewesen). Dafür wurde leider an den Charakteren gespart - besonders William hätte man irgendwie besser charakterisieren können. Zwar wird an manchen Stellen versucht wird, ihm mehr Menschlichkeit/Tiefe zu verleihen, doch bleibt dies meist erfolglos, so dass er im Grunde die ganze Zeit einfach primitiv ‹böse› und sein Handeln nicht wirklich nachvollziehbar bleibt (wie das besser geht, zeigt David Fincher in «The Social Network»). Die anderen Charaktere sind leider ähnlich flach, so dass ich mich bis zum Schluss nicht wirklich für sie erwärmen konnte.

The Princess and the Frog
Liegt’s eigentlich an mir oder sind die Animationen nicht so schön wie bei älteren Disney-Filmen? Außerdem haben die ganzen CG-Effekte genervt, aber das mag ich bei gezeichneten Filmen generell nicht.

Prince of Persia
Von Videospielverfilmungen erwartet man ja generell nichts (oder sollte es meiner Meinung nach zumindest nicht). Insofern kann ich auch nicht erklären, warum ich ihn mir überhaupt angesehen habe… aber da’s nun mal passiert ist, kann ich auch gleich was dazu schreiben. Besonders toll ist er erwartungsgemäß nicht, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet. Tatsächlich hätten mir hier mehr Action-Szenen (insbesondere mit etwas mehr an die Vorlage angelehnte Akrobatik) gefallen. Dass er am Ende (Achtung, Spoiler) das Mädchen kriegt, musste wohl sein. Hier fand ich die Vorlage sogar story-technisch besser.

Avatar
Eigentlich von vorletztem Jahr, aber ich habe ihn erst 2010 gesehen. Wie erwartet kein Meisterwerk, die Na’vi sind auch immer noch hässlich, aber ganz nett war er dann doch. Was vermutlich hauptsächlich an der echt hübsch designten Umgebung liegt, aber sei’s drum… wie es ein Mitschüler formulierte: Urlaub auf Pandora, anyone?

Alice im Wunderland
Hier muss ich zugeben, doch etwas enttäuscht gewesen zu sein. Nicht unbedingt, weil der Film von Tim Burton ist - der hat schon ein paar Ausreißer gehabt, also wär das nichts neues. Auch die Originalgeschichte ist jetzt nicht soo toll, dass man da groß was erwarten muss, aber… irgendwie… nun, man hätte sicherlich mehr draus machen können. In der Theorie passen Burton’s distinktiver Stil und das doch recht abgedrehte Setting inklusive Charakteren von Alice eigentlich sehr gut zusammen, in der Praxis fand ich das ganze dann aber doch nicht so überzeugend. Hinzu kam die eher mäßige Story (nicht, dass ich hier mit großartigem gerechnet hätte), die vielen unnötigen Computeranimationen und auch noch das unsägliche 3D (sorry, aber hier bin ich einfach mal total konservativ - wie eigentlich immer… ups!), so dass am Ende für mich kein erinnerungswürdiger Film übrig blieb.

Ein gutes Herz
Auch hier haben mir die für mich weniger nachvollziehbaren Handlungsweisen der Charaktere etwas die Freude am Werk verdorben. Insbesondere Miss MacGuffin April handelt aus meiner Sicht völlig willkürlich. Sehr plötzlich and (anscheinend) grundlos erschienen mir auch die Veränderungen der beiden Hauptcharaktere, welche sich nur teilweise aus dem Handlungsverlauf ableiten lassen (insbesondere im Fall von Jaques). Er hatte aber auch ein paar nette Elemente, die ich hier nicht unterschlagen will.

Ondine
Die Exposition versprach nettes, was der Film anfangs auch halbwegs hielt, dann jedoch immer weiter in - nun ja - uninteressante Gefilde abdriftete. Die Charaktere konnten mich großteils nicht fesseln, das Kind war (wie es Film- und auch echte Kinder leider oft so an sich haben) sogar überaus nervig und die Auflösung irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei. Zudem hat mir die visuelle Umsetzung irgendwie nicht gepasst, wenngleich ich auch nicht genau sagen kann, warum. Aber so den Anfang, den kann man schon kucken. Und wer hätte gedacht, dass ich mal etwas an einem Lied von Sigur Rós finde?

Metropia
In einem Wort: Meh.

Precious
Fand ich auch nicht soo doll wie angepriesen, aber schlecht war er auch nicht. Er hat einfach weniger meinen Geschmack getroffen. Und hey: Mariah Carey kann ja sogar gut aussehen.

9
Wär ebenfalls fast an mir vorbei gegangen - aber eben nur fast. Anfangs war ich skeptisch bezüglich der Optik, aber dann gefielen mir die Character Designs doch ganz gut. Dafür erschien mir der Plot etwas unentschlossen: Viele Dinge entwickeln sich sehr plötzlich; kaum ist eine Action-Szene vorbei, kommt schon die nächste, ohne dass immer klar ist, wie es überhaupt dazu kam oder warum die Figuren diese oder jene Handlung nun durchgeführt haben. Die coole 7 hat mich aber ein wenig darüber hinweggetröstet (ehrlich!).

Ponyo on the Cliff by the Sea
Es ist nicht unbedingt der nächste Mononoke, ganz niedlich fand ich ihn aber trotzdem. Obwohl sich die Geschichte an einigen Stellen für meinen Geschmack etwas zu abrupt entwickelt und das Ende etwas mehr ‹Biss› hätte vertragen können (insbesondere die Stelle mit der «Prüfung»… Sousuke wird gefragt, ob er Ponyo denn auch als Goldfisch möge/mochte, er bejaht und das war’s? …srsly?). Es mag nur mein verklärter Eindruck sein, aber mir scheint, auch die Qualität von Ghibli-Filmen nähme ab…

Filme, die ich gerne gesehen hätte, aber irgendwie verpasst habe:
The Road (leider erst im Nachhinein von erfahren)
Karate Kid (jaja, ich gestehe… der Trailer hat mir gefallen)
Buried (ist einfach irgendwie untergegangen)
Fish Tank (ebenso)
Shutter Island (erst viel zu spät Interesse aufgekommen)

Sonst noch dieses Jahr gesehen, lief aber nicht neu an:

Stadt der verlorenen Kinder
Ich behaupte einfach mal: ein typischer Jeunet (bzw. Jeunet-Caro). Über die Qualität der Story kann man sich sicherlich streiten, aber das Aussehen ist klasse. Sehr hübsches Setting, insbesondere die Stadt. Zur Abwechslung ist der Farbraum auch mal jenseits von Beige/Braun angesiedelt (als Videospieler reagiere ich leicht allergisch auf diese Kombination), was ich als sehr erfrischend empfand. Und natürlich Miette.

Long Dimanche de Fiançailles
Wo wir grad bei Beige waren… kommt meines Erachtens nicht unbedingt an seine übrigen Filme ran, ist aber trotzdem alles andere als schlecht. Ob das Ende nun positiv oder negativ gemeint ist, kann sich jeder selbst überlegen. Außerdem hat er natürlich die niedliche Audrey Tautou als Mathilde für sich zu verbuchen. Und, wie bei Jeunet üblich, das hübsche Design.

Hana & Alice
Aww! Hana & Alice ist ein sehr… wie soll man es sagen, ohne kitschig zu klingen… berührender Film. Zwar hat er, wie die anderen mir bekannten Werke von Shunji Iwai auch, gelegentliche Längen, jedoch wird dies durch das beeindruckende Ende und die interessanten Charaktere mehr als wett gemacht. Die Handlung selbst beginnt etwas abgedreht, stellt aber im Grunde nur die Kulisse für das Wirken der Charaktere. Besonders die zarte und doch starke Alice ist mir hier in Erinnerung geblieben, aber mehr will ich im Grunde gar nicht verraten.

There will be Blood
Zugegebenermaßen muss ich gestehen, dass ich nicht verstehe, was an There will be Blood so toll sein soll. Ja, er hat ein paar ‹wertvolle› Momente, über die man durchaus mal nachdenken kann. Aber unterhaltsam ist doch was anderes. Es sind nicht die durchweg unsympathischen Charaktere, die mir den Spaß daran verdorben haben. Die Schuld dafür schiebe ich vielmehr der (scheinbaren) Belanglosigkeit der ganzen Geschichte oder von mir aus auch überaus trockenen Erzählweise in die Schuhe. Was es auch sein mag - er konnte mich einfach nicht begeistern.

Dogville
Über das Ende habe ich ja an anderer Stelle bereits ausführlich geschrieben, nehme ich mich nun doch einmal dem Rest des Films an. Und, was soll ich sagen? Unterhaltsam geht definitiv anders. Tatsächlich fand ich ihn stellenweise sogar recht anstrengend. Und gäbe es nicht das fulminante Finale, die Geschichte wäre mir sicherlich nicht mal eine Erwähnung wert gewesen… aber es gibt es. Und daher schreibe ich hier nun, dass es nicht das unkonventionelle Set war, das mich gestört hat. Allerdings kann ich nicht sagen, ob der Dialog am Schluss wirklich so grandios war oder ob er einfach nur so wirkte, weil die anderen einfach so unscheinbar waren. Aber es war definitiv dieser, der den Film in meiner Gunst ‹gerettet› hat und im Grunde sein komplettes Grübelpotential ausmacht. Und ja, ich mochte das Ende, wenngleich vielleicht auch aus anderen Gründen als manch anderer (oder auch nicht).

Stalker
Absolut nicht vergleichbar mit dem Roman, auf dem er basiert, aber diesen sollte man am besten gar nicht im Hinterkopf haben - schließlich handelt es sich hierbei ja auch nicht um eine Verfilmung an sich. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, die Unkenntnis des Genannten könnte hier hilfreich sein. Aber was weiß ich schon? Jedenfalls lebt das Werk hauptsächlich von seiner Atmosphäre, die teils unheimlich, teils mysterös daherkommt. Neben der Farbgebung unterstützt vor allem die musikalische Untermalung hier das eigentümlich gespenstische, das den ganzen Film umgibt. Zwar wird die ‹Geschichte› recht langsam erzählt, die gehaltvollen Dialoge schaffen jedoch einen guten Ausgleich.

Let the right one in
Obwohl die Umsetzung nicht unbedingt perfekt ist, ein sehr eigentümlicher Film und zudem bestimmt einer der besten Vampirfilme, die ich kenne. Eli und Oskar sind besondere, wenn auch sicherlich moralisch fragwürdige Charaktere. Ihre Geschichte hätte man vielleicht auch etwas anders erzählen können, aber gerecht wird sie ihnen allemal (oh Gott, ergibt dieser Satz überhaupt Sinn?).

Alben

Ich als Musikliebhaber… *husthust* Okay, okay - da ich dieses Jahr überhaupt höchstens zwei neue Alben kennen gelernt habe, von denen mir auch nur eins wirklich gefiel, gewinnt hier völlig außer Konkurrenz:

Deftones - Diamond Eyes
Mal wieder so ein Fall, bei dem ich nicht damit gerechnet hab, dass es mir letztendlich so gut gefallen würde. Nicht, dass ich die Deftones nicht mögen würde… es ist nur so, dass mir Alben als Gesamtwerke allgemein selten zusagen. Meistens gefallen mir nur ein bis zwei Lieder und das war’s dann. Nicht so bei Diamond Eyes. Nicht nur lässt sich das ganze Album am Stück hören, es befinden sich auch noch einige erwähnenswerte Highlights drauf. So haben es mir neben dem titelgebenden Stück noch mindestens fünf weitere Lieder angetan - und das soll in meinem Fall schon was heißen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, «Diamond Eyes» sei mein Lieblingsalbum der Deftones - und vermutlich hätte ich Recht damit.

Bücher

Haha! Als hätte ich irgendwas gelesen, das dieses Jahr erschienen ist… dafür bekommt ihr aber einen kurzen Einblick in die von mir gelesenen und für erwähnenswert befundenen Schriebe:

Arkadi & Boris Strugatzki - Picknick am Wegesrand
Hier habe ich mich definitiv gut unterhalten gefühlt. Das Buch verströmt eine unglaubliche Atmosphäre, und das rein durch Wörter. Vielleicht ist nicht jeder Abschnitt gleich fesselnd, aber trotzdem wollte ich nie aufhören zu lesen. Die Charaktere sind, trotz nicht eben ausgeprägter Beschreibungen, nicht langweilig, wenn es auch nicht sie sind, die hier im Mittelpunkt stehen: Im Zentrum steht die Welt, die Zone, einige Gedanken (sowohl der Figuren als auch allgemeine Fragestellungen) sowie größere Zusammenhänge.

Amélie Nothomb - Biographie des Hungers
Das zweite semi-autobiografische Buch, das ich von Madame Nothomb gelesen habe. Das erste - Metaphysik der Röhren - hat mir zwar nur teilweise zugesagt, aber da mir ihr Schreibstil im Allgemeinen gefällt, habe ich mir schon so einiges aus ihrer Feder zu Gemüte geführt, obwohl die Handlung nicht immer das Nonplusultra darstellt. Warum genau mir dieses Buch besonders im Gedächtnis geblieben ist, kann ich gar nicht explizit sagen… es hatte einfach irgendwas. Die Tatsache, dass einige der beschriebenen Situation der Autorin vermutlich so oder so ähnlich wirklich zugestoßen sind, trägt sicherlich einen Teil zur Faszination bei.

David Kushner - Masters of DOOM
Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen nicht überragend. Das lag zum einen daran, dass es sich hierbei nicht um einen Roman, sondern eher um eine Art ‹Sachbuch› handelt, das tatsächliche Geschehnisse beschreibt (Biografie?) und zum anderen daran, dass ich auch mit id Software selbst nie so viel am Hut hatte. Habe zwar Quake II (und III) gespielt, aber das war’s im Grunde auch schon; alles andere hab ich höchstens mal angespielt. Dazu beigetragen, dass es mir trotzdem gefallen hat, haben sicherlich auch der flotte und prägnante Schreibstil des Autors (er ist eigentlich Journalist und ich finde, das merkt man auch) sowie die teils skurrilen Erlebnisse und Ereignisse, die geschildert werden. Allen voran stechen aber die einprägsamen Hauptakteure, die sehr plastisch beschrieben sind, hervor. Neben den beiden Johns werden auch noch andere, teilweise bekannte Personen erwähnt, auf die jedoch mit weniger Detailreichtum eingegangen wird - was ich allerdings nicht als unpassend empfand, da hier ja von vornherein klar ist, auf wem das Hauptaugenmerk liegt.

Neal Stephenson - Snow Crash
Da die deutsche Übersetzung bei Amazon eher schlecht weggekommen ist, habe ich mich für die englische Version meines ersten Buches von Stephenson entschieden. Überraschenderweise gestaltete sich das verständnis trotz - oder gerade? - der komplett anderen Welt und den teilweise detaillierten Beschreibungen technischer Geräte und Funktionalitäten nicht allzu schwierig. ich würde sogar behaupten, es war einfacher als bei einigen nichtphantastischen Romanen… aber ich schweife ab. Inhaltlich hat mir das Buch durchaus zugesagt, obwohl der Aspekt mit den ganzen Gottheiten und der Sprache mir nicht ganz so zugesagt hat - ich hab’s wohl eher so mit Techpr0n. Die Charaktere sind zwar nicht unbedingt vielschichtig, dafür ist aber das Szenario umso spannender. Und, hach, wie nerdig! (’tschuldigt den Ausdruck, aber…)

So viel zu den ‹Krachern›. Ansonsten gab’s da noch:

Philip K. Dick - Ubik
Zwar ist es nicht direkt zu meinem Lieblingsbuch avanciert, besonders hervorheben möchte ich Ubik hier aber doch. Und das nicht nur, weil es mein erster Kontakt mit einem Buch von Herrn Dick (hihi) war, sondern auch, weil es mir wirklich gefallen hat. Obwohl es keine Offenbarung ist, hat es mir dennoch unheimlichen Spaß beim Lesen bereitet - und das kann eigentlich nichts schlechtes sein, oder? Das Buch überzeugt zwar nicht unbedingt durch seine vielschichtigen Charaktere, aber allein die Beschreibugn der Welt macht schon einen großen teil des Reizes aus, den es unweigerlich verströmt.

John Ajvide Lindqvist - So finster die Nacht
Zugegebenermaßen hatte das Buch seine Längen. Vor allem die Szenen mit den erwachsenen Nebencharakteren haben mich weit weniger gereizt als die Geschichte von Eli und Oskar. Wie nicht eben unüblich werden im Buch auch einige Dinge erwähnt, die es nicht in den Film geschafft haben, wovon ein Teil wiederum unterhaltsam und gewissermaßen ‹wissenswert› erschien, ich auf manch anderes dafür aber auch hätte verzichten können (erwähnte Handlungsstränge mit - im Film - eher Nebencharakteren).

Diana Wynne Jones - Sophie im Schloss des Zauberers
Wie es bei Ghibli ja häufiger der Fall ist, unterscheidet sich sie Buchvorlage zu Howl’s moving Castle doch deutlich von diesem. Trotzdem konnte mich diese Version der Erzählung auf ihre Weise mitreißen und viele Hintergründe, die so in der filmischen Umsetzung nicht vorkommen, ermöglichen es einem, die Charaktere und deren beweggründe etwas besser zu verstehen. Einige Zusammenhänge sind auch etwas anders oder Sachverhalte kommen gar nicht oder nur am Rande vor. Vielleicht ist es kein literarisches Meisterwerk, aber eine nette Geschichte bleibt es doch.

Muriel Barbery - Eleganz des Igels
Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Das Dilemma fängt schon damit an, dass mir so gut wie alle Charaktere unsympathisch sind. Die beiden Erzählerinnen sind herablassend und fühlen sich in der Art, wie sie sich für den ‹gemeinen Pöbel› anpassen auch noch überlegen und klug. Die Nebencharaktere erwähne ich lieber gar nicht erst, denn diese sind ohnehin so angelegt, dass sie dem Leser möglichst nicht gefallen. Die einzige Ausnahme bietet Herr Ozu (und vielleicht Manuela, der aber eher weniger Platz eingeräumt wird), der mir allerdings schon deshalb nicht gefallen konnte, weil er im Grunde die typische hochstilisierte Japanophilie darstellt, die mir spätestens seit dem Anime-Boom sowas von auf den Keks geht… aber ich schweife ab. Hat der Roman auch was gutes zu bieten? Irgendwie schon. Er liest sich recht unkompliziert (außer, wenn mal wieder auf intellektuell gemacht wird) und die Auflösung ist, wenn auch nicht überraschend, doch insgesamt nicht schlecht (lieber ein zwangsläufig schlechtes Ende als ein erzwungenes Happy End, oder?).

Linus Torvalds & David Diamond - Just for Fun
Obgleich ich es für nicht ganz so unterhaltsam wie Masters of DOOM halte, war es die Lebenszeit doch allemal wert und das, obwohl ich von den technischen Aspekten eigentlich keine Ahnung habe (davor wird an einigen Stellen im Buch gewarnt, was ich allerdings überhaupt nicht als störend empfunden habe - im Gegenteil, die zum Überpringen empfohlenen Seiten waren mit das interessanteste). Für das Thema (also «Open Source» an sich; nicht unbedingt Linux im Speziellen) sollte man sich aber wohl schon interessieren, schätze ich. Andererseits ist das vermutlich nicht so ungewöhnlich.

Spiele

Auch hier war dieses Jahr eher Flaute… aber ich versuch’s trotzdem mal.

Bayonetta
Oder auch «Fan Service: The Game». Sobald man die drei Tanzchoreographien im Abspann (inklusive Pole Dance) gesehen hat, weiß man, warum die Entwickler anscheinend kaum noch Zeit mehr für animierte Zwischensequenzen hatten… ansonsten ist das ganze für aktuelle Verhältnisse bockschwer, für Hideki-Kamiya-Verhältnisse wohl ‹normal› (was immer das heißen mag). Mir persönlich war es irgendwann auch zu repetetiv, als gefühlt alle paar Minuten einer der drei immer gleichen Zwischengegner auftauchte. Aber vielleicht lag’s auch nur daran, dass ich für jeden davon eine geschätzte Viertelstunde oder sogar länger brauchte. Ähem… keine Kommentare zu meiner Spielkompetenz!

Prince of Persia - Forgotten Sands
Spielerisch im Grunde Sands of Time mit der Möglichkeit, Wasser zu stoppen. Wer sich also schon immer mal eine Fortsetzung gewünscht hat…

Dogville

05. Januar 2011

Dogville ist ein interessanter Film. Nicht unbedingt im Sinne von ‹fesselnd› - tatsächlich fand ich ihn stellenweise sogar recht anstrengend, und er ist auch nicht grade kurz (oder flott erzählt). Umso faszinierender ist dafür das Ende, dem ich mich auch direkt widmen will (in diesem Sinne also Spoiler-Alarm für den restlichen Post und wer eine Inhaltsangabe oder allgemeine Meinungen zum Film haben will, findet diese an anderer Stelle).

Warum gefällt mir das Ende also? Einerseits birgt es natürlich eine gewisse Genugtuung, denn letztendlich sind die Dorfbewohner nichts als dumme Arschlöcher, denen wohl jeder gerne mal die Fresse polieren würde. Das allein macht es aber nicht aus. Auch nicht die Tatsache, dass ich nicht unbedingt damit gerechnet habe. Es ist vielmehr der Konflikt der Situation an sich.

Einerseits zeigt der Ausgang, dass auch Grace letztendlich ‹nur› ein Mensch ist - und menschlich handelt. Kein Gutmensch, kein Übermensch. Keine Belldandy, die auch dem größten Deppen noch Mitleid und Verständnis entgegen bringt (verzeiht, aber dieser Charakter kommt mir in solchen Zusammnhängen immer als erstes in den Sinn… sie ist einfach viel zu nett; ich könnte sie köpfen!).

Während hier also ihre eigene moralische Imperfektion dargelegt wird, werden gleichzeitig ethische Standards verlangt. Wie ihr Vater direkt vorher bemerkt, vergibt Grace zuvor deshalb, weil sie andere nicht an ihren eigenen Werten misst: Sie selbst hätte nicht so wie die Dorfbewohner gehandelt. Sie gesteht hiermit also zweierlei ‹Fehler› ein. Erstens, dass - unter gewissen Voraussetzungen - jeder auf diese Weise hätte gehandelt haben können, was wiederum den freien Willen unterminiert. Zweitens, die Annahme, dass die Menschen von sich aus ihre Fehler eingestehen und verantwortungsbewusst gehandelt hätten, denn das haben sie nicht - sich selbst überlassen, ohne die Gefahr der Bestrafung (von außen oder durch Grace selbst), haben sie nur ihren eigenen Vorteil gesehen.

Aber dies ist auch interessant: Sind Gesetze oder andere äußere Kontrollen notwendig, um ethisches Verhalten zu gewährleisten? Ist es dann überhaupt noch Moral, wenn es von außen oktroyiert wird?

Die komplette Szene sagt sowohl etwas über den Charakter Grace, die menschliche Natur (so diese denn in ihrer Generalität existiert) sowie den Zuschauer selbst aus. Grace selbst wird, wie schon erwähnt, ‹vermenschlicht› - sie verliert ihre Barmherzigkeit, ihre endlose Güte, mit der sie die Menschen, denen sie nie etwas böses wollte, doch nicht erreichen konnte. In jedem Menschen steckt also ein (moralischer) ‹Makels› - nicht unbedingt etwas böses (ich mag diese Schwarz/Weiß-Malerei nicht unbedingt), denn ich denke, unter den gegebenen Umständen ist ihr Verhalten zumindest teilweise verständlich - aber doch etwas, das dem immerguten, engelhaften entgegen steht. Zudem wirft es natürlich die Frage der Macht auf, denn Grace verliert ihre Gnade, als sie selbst in die machthabende Position kommt und nutzt diese zum Nachteil der Schwächeren.

Ist sie also genauso wie die Einwohner Dogvilles, weil sie ihre Macht ebenso gegen sie einsetzt wie diese es zuvor taten oder steht sie dennoch abseits von ihnen, da sie dies nicht völlig ohne Grund und letztendlich im Namen der Moral tut?

Was es letztendlich über den Zuschauer selbst aussagt, liegt natürlich an ihm… empfindet er Genugtuung beim Massaker der Dorfbewohner? Empfindet er es als gerechte Strafe? Hätte er eventuell sogar genauso gehandelt? Was erwartet er in der Situation von Grace - und hätte er im Zweifelsfall genauso gehandelt?

So passend ich sie selbst empfand, sind Grace’ Handlungen also gerechtfertigt? Natürlich nicht. Aber meines Erachtens geht es darum auch gar nicht. Sicherlich hätte sie, realistisch betrachtet, weder alle töten noch zurück nach Dogville gemusst. Aber dann hätte der Film nicht funktioniert. Genauso, wie er nicht funktioniert hätte, wäre sie bis zum Ende hin ‹gut› geblieben.

Auch ist es aus meiner Sicht eher unerheblich, dass sie auch das Baby erschießen lässt. Offensichtlich hat dies objektiv gesehen nichts falsches gemacht (machen können) - aber es ist ein Mensch, aufgezogen von den Dorfbewohnern. Filmisch betrachtet ist es ein Einwohner Dogvilles (allein durch das Setting wird meiner Auffassung nach unterstrichen, dass es sich hierbei um eine Parabel und nicht um eine realistische Darstellung handelt).

Der Hund hingegen bleibt am Leben: er ist ‹unschuldig›. Warum ist der Hund unschuldig und das Kind nicht? Zunächst einmal ist er kein Mensch. Traditionell betrachtet sind andere Tiere - zumindest aus unserer Sicht - nicht zu moralischen Betrachtungen oder gar Handlungen fähig. Wir wissen nicht mal, ob sie eine Wahl haben (während dies von Menschen hingegen zumindest angenommen wird). Auch hat er Grace natürlich nicht ausgenutzt - im Gegenteil, sie hat ihm ja den Knochen gestohlen. Er wäre also, von unseren Standards aus betrachtet, überhaupt der einzige gewesen, der einen Grund gehabt hätte, Groll gegen Grace zu hegen.

Und: Wissen die Menschen in Dogville, was sie tun? Verstehen sie, dass ihre Handlungen moralisch nicht zu rechtfertigen sind? Wenn nein, sollte man ihnen dann vergeben? Woran macht man überhaupt fest, ob sie ihr Verhalten moralisch einordnen können, ob sie ein ethisches Verständnis haben? Hat Grace ihre Situation selbst nicht dadurch verschlimmert, dass sie ihnen nie wirklich etwas entgegen gesetzt hat? Dass sie ihnen alles vergab und darauf vertraute, dass in ihnen (auch) Gutes steckt? Dass sie ihre Fehler selbst einsähen? Und sind die Gangster wirklich schlimmer als die ‹gewöhnlichen› Menschen, weil sie sich ihrer moralischen Fragwürdigkeit offensichtlich bewusst sind, sogar ganz offen dazu stehen? Wer gehört hier eigentlich nicht zu den Bösen?

Diese Fragen kann natürlich jeder für sich beantworten und ich behaupte nicht, die Antworten zu kennen. Aber ich denke, Menschen sind durchaus zu moralischen Betrachtungen fähig - unabhängig davon, wie ausgeprägt ihre ethische Erziehung war oder nicht (es wird ja im Film erwähnt, dass im Dorf kein Prediger vorhanden ist, der wohl dafür zuständig gewesen wäre). Man kann - und sollte - sich in solchen Fragen nicht auf äußere Autoritäten verlassen (müssen). Auch nicht im Film.

Gilt das auch für die Kinder? Aber sicher. Mir widerstrebt diese Darstellung der «unschuldigen» Kinder sowieso. Seit wann sind Kinder unschuldig? Meiner Erfahrung nach sind das die gemeinsten Menschen überhaupt. Und das nicht ausschließlich, weil sie es nicht verstehen. Herrje, auch Kinder können doch denken! Und ich halte es für offensichtlicht, dass zumindest die aus «Dogville» schon (im Groben) verstanden haben, was sie da tun bzw. dass es nicht eben ‹nett› ist. Die einzige Ausnahme, die ich an dieser Stelle machen mag, ist Achilles.

Auch kann ich nicht verstehen, wie einige behaupten, Grace sei selbst an ihrer misslichen Lage schuld. Sicherlich, sie hat sich einiges gefallen lassen. Dennoch ist - zumindest bei mir - nie der Eindruck entstanden, es könne ihr gefallen oder wenigstens nichts ausmachen. Sie hat doch in den meisten Szenen recht deutlich gemacht, dass sie nicht einverstanden mit dem Verhalten der Bürger war (beispielsweise bat sie Chuck, wenn auch auf eine in Anbetracht der Situation überaus freundliche Weise, flehentlich darum, sie in Ruhe zu lassen und auch später, im Gespräch in der Kirche, auch wenn dieses selbst nicht gezeigt wird, versucht sie, die Leute zumindest zum Nachdenken zu bringen).

Überhaupt ist Verantwortung ein Thema. Die Leute aus Dogville übernehmen diese nicht, sondern schieben sie auf andere (Grace wird fortlaufend beschuldigt, die Leute zu ihrem Verhalten ermutigt zu haben oder dergleichen). Tom übernimmt sie nicht - er schiebt jegliche Schuld Grace in die Schuhe (für den Diebstahl des Geldes seines Vaters etc.), ersinnt bis zum Ende hin windige Ausflüchte, warum sein Verhalten gerechtfertigt wäre, da er sich selbst für moralisch überlegen hält (gleichzeitig aber wohl erkennt/nicht wahrhaben will, dass er es nicht ist).

Und Grace will sie ihnen auch gar nicht aufbürden - zunächst. Fortwährend findet sie Entschuldigungen und Ausflüchte für die Menschen, redet sich ein, sie hätte womöglich genauso gehandelt. Ironischerweise bestätigt sie dies letztendlich sogar teilweise, indem sie sie auf unmoralische Weise zur Verantwortung zieht. Ist es gerechtfertigt, Gerechtigkeit durch Ungerechtigkeit zu erlangen?

Allerdings gibt es natürlich nicht nur Rache und Vergebung. In der Realität muss der Vericht auf Rache nicht zwangsläufig Absolution bedeuten.

Ist es deshalb falsch, von anderen weniger zu verlangen als von einem selbst? Also quasi einen anderen Maßstab anzulegen?

Generell ist es natürlich eher weniger wünschenswert, da nicht integer und somit potentiell willkürlich, mit zweierlei Maß zu messen. Andererseits tut man auf diese spezielle Weise weniger anderen als sich selbst Unrecht. Zumindest moralisch gesehen bestünde hier meines Erachtens also weniger ein Problem. Zudem muss man bedenken, dass Ethik niemals allumfassend ist. Wer bestimmt, was richtig und falsch ist? Letztendlich immer Individuen mit subjektiven Betrachtungsweisen. Darf ich also über andere urteilen? Darf ich meine moralischen Maßstäbe an andere anlegen - auch, wenn ich damit mitunter ihre Freiheit einschränke? Kann ich andere überhaupt adäquat beurteilen, obwohl ich sie niemals in ihrer Gänze erfassen kann (im Gegensatz zu mir selbst)?

Oder ist es tatsächlich, wie Grace’ Vater behauptet, arrogant, anzunehmen, andere würden den eigenen Maßstäben nicht gerecht werden? Könnten ihnen eventuell gar nicht gerecht werden? Erhebt man sich damit nicht sogar prinzipiell über sie (ob nun auf intellektueller oder anderer Ebene)? Oder, wie hier formuliert: Wie viel kann/darf/sollte man anderen vergeben, das man sich selbst nicht vergeben könnte?

Vielleicht ist es ein bisschen von beidem. Vielleicht ist es genau diese Fragestellung, die den Ausgang interessant macht.

Hat mich übrigens ein wenig an Brecht’s Der gute Mensch von Sezuan erinnert.

Rote Bete & Gnocchi von REWE vegan

06. Dezember 2010

Habe in letzter Zeit mal wieder ein paar Antworten auf Produktanfragen erhalten, die sogar beide positiv ausgefallen sind. Allerdings muss man dazu natürlich immer bedenken, dass sich diese bei Eigenmarken nur auf spezifische Händler bezieht, welche sich durchaus auch ändern können, ohne, dass sich sonst etwas am Produkt oder der Verpackung ändert.

Hier trotzdem die beiden Antworten (bei der ersten bin ich mir allerdings nicht gaz sicher, ob das jetzt auch wirklich heißt, dass das Aroma keinen tierischen Ursprung hat, da ja dort «laut Zutatenliste» steht… und die ist diesbezüglich uneindeutig):

Zurzeit beziehen wir den angefragten REWE Gnocchi von einem Hersteller, der auf der Verpackung mit der Buchstaben- u. Zahlencodierung S7255 zu erkennen ist.

Laut Zutatenliste werden keine tierischen Zutaten verwendet.

Zutatenverzeichnis: Kartoffelpüree 78% (Wasser, Kartoffelflocken 23%), Weizenmehl, Kartoffelmehl 6%, Kartoffelstärke, Speisesalz, Aroma, Reismehl.

Der Artikel ist somit rezeptorisch für eine vegane Ernährung geeignet.

Bitte beachten Sie deshalb, dass die Aussage nur für die Lieferantencodierung S7255 gilt.

Und hier zur roten Bete:

1. Wird der Branntweinessig mit Hilfe von Gelatine oder anderen Tierprodukten geklärt?
- Der Essig wird nicht mit Gelatine oder anderen Tierprodukten geklärt.

2. Ist das natürliche Aroma tierischen oder pflanzlichen Ursprungs?
- Das Aroma enthält keinerlei tierischen Bestandteile.

3. Werden sonstige tierische Hilfs- oder Zusatzstoffe verwendet, die nicht deklarationspflichtig sind?
- Es werden keine tierischen Hilfs- oder Zusatzstoffe verwendet.

Um bundesweit unsere Kunden mit unseren Handelsmarken zu versorgen, ist ein Lieferantenwechsel bzw. ein Hinzukommen eines anderen Lieferanten nie ganz auszuschließen.

Bitte beachten Sie deshalb, dass die Aussagen nur für die Lieferantencodierung E0245 gelten.