Ich bitte schon mal im Voraus um Verzeihung für diesen doch etwas reißerischen Titel. Aber ich muss da jetzt einfach mal drüber schreiben.
Wir hatten da mal so eine Diskussion in unserer Rechtsdozentur (bei einem -anwalt) zum Thema Jugendschutz (was auch sonst?), wo als Totschlagargument für die BPjM und Medienverboten (Beschlagnahmung) mal wieder alte Hut der Kinderpronografie rausgekramt wurde. Lautete dann in etwa so: «Und Spiele mit Kinderpornografie wollen wir ja schließlich alle nicht.»
Mein Einwurf, dass ich damit keine Probleme hätte, hat mir natürlich nicht grade Sympathien eingebracht. Aber sei’s drum. Ich finde nun mal, dass eine mediale Darstellung von etwas keiner reellen Handlung gleichkommt. Egal ob nun bei Mord oder Missbrauch. Pornografie ist ja auch nicht gleich Vergewaltigung, bloß weil in Pornos (oder anderesn Filmen) auch vergewaltigt wird (ich weiß, Gewaltpornografie ist in Deutschland ebenfalls verboten - und ich kenne bisher auch keinen, der öffentlich zugegeben hat, sowas gerne zu sehen - dennoch habe ich bisher nicht den Eindruck, dass viele Leute prinzipiell etwas gegen die Existenz solcher Medien haben). Dementsprechend: Kinderpornografie ≠ Sexueller Missbrauch (von Kindern).
Wohlgemerkt bezieht sich das nur auf kinderpornografische Darstellungen in Medien wie Videospielen, Comics oder Trickfilmen. Ich fände es schon etwas bedenklich, Realfilme mit derlei Inhalten zu drehen. Schließlich kämen da ja auch wieder echte Kinder drin vor.
Aber warum genau ist denn die Darstellung von etwas, das dabei nicht tatsächlich passiert, so schlimm? Eklig vielleicht, das will ich ja gar nicht bestreiten. Aber sowas ist immerhin Geschmackssache. Solange kein Kind zu Schaden kommt, verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Für Hostel ist ja auch keiner gestorben. Oder gefoltert worden.
Ist es nicht also naheliegend, dass - ähnlich wie nicht jeder Spieler von Manhunt 2 auch in der Realität ein folternder Serienmörder ist - auch nicht jeder, der ein Spiel mit kinderpornografischem Inhalt spielen würde, in Wirklichkeit Kinder vergewaltigen will?
Auch denke ich nicht, dass derlei Medien die letztendliche Gewaltverbrechensrate an Kindern erhöhen wurde. Warum? Leute, die sowas tun, tun es sowieso und bekommen sowieso Kinderpornos, falls sie die ‹nebenbei› auch noch konsumieren. Im Zweifelsfall auch welche mit echten Kindern (wobei ich das nicht als Argument nutzen würde, um irgendwas an sich zu legalisieren - denn auf «das passiert sowieso» kann man sich letztendlich auch bei Mord berufen). Zumal Pädophilie an sich, solange man deshalb nicht gleich Kinder sexuell belästigt, auch nicht per se schadet (ich will damit aber natürlich keine Aussage über die tatsächlichen Quoten machen). Wenn ich mir Folterpornos anschau, hab ich damit ja auch nicht gleich drei Frauen auf dem Gewissen. Würd ich auch nicht machen. Ich denke eher, dass wenn man sowas legalisiert, man es als ‹Kanal› für Triebe benutzen könnte… ähnlich wie Sport und dergleichen auch als Katalysator für echte Aggressionen und andere ‹niedere Triebe› dienen kann.
Ich sehe das hauptsächlich deshalb so, weil ich die Schlussfolgerung für logisch halte, dass man sich seine sexuellen Vorlieben nicht aussuchen kann. Sie sind einfach da. Man muss dann zwangsläufig irgendwie versuchen, damit umzugehen. Und je leichter es einem dabei gemacht wird, dies zu tun, ohne jemand anderem zu schaden - umso besser. Ganz einfach weil man sowas eben nicht ‹einfach› wegtherapieren kann.
Mir fällt also wirklich kein gutes Argument ein, warum die Darstellung von etwas verbotenem dadurch ebenfalls (automatisch) verboten sein sollte.




