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Monatsarchiv: September 2011

Hell

23. September 2011

Angesichts mehrerer positiver Presseartikel, über die ich in letzter Zeit zum Film Hell gestolpert bin, muss ich nun doch nochmal meine Meinung zu dem Regiedebüt von Tim Fehlbaum kundtun. Worum es geht, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein: Die Sonne scheint – aus welchem Grund auch immer – unnachgiebig, es ist heiß, Spuren der Zivilisation wie auch Rohstoffe gibt es nur noch spärlich. Leider sieht man vor allem von der im Titel angekündigten Helligkeit insgesamt nur recht wenig, da der Großteil des Films nachts oder in einem trüben Zwielicht spielt. Einerseits verständlich, da man ansonsten vermutlich nicht allzu viel erkennen könnte (und vor allem ständig die Charaktere verwechseln würde). Auch nicht unbedingt unästhetisch, nur sind verwaschene blaugraue Bilder nicht eben bahnbrechend innovativ. Zudem gibt es auch nur spärlich verteilte Totalaufnahmen, so dass einem das ‹große Ganze› insgesamt eher verschlossen bleibt und es höchstens bis zu einer diffusen Idee, die man sich aus diversen, im Vorfeld gelesenen Beschreibungen zusammengestückelt hat, reicht. Schade.

Nachdem ich das nun mit möglichst umständlichen Bandwurmsätzen (sorry~) geklärt hätte, kommen wir zu den anderen Aspekten des Films. Zunächst einmal wären da die Charaktere. Diese bleiben anfangs recht flach (nur Phillip darf sich etwas unbeliebt machen), mutieren aber auch später nicht mehr zu übermäßig tiefgründigen Persönlichkeiten. Vielleicht bezeichnend, dass Tom für mich nicht nur der interessanteste, sondern auch sympathischste Charakter war. Denn viel Screentime hat der arme Junge nicht unbedingt spendiert bekommen.

Marie erschien mir als Hauptfigur nur teilweise nachvollziehbar. Ebenso wenig konnte ich mich durchweg für ihr Schicksal erwärmen, obwohl sie zumindest in keine grobe Charakterfalle (Zickigkeit, «Damsel in Distress»-Anwandlungen oder ähnliches) tappt. Leonie hingegen wirkt eher wie ein etwas miesepetriger MacGuffin. Oder so. Aber damit habe ich im Großen und Ganzen kein Problem – letztendlich können jüngere Geschwister wie auch kleine Kinder in Filmen viel, viel nerviger sein.

Die Story haut mich, wie auch der Rest der Mischung, nicht unbedingt vom Hocker. Sie ist aber auch nicht schlecht. Die Art des Films verleitet mich zu der Annahme, um sie gehe es hier sowieso weniger. Schließlich heißt das Setting Postapokalypse – wen interessiert da noch der Plot! Andere Vertreter des Genres (ist das überhaupt ein Genre?) haben gezeigt, dass man dieses Metier auch (fast) ohne rocken kann. Aber um die soll’s hier nicht gehen.

Erwähnenswert wäre noch, dass sich der Streifen für eine deutsche Produktion überraschend (und irgendwie erfrischend) ‹undeutsch› anfühlt. Rein optisch als auch inhaltlich. Dass die Schauspieler Deutsche sind, merkt man natürlich irgendwie. Aber wie sollte man das auch nicht? Sie sprechen ja deutsch.

Insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob ich vom Film wirklich enttäuscht sein soll. Er war nicht schlecht. Nur eben auch nicht wirklich gut. Die Möglichkeiten des Szenarios werden meiner Meinung nach aber nur leidlich ausgeschöpft, obwohl der Film keineswegs trashig daherkommt. Optisch ist das ganze zwar stimmig umgesetzt, es fehlt mir aber eben der etwas häufigere Blick auf die Umgebung. Ich will verdörrte Landschaften sehen und gleißende Sonnenstrahlen über Zivilisationsresten (oder wahlweise Bergen, Wäldern,…)!

Bereue ich es also, den Film als einen von zweien Kinobesuchen des letzten Fantasy Filmfests auserkoren zu haben? Eigentlich nicht – und sei es nur aufgrund des sympathischen Regisseurs, der doch eigentlich nur einen Zombiefilm drehen wollte («Nur, damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich will immer noch einen Zombiefilm drehen.»).

Und woher verdammt kenne ich Hannah Herzsprung?