Inhalt

Im Namen des Lexikons

Im Namen des Lexikons ist ein Buch von Amélie Nothomb. Das heißt, es ist wie alle Bücher von Madame Nothomb: sehr gut zu lesen, aber mit nervigen, bisweilen dämlichen Charakteren, mindestens einem ‹perfekten› Kind, seltsamen Namen und einem unausgegorenen Ende. So oder so ähnlich könnte man es vielleicht zusammen­fassen – aber dann wäre dieser Post ja schrecklich kurz.

Fangen wir also mit einer kurzen Inhaltsangabe an: Auch in der deutschsprachigen Ausgabe von «Robert de Noms propres» geht es um ein Mädchen mit dem – angeblich – seltsamen Vornamen «Plectrude». Da meine Französischkenntnisse allerdings nach der zehnten Klasse angefangen haben, sich rasant zurückzubilden (und es immer noch täten, wenn sie dadurch nicht schon längst im negativen Bereich angelangt wären), kann ich diesen Umstand jedoch nicht recht beurteilen. Glück gehabt, denn eigentlich tut er auch nur wenig zur Sache.

Während sie anfangs noch ein wenig seltsam anmutet, versteht es ihre Geschichte im Verlauf selbiger durchaus, Interesse für sich zu wecken und mitunter sogar, zu unterhalten. Auch, wenn sich hier erneut viele Versatzstücke anderer Nothomb-Werke wiederfinden. So hat sie offensichtlich nicht nur immer noch einen Hang zu ausgefallenen Namen, sie macht diese Tatsache auch noch ungemein gerne zum Thema ihrer Bücher. Selbstverständlich hat auch wieder die personifizierte Perfektion, diesmal in Gestalt der Plectrude höchstselbst, einen Auftritt. Nicht zu vergessen natürlich die dazu gehörige grenzenlose Verehrung durch Mitmenschen (oder -figuren). Und ja, gemordet wird natürlich auch – und das nicht nur einmal. Wer sich für die weiteren vorkommenden nothomb-typischen Themen interessiert, kann ja mal ein anderes ihrer Bücher aufschlagen. Es findet sich bestimmt was.

Kann ich darüber noch ein wenig entrückt hinwegsehen (ich weiß ja, worauf ich mich einlasse – zudem entwickelt der Plot, trotz seiner relativen Austauschbarkeit, in der Mitte plötzlich eine Art sanften Sog – und ich kann auch nicht leugnen, dass mich einige der nothomb-typischen Themen durchaus ansprechen), so muss ich doch sagen, dass das Ende für meinen Geschmack ein wenig zu unausgegoren geworden ist. Die Handlung wirkt ab einem gewissen Punkt plötzlich so, als hätte die Autorin keine Zeit mehr gehabt, ihre Ideen für den weiteren Verlauf vernünftig auszuarbeiten und als wären ihr selbige letztendlich sogar vollkommen ausgegangen. Das ist natürlich umso bedauerlicher, da sie es gerade erst geschafft hatte, Interesse für das Leben der kleinen Plectrude zu wecken.

Aber sei’s drum: Kaum hat man die Verfehlungen der letzten Seiten so richtig bemerkt, ist es auch schon vorbei.

Achso: Bei dem Roman handelt es sich angeblich um ein semi-biografisches Buch der französischen Sängerin RoBERT, die ich jedoch nicht kenne. Vielleicht ist der Ausgang also auch einfach nur eine Anhäufung irgendwelcher Insider, über die sich die beiden insgeheim kaputtlachen. Wer weiß.

Kommentar schreiben

E-Mail wird nicht angezeigt oder weitergegeben.