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Indizierung von Weblogs – Zensur ja oder nein? (Update)

Wie ja gestern auf unterschiedlichen Seiten zu lesen war, hat die BPjM den Blog einer Pro-Ana indiziert. Die Meinungen, ob es sich dabei tatsächlich um handfeste Zensur handelt, gehen durchaus auseinander.

Formell handelt es sich bei einer Indizierung natürlich nicht um «Zensur» im eigentlichen Wortsinn, da nur Minderjährigen der Zugang verwehrt wird (oder werden soll). De facto ist es aber trotzdem oft so, dass betroffene Inhalte dadurch letztendlich komplett verschwinden, z.B. durch entsprechende Veröffentlichungspolitik bei kommerziellen Angeboten (Spiele, Filme etc.), da sich indizierte Medien ohne Werbung eben einfach nicht mehr vermarkten lassen, was dann letztendlich natürlich auch Auswirkungen auf die Zugänglichkeit für Erwachsene hat. Hinzu kommt, dass viele Ladenketten gar keine indizierten Medien mehr führen.

Bei Internetseiten (die ja auch schon länger auf dem Index landen können, nicht erst seit gestern) ist das noch mal eine etwas andere Sache, da diese ja in der Regel nicht verkauft werden. Hier eine Altersverifizierung einzubauen (soweit ich mich informieren konnte, ist in Deutschland dafür nur das PostIdent-Verfahren zulässig) kostet natürlich nicht nur Zeit sondern eventuell auch Geld. Da es sich bei der Inhaberin des Weblogs selbst auch noch um eine Miderjährige handelt, frage ich mich, ob sowas für sie rechtlich gesehen überhaupt möglich wäre (und ist ihr der Besuch ihrer eigenen Webseite dann nicht eigentlich auch verboten?).

Wie dem auch sei. Dass ich generell nicht viel vom Index oder der BPjM halte, dürfte bekannt sein (falls nicht – jetzt wisst ihr’s). Unabhängig davon kommt man sich aber schon arg zensiert vor, wenn man in zig Berichten über die Indizierung liest, einem durch Nichtverlinkung aber die Möglichkeit genommen wird, sich eine eigene Meinung zu bilden. Egal, welches Alter. Und es ist nun einmal alles andere als praktibale, im Internet irgendwelche Altersverifizierungen einzuführen – das widerspricht meines Erachtens dem Konzept des Internets an sich.

Viel skandalöser finde ich allerdings, dass Suchmaschinen wie Google Seiten entsprechend diesen Jugendschutzbestimmungen filtern (wobei das auch nichts wirklich neues ist). Zu erkennen sind diese Filterungen in der Regel an folgender Mitteilung:

Aus Rechtsgründen hat Google x Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org.

Und warum sind die Listen C&D mit den indizierten Medien auch für Volljährige nicht zugänglich? Sowas würde ich schon mal als de facto Zensur ansehen (und es ist mir dabei vollkommen egal, ob ich entsprechende Websites theoetisch noch aufrufen kann). Überhaupt nützt es im Grunde keinem, wenn eine Website indiziert wird. Zumal ich es für Schwachsinn halte, Kinder/Jugendliche im Gegensatz fur Erwachsenen wie unmündige Deppen zu behandeln, die durch das Ansehen einer Internetseite mehr oder weniger automatisch indoktriniert werden. Psychische Krankheiten sind ohnehin weniger ‹ansteckend›, auch wenn ich natürlich nicht leugnen will, dass entsprechende Angebote ohnehin gefährdeten/betroffenen Individuen zusätzlichen Anreiz bieten können.

Dennoch – letztendlich muss man die Seiten dafür selbst lesen (meist sogar erstmal suchen, da die ja auch nicht wie Pilze aus dem Boden wachsen und an jeder Ecke angeboten werden) und ja, ich traue auch Minderjährigen zu, solche Entscheidungen für sich selbst zu treffen und Inhalte entsprechend einzuordnen und zu verstehen. Solange ein Kind über derlei Dinge informiert und aufgeklärt ist, dürfte sich sowieso keinerlei Verständnisproblem ergeben.

Und bloß, weil ein bestehendes Gesetz solcherlei Eingriffe erlaubt, ist es deswegen noch lange kein gutes Gesetz.

Zu guter Letzt: Der Blog war wohl auf Blogspot (unter ana-hanna.blogspot.com – mittlerweile leider nicht mehr verfügbar, teilweise aber noch im Google-Cache vorhanden) gehostet. Ist das nicht ein amerikanischer Anbieter mit Servern in den USA? Was hat die BPjM da zu melden? Mir war entfallen, dass die ja seit einiger Zeit Google gehören und dementrepchend der BPjM nach der Pfeife tanzen.

(Nachtrag: Hier noch ein interessanter Kommentar zum Thema.)

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