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Peinlich, peinlich…

30. November 2009

…ist leider Herr Aaron Koenig. Das allein wäre okay, wäre er nicht gewähltes Vorstandsmitglied der Piraten. Vom Fremdschämen halte ich nichts, aber wenn man sowas zu einem Vorstandsposten verhilft, kann einem das wohl nur peinlich sein. Auch wenn die entsprechenden Aussagen natürlich erst hinterher getroffen wurden. Und ein bisschen Zeit bis zum nächsten Bundesparteitag ist leider noch.

Da die Kommentarfunktion zum Artikel entweder zwischenzeitlich deaktiviert wurde oder ich schlicht und ergreifend zu blöd bin, werde ich meine Meinung dazu einfach hier kundtun. Wozu hat man so ein Blog denn schließlich, nicht wahr? Funktioniert anscheinend nur mit Firefox nicht (warum auch immer); lass den Eintrag trotzdem mal stehen.

Ich bin zwar auch für direkte Demokratie, trotzdem finde ich das Ergebnis des letzten Volksentscheids in der Schweiz (Verbot von Minaretten) nicht gut.

Mit der im Artikel genutzten Argumentation müsste man allerdings auch schleunigst den Bau von Kirchen verbieten. Dass das Christentum (in Deutschland) in irgendeiner Weise die Trennung von Staat und Kirche (Kirchensteuer, Geistliche in unterschiedlichsten säkularen Positionen wie z.B. der BPjM), Religionsfreiheit (Kruzifixe in Schulen, anyone?) oder auch sonstige Menschenrechte («alle Menschen sind gleich» verträgt sich nicht unbedingt mit «Homosexualität ist eine Krankheit», siehe neuste Aussetzer eines CDU-Kreisverbands) achtet oder einhält, halte ich für ein Gerücht.

Und seit wann ist es übrigens gerechtfertigt, von einer kleinen fundamentalistischen Minderheit (die es vermutlich in jeder Religion gibt, auf jeden Fall jedoch im Christentum) auf die komplette Glaubensgemeinschaft an sich zu schließen? Geht das nicht ein bisschen zu weit?

Zum Punkt «hätten die Schweizer gegen Kirchtürme abgestimmt, hätten sich alle gefreut»: Selbstverständlich nicht. Ja, ich mag das Christentum nicht unbedingt – als Religion an sich habe ich sogar eine ziemliche Abneigung dagegen. Trotzdem werde ich anderen nicht ihren Glauben, die Ausübung desselbigen oder den Bau von entsprechenden Einrichtungen verbieten. Ich muss doch bei dem Schwachsinn nicht mitmachen.

Wie es auch schon ein anderer Kommentator formulierte: Entweder allen Religionen den Bau von Gebetseinrichtungen – und der damit einhergehenden ‹Ruhestörung› anderer Menschen zu bestimmten Tageszeiten durch Glockenläuten oder Gesang – verbieten oder keinen. Und da bin ich dann doch eher für keinen. Obwohl – bei der Ruhestörung… nun ja.

Ich hoffe, es gibt am nächsten Bundesparteitag genug Piraten, die meine Meinung teilen, um diese Person endlich abzuwählen… *seufz*

Stöckchenquatsch

30. November 2009

Da ich grade (mehr oder weniger – eigentlich gäbe es schließlich genug zu tun) Langeweile hab, vergeh ich mich mal an diesem bei René gefundenem Stöckchen…
 

1) Seit wann bloggst du?
Seit Juni 2001, aber diesen Blog führe ich erst seit relativ kurzem (ich traue mal jedem etwaigen Leser zu, bei Interesse selbständig links das älteste Archivdatum anzuschauen).

2) Warum bloggst du?
Siehe Grund für diesen Post… ähem. Außerdem steh ich natürlich voll auf Selbstdarstellung und Aufmerksamkeit!!1 Achja, mein Ideal ist es natürlich, anderen Leuten nützliche Informationen zu bieten und ihnen meine Meinung aufzuzwingen …mitzuteilen.

3) Warum glaubst du lesen deine Leser dein Blog?
Ich habe Leser?

4) Banner, Layer Ads, Linkkauf, paid posts. Was hälst du von Werbung in Blogs?
Da ich Adblocker benutze, sind mir sogar Layer Ads relativ schnuppe – solange sich das nicht auf den Inhalt (sprich: Werbeeinträge etc.) auswirkt. Selbst Werbung schalten würde ich aber nicht.

5) Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?
Na alle!

6) Auf was sollte man deiner Meinung nach bei der Gründung eines Blogs vor allem achten?
Keine Ahnung. Wenn ich die hätte, hätte ich es wohl selbst getan… (?)

Ich bin aber der Ansicht, dass man über was bloggen sollte, das einen auch selbst interessiert und wo man Spaß dran hat. Das ganze nur zu machen, damit einen irgendwer liest, erscheint mir sinnlos – außerdem zwingt man sich damit ja auch irgendwo dazu, irgendwelchen diffusen mutmaßlichen Ansprüchen anderer hinterherzurennen, was generell schwierig sit und meistens nicht klappt.

Ansonsten vielleicht, dass man auch was zu sagen hat (ja, das hätte ich auch ruhig selbst beachten können) – andererseits… wenn es einem Spaß macht, ist das glaube ich auch egal.

7) Dein aktuelles Lieblings-Blog?
Da würde ich mal sagen, Fefe gewinnt. Aber ganz so viele lese ich ehrlich gesagt auch nicht und wenn ich doch mal was interessantes entdecke, macht das in (gefühlten) 90% der Fälle kurz darauf zu.

8) Wie viele Feeds hast du im Moment abonniert und welchen Feedreader benutzt du?
Ich benutze nur die dynamischen Lesezeichen aus Firefox, keinen richtigen Feedreader. Ich finde, es hat was, die Seiten noch selbst zu besuchen… aber darum geht’s hier ja nicht.

Wie viele Feeds ich da insgesamt abonniert hab, weiß ich gar nicht, aber so viele werden es nicht sein. Kann ja mal kurz zählen… müssten so um die 50 sind, aber mindestens die Hälfte der Seiten lese ich gar nicht mehr richtig.

9) Mac oder PC?
Geht es da nicht mittlerweile eh nur noch ums Betriebssystem? Seit ich mal Erfahrungen mit Mac OS 9 gemacht habe, schwöre ich aber auf PC (mit Windows oder Linux, je nachdem). Dafür sah die iMac-Serie aber nicht schlecht aus.

10) Von wem würdest du gerne die Fragen aus diesem Stöckchen beantwortet haben?
Von allen, die das lesen (zeigt euch!).

Meine Empfehlung: Wählen gehen!

26. September 2009

Wie Oliver es auch schon hat anklingen lassen, sind sogenannte Wahlempfehlungen im Allgemeinen doch eher befremdlich. Warum? Nun ja; entweder, ich bin halbwegs informiert und weiß daher, wen ich wählen werde oder wer zumindest in Frage kommt und dann können mir einzelne Empfehlungen relativ egal sein – oder ich weiß es nicht, dann sollte ich mich aber vielleicht auch lieber nicht auf einzelne Empfehlungen verlassen. Selbst denken sollte hier meines Erachtens das Stichwort lauten.

Natürlich schadet es auch nicht, seine eigene Wahlentscheidung begründet darzulegen, wie ich es selbst auch schon mal getan habe (ich betrachte dies allerdings nicht als Empfehlung an sich). Letztendlich kann ich dazu nur sagen, dass jeder doch das wählen sollte, was er für richtig hält – aber bitte vorher informieren. Sonst lieber gleich sein lassen.

(Zu meiner Anti-Empfehlung der CDU/CSU und SPD von neulich: Ich halte es natürlich immer noch für ‹verkehrt›, auch nur eine einzige Stimme an diese Demokratiefeinde zu verschwenden. Trotzdem glaube ich nicht, dass es letztendlich jemanden groß juckt, wenn ich das hier so postuliere. Entweder, er hätte sie sowieso nie gewählt – oder ihm sind verutlich auch die zahlreichen Gegenargumente relativ schnuppe.)

In diesem Sinne hoffe ich, dass möglichst viele am Sonntag die ihnen zustehende Macht ausüben und ihrem Wählerwillen Ausdruck verleihen; und wenn’s nur durch Ungültigmachen ist. Letztendlich kann man aber auch niemanden zwingen, für seine eigene Zukunft Interesse aufzubringen…

Miranda auf Dual Monitor – oder auch nicht (Update)

22. September 2009

Nach einer leicht ausgeuferten (und so eigentlich auch nie geplanten) «Sommerpause» melde ich mich nun auch endlich mal mit einem neuen Post zurück… und dem Vorsatz, dieses Blog in Zukunft wieder etwas häufiger mit neuem Inhalt zu versorgen. Da ich mich aber nicht gleich übernehmen will, fang ich mal klein an.

Als ich durch Zufall an einen zweiten Monitor gelangte, war meine Freude natürlich groß. Auch die Einrichtung als Dual Monitor erwies sich zumindest unter Windows als recht simpel (an Linux arbeite ich noch), auch wenn die Desktop-Gestaltung etwas mehr Optionen bieten könnte, aber das sind im Grunde nur Kleinigkeiten, die die Funktionalität nicht einschränken. Gedämpft wurde diese Freude allerdings, als ich feststellen musste, dass Miranda anscheinend nicht gut mit zwei Monitoren klarkommt.

Zunächst betraf es nur mein Popup-Plugin (es wurden nämlich einfach keine mehr angezeigt – und das trotz vorhandenen Dual-Monitor-Optionen). Das war zwar ein wenig ärgerlich, aber ich hab es erstmal so hingenommen. Es gibt schließlich wichtigeres. Irgendwann stellte ich jedoch fest, dass ich aufgrund eines Darstellungsfehlers in Nachrichtenfenstern auch keine Texte mehr tippen, ergo auch keine Nachrichten verschicken konnte. Kurioserweise trat dieser Fehler anfangs jedoch nicht sofort auf, sondern zeigte sich erst später (mindestens eine Message Session habe ich während der Zeit selbst gestartet).

Zwar benutzte ich aufgrund anderer Probleme noch Miranda 0.7.19, ein Update auf die aktuelle Version schaffte allerdings auch keine Abhilfe. Genauso wenig half eine Deaktivierung des fraglichen Plugins. (Anscheinend lag es doch daran, ich hatte bloß vergessen, ein auf die Popup-Funktion zurückgreifendes Plugin ebenfalls zu deaktivieren) Nicht mal eine Suche im Support-Forum oder über Google Ixquick haben mich bisher weitergebracht. Vielleicht finde ich aber doch noch eine Lösung… ansonsten muss ich eben wieder auf Psi umsteigen (das ich auch derzeit wieder nutze), das kürzlich in der Version 0.13 erschienen ist.

Nachtrag: Wie es aussieht, hängt das ganze doch mit den Popups zusammen, allerdings hängt der Fehler anscheinend bei NewStatusNotify (es könnte auch an Popup Plus liegen, allerdings habe ich kein anderes Plugin installiert, das auf dessen Funktionalität zurückgreift, so dass sich das schlecht überprüfen lässt).

Jemand eine Empfehlung für ein Miranda-Plugin, das mir Statusänderungen auch bei zwei Monitoren als Popups anzeigt…? Benutze jetzt erstmal Status Floater, das ohne Popup Plus auskommt und in etwa die gleiche Funktionalität bietet, allerdings hat es auch weniger Anpassungsmöglichkeiten (und die Fensterchen sind nicht so hübsch *ähem*). Vielleicht gibt es ja irgendwann mal ein Update, das dieses Problem behebt…

Perfect Blue

22. Juli 2009

Dass Perfect Blue schon einige Jahre alt ist, merkt man eigentlich nur daran, dass der Hauptcharakter in einer Szene fragt, worum es sich bei «diesem Internet» eigentlich handele. Mit anderen Worten ist er, wie einige andere Vertreter ebenfalls, exzellent gealtert. Selbst die Animations- und Zeichenqualität kann durchaus noch mit heutigen Standards mithalten. Dadurch, dass auf ausufernde Nutzung von CG-Effekten verzichtet wurde, wirkt das ganze meines Erachtens sogar noch um einiges besser und in sich stimmiger.

Kurz zusammengefasst geht es in dem Film um ein Ex-Idol (sog. «Idols» sind japanische Popstars, ähnlich westlicher Casting-Gruppen oder «Promis»), die sich nun als Schauspielerin in einer Fernsehserie versucht. Ob dies aufgrund ihrer eigenen Initiative oder vielmehr durch Entscheidungen ihres Managements geschieht, wird dabei nicht abschließend geklärt; vielmehr scheint es so, als sei sich Mima selbst nicht so ganz im Klaren darüber, was sie eigentlich will. Die Ereignisse spitzen sich zu, als sie nicht nur mit ihrer eigenen Zielsetzung zu kämpfen hat, sondern sich zusätzlich durch einen anscheinend verrückten Fan bedroht fühlt und ihre Wahrnehmung zunehmend zwischen Traum und Realität alterniert, bis die Grenzen nicht nur für den Zuschauer nahezu verschwimmen.

Nebenbei gibt es natürlich auch ein paar Seitenhiebe auf die Idol-Kultur und deren, in den 90ern anscheinend besonders rigiden, ‹Richtlinien› und Erwartungen an die Popstars. So werden alle Entscheidungen bezüglich Mima’s Karriere, ihrem Image sowie öffentlichem Auftreten von ihrer Agentur bestimmt. Ihre eigenen Wünsche oder Ansichten spielen in der Regel nur eine untergeordnete Rolle.

Gefallen hat mir – neben der hochwertigen Präsentation – der Aufbau der Handlung als solches. Die Szenen wechseln ständig zwischen Erinnerungen, Gegenwart sowie Mima’s Traumwelt und es bleibt bis kurz vor Schluss unklar, was sich denn nun tatsächlich zugetragen hat. Auch sind einige Ansätze in Bezug auf die Definition der Persönlichkeit interessant und hätten von mir aus gerne weiter verfolgt und ausgearbeitet werden können. Schade ist hingegen die (nahezu) vollständige Aufklärung der Geschichte am Ende. Hier hätte durchaus noch einiges offen bleiben können.

In diesem Punkt erinnert mich der Film übrigens an The Machinist, der meines Erachtens ein ähnliches Problem hatte, obwohl einige sehr überzeugende Ansätze in Bezug auf Atmosphäre und Erzählung vorhanden waren.

Rucksäcke unerwünscht

17. Juli 2009

Vorhin ist mir etwas doch leicht befremdlich passiert. Auf meinem Heimweg von der Schule liegt ein Edeka, bei dem ich seit ca. einem Jahr einen Teil meiner Einkäufe erledige – man kann also behaupten, ich war schon öfter dort. Nun bin ich heute mal wieder dorthin gegangen. Da ich, wie üblich, direkt von der Schule kam, hatte ich logischerweise noch meine Schulsachen dabei. Als ich grade dabei war, den laden zu betreten, macht eine Angestellte am «Info Point» (ich habe mich ja schon immer gefragt, wofür diese eigentlich da sein sollen…) auf sich aufmerksam.

Sie: Äh… den Rucksack dürfen Sie aber nicht mit reinnehmen!
Ich (verwirrt): Wie bitte?
Sie: Den Rucksack müssen Sie leider hier lassen.
Ich (schaue erst meinen Rucksack, dann die Frau verwirrt an): …was?
Sie: Tut mir Leid, aber Sie dürfen Ihren Rucksack nicht mit reinnehmen.

Ich: *ratter* *klick* *ratter*
Gehirn: Frag sie, ob das ein Scherz sein soll; frag sie, ob das ein Scherz sein soll; frag sie…
Ich: Sie haben ja’n Arsch offen!

(Gehirn: …)

Daraufhin ließ ihr Gesicht kurze Perplexität ob meiner vulgären Ausdrucksweise aufblitzen. Nachdem sie sich dann wieder gefasst und mit einem sachlichen «nein» geantwortet hatte, hab ich mich dann entschlossen, in Zukunft woanders einzukaufen.

Abgesehen davon, dass ich meine Sachen einfach nicht gerne irgendwelchen Fremden überlasse… seit wann gilt man mit Verstauungsmöglichkeiten in einem Laden automatisch als potentieller Dieb (ich nehme mal an, das ist der Grund für das Taschenverbot)? Nicht genug, dass man in jedem zweiten Supermarkt mittlerweile videoüberwacht wird, jetzt muss man auch noch seine Sachen am Eingang abgeben.

Also zumindest Kundenfreundlichkeit definiere ich irgendwie anders…

Ist die Piratenpartei eine Nazi-Partei?

07. Juli 2009

(Ja, ich muss mich jetzt auch noch mal zu diesem Thema äußern…)

Momentan hagelt es ja grad Vorwürfe, die Piratenpartei sei eine Nazi-Partei, «unwählbar» (weil sie Nazis dulde), von Rechten unterlaufen etc. Konkret geht es dabei um das Parteimitglied Bodo Thiesen, der auf dem Bundesparteitag in Hamburg zum stellvertretenden Schiedsrichter gewählt wurde. Hierzu will ich mich nun einmal kurz auslassen.

Im Vorfeld möchte ich allerdings klarstellen, dass mein Wissen zu dem Thema über die allgemeine Schulbildung nicht hinausgeht. Ich habe also keinerlei weiterführende Literatur dazu gelesen und bin daher mit den Sachverhältnissen nicht im Detail vertraut. Allen meinen Kenntnissen nach halte ich die Verbrechen der Nationalsozialisten allerdings für höchstwahrscheinlich (beweisen kann ich sie allerdings nicht, da nicht selbst miterlebt und auch keine Augenzeugen kennend). Weiter möchte ich mich speziell zu diesem Gebiet allerdings aufgrund vorgenannter Tatsachen auch nicht äußern.

Und, um auch das gleich vorweg zu klären – ich gehöre zu denjenigen, die Bodo bei der Wahl zu seinem Amt ihre Stimme gegeben haben. Auch dies soll im folgenden zumindest im mir bestmöglichen maß begründet werden (ob er meine Ansichten teilt, kann jeder selbst entscheiden).

Natürlich war auch ich zunächst geschockt, als ich damals bei Fefe las, in den Reihen der Piraten gäbe es Nazis. Sowas kann und sollte man selbstverständlich nicht ignorieren.

Da ich Bodo nicht persönlich kenne, sei hier erstmal klargestellt, dass ich zu seiner Person nur in dem Rahmen Aussagen treffen kann, wie ich seine Handlungen mitbekommen habe. Damit sind hauptsächlich seine Aussagen in den unterschiedlichen Parteimedien (hauptsächlich Mailing-Listen) gemeint; zudem habe ich natürlich seine Stellungnahme zu dem Thema gelesen. Dort hat er sich in meinen Augen eher durch sinnvolle, sachliche und meist themenbezogene Beiträge hervorgetan (man beachte bitte, dass das Mail-Aufkommen dort sehr hoch ist und ich mir daher auch nicht die inhaltliche Qualität jedes Posts und jedes Posters merken kann… ich spreche also nur von der insgesamt wahrgenommenen inhaltlichen Qualität).

Nun wird Bodo hauptsächlich als Holocaust-Leugner bezeichnet. Ehrlich gesagt kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Auch in der oben verlinkten Usenet-Diskussion finde ich keinerlei Aussage, die das Stattgefundenhaben desselbigen in irgendeiner Weise leugnet. In seiner (aktuelleren) Stellungnahme schreibt er sogar:

Ob nun die Juden (und die nicht-jüdischen Opfer, die ich in Folge nicht jedes mal separat aufzählen werde) in Auschwitz vergast wurden oder auf anderem Wege getötet wurden, spielt für die Entscheidung, jedes Menschenleben unabhängig von der Hautfarbe, Religion usw. schützen zu müssen, keine Rolle. Sie spielt auch keine Rolle in der Bewertung, ob die Judenverfolgung ein Verbrechen war, oder nicht. Die Verfolgung war ein Verbrechen und jeder einzelne Mensch, der verfolgt und getötet wurde, war einer zuviel.

Außerdem steht sein Name unter anderem auch unter dieser Erklärung. Ich zitiere:

Ein faschistisches Regime, das aufgrund einer mangelhaften Verfassung in Deutschland von 1933-1945 für 12 Jahre an die Macht kommen konnte, trägt die Verantwortung für den [Angriff] auf Polen, den daraus resultierenden 2. Weltkrieg und den systematischen Massenmord an unzähligen Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer ethnischen Herkunft oder politischen Überzeugung.

(Hervorherbung von mir)

Ehrlich gesagt kann ich dort keine Leugnung der Schoah erkennen. Im Gegenteil wird anerkannt, dass der Massenmord durch die Nazis stattgefunden hat. Oder interpretiere ich da etwas falsch? Wenn ja, bitte ich um Korrektur.

Viel wichtiger als geschichtliche Kleinkrämerei (ob es vor dem Angrif auf Polen nun eine formellen, informelle oder gar keine Kriegserklärung seitens Deutschland gegeben hat ist zwar mitunter durchaus klärenswert, spielt aber für die Diskussion an sich und insbesondere auch für die sonstige Gesinnung eines Menschen keine nennenswerte Rolle) finde ich allerdings seine darüber hinausgehenden – auch in der Erklärung geäußerten – politischen/gesellschaftlichen Ansichten. Und an diesen erkenne ich nichts verwerfliches.

Auf dem Parteitag selbst wurde das ganze dann noch einmal zur Sprache gebracht (soweit ich mich eirnnern kann, war das auch vor den entsprechenden Wahlen). Da ich die Stellungnahme bereits kannte und auch Diskussionen dazu mitbekommen hatte, empfand ich das zunächst als überflüssig; letztendlich schienen aber tatsächlich nicht viele Mitglieder ob ihrer Neuheit nicht darüber informiert gewesen zu sein.

Meine Stimme gab ich ihm trotzdem. Und zwar nicht nur, weil mir von den anderen Kandidaten keiner bekannt war – und jemanden, den ich nur durch seine Kandidaturrede ‹kenne›, wähle ich in aller Regel höchstens in Ausnahmefällen (das muss schon sehr überzeugend sein). Sondern eben auch aus folgenden Gründen:

  1. Weil ich denke, dass diese seine privaten Ansichten tatsächlich nichts mit der von ihm momentan bekleideten Position zu tun haben – immerhin handelt es letztendlich nicht einmal um ein politisches Amt.
  2. Weil er auf mich einen zum Großteil qualifizierten, rationalen und durchaus auch engagierten Eindruck gemacht hat.

Dies ist nun natürlich Ansichtssache und es steht selbstverständlich jedem frei, das anders zu sehen. Dennoch empfinde ich zumindest einige der nun hochkommenden Vorwürfe als ziemlich weit hergeholt.

Ich diskriminiere niemanden ob seiner Herkunft, Religion oder aus anderen Gründen und vertrete definitiv keine rechtsextremistischen Ideen. Ich halte die freiheitlich demokratische Grundordnung für das beste Regierungssystem, das derzeit bekannt ist. Ich bin davon überzeugt, daß Ausländer und «Deutsche mit Migrationshintergrund» grundsätzlich eine Bereicherung für unsere Gesellschaft darstellen.

Ich denke, Aussagen wie diese sowie seine Mitgliedschaft in der Piratenpartei Deutschland (deren Satzung erster Absatz lautet: «Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.») sprechen für sich.

Hierzu möchte ich allerdings noch einmal anmerken, dass ich eine andere Äußerung von ihm mindestens fragwürdig finde. In einer Mail aus dem Jahr 2003 behauptete er immerhin, dass Hitler keinen Krieg gewollt habe. Und das erscheint mir in Anbetracht der (mir bekannten) Indizien und Dokumente dann doch – eher unwahrscheinlich, euphemistisch ausgedrückt. Aber: Was sagt das letztendlich über seine Meinung zu diesem Thema, dem unterliegenden Gedankengut und den darauf basierenden den Geschehnissen aus? Eigentlich nichts. Er sagt ja nicht «ich finde das gerechtfertig» oder «deshalb war es nicht so schlimm».

Letztendlich bleibt dann noch zu sagen, dass die ganze Partei ohnehin nicht anhand der Aussage eines einzelnen Mitglieds be-/verurteilt werden sollte. Natürlich machen die Mitglieder in Summe die Partei als solches aus – aber eben in Summe und nicht einzeln. Die Meinung von Bodo ist nicht Parteimeinung. Sie ist nicht meine Meinung. Sie ist seine Meinung und nichts weiter.

Die meines Erachtens lesenswertesten Beiträge (da weniger Reflexgebrüll) zu dem Thema gibt es hier, hier und auch hier.

P.S. Im Übrigen wurden die fraglichen Aussagen bereits im Vorfeld durch die Piratenpartei gerügt.

Mailinglisten verwalten mit Thunderbird

25. Juni 2009

Nicht nur, weil das vorhin bei den Jungen Piraten angesprochen wurde, sondern auch, weil es da generell öfter mal Verwirrung auf den von mir abonnierten Listen zu geben scheint (und ich auch selbst anfangs so meine Übersichtsprobleme hatte), hier mal eine kurze und hoffentlich nützliche Einführung, wie man sich die Verwaltung von einer oder mehreren Mailinglisten-Abonnements mit einem Mailclient (in diesem Fall Thunderbird) erleichtern kann.

Wohlgemerkt: Keine dieser Dinge ist notwendig, um eine ML zu benutzen. Es erleichtert lediglich die Übersicht.
 

Übersicht:

 
Mozilla Thunderbird ist für Windows und Linux verfügbar, die Arbeitsschritte sind nahezu die selben (sollte es Abweichungen geben, versuche ich, diese in den Erklärungen zu berücksichtigen) und sollten sich auch relativ problemlos auf andere Programme übertragen lassen.
 

1. Thunderbird installieren

Eine Erklärung, wie man sich in Thunderbird ein E-Mail Konto einrichtet, gibt es hier (verzeiht mir bitte, dass ich das hier nicht noch mal alles wiederhole). Die Installation von zusätzlichen Addons ist nicht erforderlich.
 

2. Ordner anlegen und Filter konfigurieren

Nachdem man eine Mailingliste abonniert hat, bietet es sich – besonders, wenn man die gleiche E-Mail-Adresse auch noch anderweitig verwenden möchte – an, die Mails an die Liste in einen Unterornder einzusortieren. Um diesen zu erstellen, einfach einen Rechtsklick auf den entsprechenden Posteingang machen und dort «Ordner erstellen…» auswählen.


 

Um nun die Mails an die Liste von Thunderbird automatisch in diesen Ordner einsortieren zu lassen, macht man wiederum einen Rechtsklick auf die E-Mail-Adresse in einer geöffneten Mail und wählt dort «Filter aus Adresse erstellen» aus. In den Filtereinstellungen wählt man dann aus, dass, sofern im An: oder Cc: die Adresse der Mailingliste auftaucht, sie in den entsprechenden Ordner verschoben wird (man kann selbstverständlich auch einen anderslautenden Filter erstellen, z.B. für X-BeenThere – dafür am besten einfach mal den Header durchschauen).


 

3. Übersicht verbessern

Zur generellen Verbesserung der Übersichtlichkeit im nun angelegten Ordner empfiehlt es sich, von der ‹normalen› (unsortierten) Struktur auf Sortierung nach Themen umzuschalten. Dafür unter Ansicht -> sortieren nach -> Gruppiert nach Thema (im letzten Abschnitt).


 

Falls man nun plötzlich einen Haufen offener Threads hat, kann man diese bequem per Eingabe von \ (Alt Gr+ß) schließen.
 

4. Allgemeine Tips

Wenn man eine Antwort an einen Themen-Thread verfasst, sollte man möglichst immer auf die E-Mail antworten, auf die man sich auch (direkt) bezieht. So kann man in Thunderbird beispielsweise auch automatisch ein Zitat einfügen lassen (hier sollten jedoch nur die wirklich relevanten Bereiche beibehalten und der Rest entfernt werden).

Verfasst man eine neue E-Mail an die Liste, sollte jedoch nach Möglichkeit darauf verzichtet werden, einfach irgendwo auf «antworten» zu klicken. Denn selbst wenn man die Betreffzeile ändert, bleiben im Header dennoch Informationen über die Einordnung der Mail erhalten, so dass sie dann bei eingeschalteter Sortierung in Threads einfach an das ursprüngliche Thema angehängt wird und so die Übersicht sehr leicht abhanden kommt.

Zu guter Letzt gibt es hier auch noch einmal ein ausführliches FAQ zum Thema Mailinglisten im Allgemeinen.

Wo gingen Schäuble und Schavan zur Schule?

25. Juni 2009

In Bezug auf das Spickmich-Urteil erklärten Wolfgang Schäuble und Annette Schavan heute, anonyme Bewertungsplattformen würden dem «besonderen Vertrauensverhältnis» zwischen Lehrern und Schülern nicht gerecht. Jetzt würde mich echt mal interessieren, auf welche Schule die gegangen sind. Ich zumindest kann mich nicht erinnern, zu irgendeinem Lehrer überhaupt irgendein Vertrauensverhältnis gehabt zu haben – ganz zu schweigen von einem besonderen.

Klar war mir durchaus auch mal ein Lehrer sympathisch – ob das umgekehrt ebenfalls vorkam, kann ich nicht beurteilen, wage es aber zu bezweifeln – dennoch ist in meinen Augen selbstverständlich, dass noch jeder Lehrer als subjektiv, eventuell auch voreingenommen oder parteiisch angesehen werden muss. Möglicherweise ja auch unbewusst oder unabsichtlich, das möchte ich hier gar nicht bestreiten. Lehrer sind ja auch nur Menschen und damit per definitionem alles andere als perfekt. Und so dürfte es sich in den meisten Fällen auch für die eigene Person als negativ erweisen, Kritik an den Lehrmethoden einer Autoritätsperson zu üben. Aber selbst wenn nicht (ich erinnere mich an Fälle, in denen Lehrer sogar nach Kritik an ihrem Unterricht fragten), ‹fürchten› viele Schüler sicherlich trotzdem Repressalien oder Benachteiligung.

Und dem kommt dann so ein Bewertungsportal durchaus entgegen (außerdem kann man sich dadurch auch klassenübergreifend viel einfacher über die Meinungen anderer informieren, aber das nur am Rand). Jedenfalls denke ich nicht, dass das Schüler-Lerhrer-Verhältnis (wie auch immer es im Einzelfall nun aussehen mag) durch eine anonyme Plattform in irgendeiner Weise gefährdet ist. Schließlich ist die ja anonym.

Die Sperrliste «identifiziert» kinderpornografische Seiten?

25. Juni 2009

In einem Interview mit Franziska Heine und Ursula von der Leyen in der ZEIT (und in gekürzter und irreführender Fassung auch in deren Print-Ausgabe) macht Frau von der Leyen unter anderem diese Aussage:

Die Technik der Zugangssperren führt dazu, dass wir jetzt erstmals systematisch kinderpornografische Websites identifizieren.

Jetzt frage ich mich: Wie soll man das verstehen? Webseiten werden erst dann als illegal bzw. Seiten mit dokumentiertem Kindesmissbrauch identifiziert, wenn sie bereits auf der Sperrliste sind? Wie kommen sie dann auf die Sperrliste? Oder kommen in entsprechendem Verdacht stehende Seiten etwa automatisch drauf? Und inwiefern hilft eine Sperre dabei, Internetseiten zu «identifizieren», die man, um sie auf genannte Liste zu bekommen, sowieso erstmal finden muss? Und nach welchem «System» wird da überhaupt vorgegangen?

Mit anderen Worten: Was will uns Ursula von der Leyen damit sagen?

Auch Jörg-Olaf Schäfers von Netzpolitik.org und Torsten vom Notizblog machen sich Gedanken dazu.