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Peinlich, peinlich…

…ist leider Herr Aaron Koenig. Das allein wäre okay, wäre er nicht gewähltes Vorstandsmitglied der Piraten. Vom Fremdschämen halte ich nichts, aber wenn man sowas zu einem Vorstandsposten verhilft, kann einem das wohl nur peinlich sein. Auch wenn die entsprechenden Aussagen natürlich erst hinterher getroffen wurden. Und ein bisschen Zeit bis zum nächsten Bundesparteitag ist leider noch.

Da die Kommentarfunktion zum Artikel entweder zwischenzeitlich deaktiviert wurde oder ich schlicht und ergreifend zu blöd bin, werde ich meine Meinung dazu einfach hier kundtun. Wozu hat man so ein Blog denn schließlich, nicht wahr? Funktioniert anscheinend nur mit Firefox nicht (warum auch immer); lass den Eintrag trotzdem mal stehen.

Ich bin zwar auch für direkte Demokratie, trotzdem finde ich das Ergebnis des letzten Volksentscheids in der Schweiz (Verbot von Minaretten) nicht gut.

Mit der im Artikel genutzten Argumentation müsste man allerdings auch schleunigst den Bau von Kirchen verbieten. Dass das Christentum (in Deutschland) in irgendeiner Weise die Trennung von Staat und Kirche (Kirchensteuer, Geistliche in unterschiedlichsten säkularen Positionen wie z.B. der BPjM), Religionsfreiheit (Kruzifixe in Schulen, anyone?) oder auch sonstige Menschenrechte («alle Menschen sind gleich» verträgt sich nicht unbedingt mit «Homosexualität ist eine Krankheit», siehe neuste Aussetzer eines CDU-Kreisverbands) achtet oder einhält, halte ich für ein Gerücht.

Und seit wann ist es übrigens gerechtfertigt, von einer kleinen fundamentalistischen Minderheit (die es vermutlich in jeder Religion gibt, auf jeden Fall jedoch im Christentum) auf die komplette Glaubensgemeinschaft an sich zu schließen? Geht das nicht ein bisschen zu weit?

Zum Punkt «hätten die Schweizer gegen Kirchtürme abgestimmt, hätten sich alle gefreut»: Selbstverständlich nicht. Ja, ich mag das Christentum nicht unbedingt – als Religion an sich habe ich sogar eine ziemliche Abneigung dagegen. Trotzdem werde ich anderen nicht ihren Glauben, die Ausübung desselbigen oder den Bau von entsprechenden Einrichtungen verbieten. Ich muss doch bei dem Schwachsinn nicht mitmachen.

Wie es auch schon ein anderer Kommentator formulierte: Entweder allen Religionen den Bau von Gebetseinrichtungen – und der damit einhergehenden ‹Ruhestörung› anderer Menschen zu bestimmten Tageszeiten durch Glockenläuten oder Gesang – verbieten oder keinen. Und da bin ich dann doch eher für keinen. Obwohl – bei der Ruhestörung… nun ja.

Ich hoffe, es gibt am nächsten Bundesparteitag genug Piraten, die meine Meinung teilen, um diese Person endlich abzuwählen… *seufz*

7 Kommentare

  1. Stefan

    Ich finde die Entscheidung richtig. Das liegt einerseits daran, dass ein Minarett üblicherweise zum fünfmaligen (pro Tag) Schrei des Muezzins dauert. Das passiert in einem deutschen Dorf unter anderem schon und das gehört sich einfach nicht.

    Wenn ich als Zuwanderer ins Ausland gehe, dann gehört es sich, dass ich erst einmal versuche, mich der dortigen Kultur anzupassen. Es kotzt mich einfach an, wenn mit brachialer Gewalt versucht wird, seine eigenen Lebensumstände in eine andere Kultur zu drücken. Das geht mir aber nicht nur bei den Leuten hier so, sondern genauso bei den Deutschen, die sich im Ausland nicht benehmen können. Weiterhin rechne ich da auch den amerikanischen Kapitalismus dazu, der die östliche Lebensweise komplett beeinflusst und durcheinander bringt.

    Ich finde einfach, man sollte etwas mehr Respekt vor den Kulturen der Region zeigen, in die man gezogen ist.

    Übrigens hat mir – als ich noch etwas verwirrt von der Nachricht war – ein halbtürkischer Bekannter gesagt, dass er die Abstimmung so richtig finde. Er hat auch angesprochen, dass die Moschee in Köln vollkommen überdimensioniert sei und damit proviziere. Schaut man sich auf Wikipedia den Eintrag kurz an, dann merkt man, dass die Moschee wirklich provokativ groß daherkommen soll (“Neben den Gebetsräumen sind im Gebäudekomplex auf rund 16.500 m² Nutzfläche eine Bibliothek, Schulungs- und Seminarräume, Flächen für Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe und eine Tiefgarage vorgesehen.”).

    Was mich by the way auch ankotzt, ist diese dauernde politische Korrektheit. Jetzt muss jeder Politiker oder sonst irgendwie in der Öffentlichkeit Stehende betroffen tun, damit er nicht selbst mit der Nazi-Keule erschlagen wird. Wenn wir allerdings bei dem Thema Religion / Immigration / Assimilation / Integration nicht zu einer anständigen Diskussionskultur kommen, dann werden die rechten Parteien in Zukunft einige Stimmen kriegen, obwohl sie – ja ich bin links – fast nur Scheiße im Kopf haben.

    Geschrieben am 30.11.2009 um 21:06 Uhr | Permalink
  2. Das eine hat mit dem adneren doch eher wenig zu tun. Bloss, weil ein Gebaeude gebaut wird, kann man theoretisch immer noch verbieten, dass irgendwer fuenfmal taeglich zum Gebet singt. Aber wenn, dann bitte auch dieses nervtoetende Kirchengebimmel verbieten [kann hier wochenends nicht die Fenster offen lassen, da ich sonst morgens verfrueht aus dem Schlaf gerissen werde].

    Klar soll man andere achten. Aber ich finde trotzdem, dass jeder – egal, wo – sich selbst so ausleben und verwirklichen koennen sollte, wie er will, solange er damit niemand anderen einschraenkt. Und wenn ich mir ein Stueck Land kaufe und dort was baue, ist das mein Land und dann ist das imho okay. Das hat ja nun weniger was mit “nicht benehmen koennen” zu tun.

    Der Koelner Dom ist auch uebertrieben protzig. So what? Solange der Staat das nicht zahlt – was ich uebrigens viel schlimmer finde, da man das Geld dann auch in bspw. Bildung investieren koennte – ist’s mir schnuppe. Wenn die Leute das wollen und dadurch sonst niemandem geschadet wird [Veraenderung des Stadtbildes, die irgendwem nicht passt, zaehl ich nicht unbedingt dazu], wuesste ich nichts, was dagegen spraeche.

    Dabei geht’s mir auch gar nicht um sogenannte politische Korrektheit [daemlicher Begriff fuer uebervorsichtiges Anbiedern und dergleichen, wie ich finde]; von mir aus kann da jeder seine Meinung haben und ich hab eben meine. Und die ist, dass man alle Religionen gleich behandeln sollte. Und ich fuehl mich auch nicht vom Islam bedroht, weil er ‘meine’ Kultur [wtf?] uebernehmen will oder sowas… ich bin ich und das bleib ich auch, egal, was aus den Menschen um mich rum wird. Oder?

    Zudem finde ich die meisten ohnehin schon verkorkst, also komm ich gar nicht umhin, mich damit zu arrangieren, dass mir 90% von ihnen und ihren Ansichten nicht gefallen.

    So, ich hoffe, ich hab jetzt nichts vergessen…

    Geschrieben am 30.11.2009 um 21:18 Uhr | Permalink
  3. Stefan

    Hab mal noch kurz weiter drübernachgedacht und – mal vollkommen abseits von allen politischen Gedanken – kann es auch sein, dass ich die Entscheidung allein deshalb ganz gut finde, weil ich nicht jede Kultur in meiner Region (Schweiz ist ja durchaus nah) vertreten haben will. Ich möchte, wenn ich ins Ausland reise, noch vollkommen neue Dinge entdecken, auf die ich mich ganz neu einlassen muss.

    Würde bei uns jede Kultur sich voll ausleben, dann würde ich alles schon von hier kennen. Das fände ich schade.

    Ist allerdings nur so eine Überlegung eines Reise-Fans ;-) Kann auch sein, dass ich mich täusche, hab jetzt nicht lange drüber nachgedacht.

    Geschrieben am 30.11.2009 um 21:36 Uhr | Permalink
  4. Interessanter Gedanke *g*

    Finde ich aber als Einzelinteresse nicht wichtig genug, um damit die Nichtausuebung anderer Kultur im Umkreis unterbinden zu wollen [auch wenn ich selbst auch gerne mal ganz andere Laender entdecke]. Ich denke, du weisst was ich mein *ueber eigene ausdrucksweise am kopf kratz*

    Geschrieben am 30.11.2009 um 21:48 Uhr | Permalink
  5. Ben

    Stimme Dir vollkommen zu. Eine Abstimmung über den Neubau von Minaretten alleine ist nicht zielführend. Es müsste eine Abstimmung über die bauliche Auffälligkeit von religiösen Neubauten sein.

    Unabhängig davon finde ich, dass dringend etwas separates bzgl. der Lärmbelästigung durch religiöse Einrichtungen gemacht werden muss. Das ist sicherlich nicht mehr zeitgemäss wenn man den Religionen gleiche Rechte zugestehen möchte – sowohl, dass die Kirchen die Glocken läuten wie auch, dass bei Minaretten zum Gebet gerufen wird. Die Christen fühlen sich durch die Gebetgesänge belästigt, die Moslems durch die Glocke und die Atheisten sowieso durch beides usw.

    Geschrieben am 30.11.2009 um 21:48 Uhr | Permalink
  6. @Stefan, das ist nicht ganz richtig. Heutzutage gibt es kaum noch Muezzine, die auf den Turm steigen. Der Gebetsruf kommt vom Band und die Lautsprecher können an allen möglichen Stellen hängen. Minarette sind oft nur noch reine Dekoration. Wer Minarette verhindert, der verhindert nicht den Gebetsruf.

    Geschrieben am 30.11.2009 um 22:31 Uhr | Permalink
  7. Matt

    Bravo,
    deinem Artikel stimme ich vollständig zu. Erschreckend finde ich die Diskussionen die hieraus entstehen. Auf der Bremen Mailingliste gab es ähnlich unglückliche Beiträge. Langsam verstehe, wie das Ergebnis in der Schweiz zustande gekommen ist. Das Votum des Bundesparteitags erwarte ich mit großer Spannung. Dies wird wohl eine Richtungsentscheidung werden.

    Geschrieben am 30.11.2009 um 23:58 Uhr | Permalink

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  1. [...] zunächst akzeptiert werden. Über den Post von Aaron haben sich viele Piraten schon ausgelassen und ich kann mich dem allgmeinen Tenor nur anschließen, empfinde seine Äußerungen als [...]

  2. [...] wenn man dem Islam den Bau von Gotteshäusern verbietet, müsste dies nach dem Gleichheitsgrundsatz auch auf Kirchen zutreffen. Gute Aussichten für [...]

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