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Tag-Archiv: hmm

Dieses Gender-Ding

23. Dezember 2011

Ja, ich schreib jetzt was zu dem Thema. Pech gehabt!

Zunächst mal möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich - vor allem anfangs - immer eine starke Ablehnung gegenüber diesem Thema hatte, die sogar stärker wurde, desto mehr Leute versucht haben, es in den Vordergrund zu rücken. Mittlerweile kann ich dieses reflexartige Ablehnungsbedürfnis etwas besser zügeln und möchte daher versuchen, herauszufinden, wie es dazu kommt. Auch, aber nicht nur, weil ich dieses Verhalten auch bei anderen bemerkt zu haben glaube und dem Eindruck erliege, es könnte dem allgemeinen gegenseitigen Verständnis eventuell entgegen kommen.

Meine Probleme mit der sogenannten Gender-Debatte sind zahlreich. Da sind zum einen die Debatte an sich sowie die Art, wie sie geführt wird, und dann noch die Leute, die sie führen. Alles soll hier Platz finden und ich hoffe, ich schaffe es, diesen einigermaßen strukturiert zu verteilen.

Vorweg: Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf den Teil der Debatte, der meinem Eindruck nach auch das Gros der Diskussion ausmacht und sich mit Sexismus - d.h. Diskriminierung, also Unterscheidung, aufgrund des Geschlechts, von Geschlechtsmerkmalen oder traditionellen Rollenbildern - befasst.

Mir persönlich sind dabei hauptsächlich zwei Arten (oder Ausprägungen) von Diskriminierungen bekannt, zwischen denen ich zu unterscheiden ich hier für sinnvoll halte. Zum einen ist da die durch Regeln gestützte Bevorzugung eines Geschlechts (und damit die Benachteilgigung der übrigen). Damit meine ich hauptsächlich solche, die auf gesetzlichen oder auch anderen Bestimmungen beruhen; ein Beispiel hierfür wäre, wenn nur Männer (oder nur Frauen) das Wahlrecht hätten. Diese soll hier als politische oder rechtliche Diskriminierung oder Gleichberechtigung bezeichnet werden.

Die andere wäre eine gesellschaftliche, die sich nicht in expliziten ‹Regeln› oder offiziellen Gesetzen äußert, aber beispielsweise bestimmte Erwartungshaltungen oder Rollenbilder festigt oder aber schlichtweg sexistisches Gedankengut bezeichnet. Obigem Beispiel folgend wären das die Ablehnung des Wahlrechts für eine bestimmte Geschlechtergruppe, Ansichten wie «Frauen sollten nicht wählen», «Wählen ist was für Mädchen», «als Mann/Frau/… sollte ich mich nicht mit Politik beschäftigen» oder «es gehört sich für mich als X/Y, das zu wählen, was mein Partner/Elter/irgendwas sagt» (es gibt noch tausend andere Beispiele, aber ich schätze, es ist klar, was gemeint ist).

Wie man vielleicht sieht, unterscheidet sich diese Art wiederum in bewusste Diskriminierung und un(ter)bewusste Erfüllung/Auslebung eines Rollenbilds. Ich werde versuchen, auch darauf an den gegebenen Stellen einzugehen. Die beiden Varianten werde ich ansonsten unter gesellschaftliche Diskriminierung/Gleichberechtigung zusammenfassen.

Kommen wir wieder zurück zu mimimi meiner Kritik, wenn man es so nennen möchte.

Als Anfangsbetrachtung möchte ich hier einmal erwähnen, dass ich mich als der Gleichberechtigung aufgeschlossene, zugetane und sogar von ihr als ethisch richtig überzeugte Person betrachte (andere Leute mögen das mitunter anders sehen, aber darauf kommt es an dieser Stelle noch nicht an). Trotzdem habe ich es sehr lange abgelehnt, mich mit diesem Thema überhaupt zu befassen - es ging sogar soweit, dass ich schon fast aggressiv wurde, wenn es überhaupt erwähnt wurde. Die Frage ist nicht nur, wie es dazu kommt, dass jemand, der den Gleichberechtigungsgedanken keineswegs abzulehnen meint, diese Abneigung gegenüber der Befassung damit entwickeln konnte, sondern auch, ob es anderen, die sich ähnlich verhalten (und die Tatsache, welche Reaktionen Äußerungen in Richtung «Gender» für gewöhnlich nach sich ziehen, scheint mir recht offensichtlich nahezulegen, dass ich nicht die einzige Person bin, der es so geht).

Selbstverständlich kann ich nur für mich selbst sprechen. Dennoch will ich nicht ausschließen und halte es im Gegenteil sogar für sehr wahrscheinlich, dass der Großteil der anderen Reflexablehner sich, ebenso wie ich, als Befürworter der Gleichberechtigung versteht. Und grade unter diesem Aspekt ist es vielleicht interessant, sich zu fragen, warum das Thema dennoch so emotional diskutiert und teilweise sogar direkt im Ansatz abzuwürgen versucht wird.

Nun ist es bei mir durchaus nicht so, dass ich im Internet oder gar bei den Piraten das allererste mal mit - mangels besserer Begrifflichkeit schreibe ich es jetzt einfach mal so - feministischem Gedankengut in Berührung gekommen bin. Im Gegenteil: Aus moralischer Sicht schienen mir gleiche Rechte für alle eine Selbstverständlichkeit. Natürlich hatte ich auch von der Benachteiligung von Frauen (und Anderen nicht-männlichen Geschlechts) in der jüngeren und älteren Geschichte gehört. Nachwirkungen davon waren für mich aber selten zu spüren; es wurde vielmehr eher theoretisch darüber geredet.

Zugleich wurden aber auch immer noch bestehende rechtliche Diskrepanzen auf diesem Gebiet offenbar (als Beispiel sei hier die Wehrpflicht genannt). Das schien zumindest erstmal ungerecht. Hinzu kamen dann die ersten Kontakte mit dem, was sich zu diesem Zeitpunkt (selbst) unter dem Begriff Feminismus* zusammenfasste und -fand: Hier bei ging es nicht selten um die Unterstellung (anders kann ich es nicht nennen, da ich zumindest nie etwas solches im eigenen Umfeld kennen gelernt hatte), weibliche Personen bedürften anderer, gesonderter oder gar bevorzugter Behandlung.

Dies war gleich in doppelter Ausführung negativ. Zum einen führte es unbewusst wie auch bewusst zu (gewollter und ungewollter) Übervorteilung einer Geschlechtergruppe aufgrund gewisser Vorurteile oder sonstiger gutmeinender Bestrebungen. Zum anderen wurde einem genau diese Sonderbehandlung implizit und auch explizit häufig vorgworfen - insbesondere, wenn man sich in Bezug auf Gleichberechtigung o.ä. äußerte. Als Beispiel sei hier genannt, dass, wenn sich eine Frau z.B. zu irgendeiner wie auch immer gearteten Benachteilgung äußerte, es quasi sofort hieß, dass sie Ungleichbehandlung in bezug auf die Wehrpflicht anscheinend nicht störe. Unabhängig davon, dass, bloß, weil irgendwelche anderen (weiblichen) Menschen so dachten, es diese Frau nicht zwangsläufig auch tat; sie es höchstwahrscheinlich genauso wenig ändern konnte und es üblicherweise überhaupt nichts mit dem ursprünglich diskutierten Thema zu tun hatte (zumal die Tatsache, dass ein problem noch nicht gelöst ist, wohl kaum rechtfertigt, die Lösung eines anderen Problems gar nicht erst zu diskutieren).

Was ich sagen will: Die Ungleichbehandlung führt, egal, wen sie bevor- oder benachteiligt dazu, dass die Position des einzelnen geschwächt wird.

Dieser förderische Behandlung von Mädchen fand 8und findet) sich in vielen Bereichen wieder. Sei es nun, dass im Sportunterricht nach Geschlecht und nicht nach Interesse getrennte Spiele gespielt werden; man in nach Geschlechtern getrennten Unterricht in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern gesteckt wird, weil Mädchen angeblich schlechter lernen, wenn sie mit Jungs zusammen unterrichtet werden; man für Dinge explizit deshalb rekrutiert wird, weil man weiblich ist (Credo «wir brauchen noch mehr Weibchen auf Position X»); man zu speziellen, traditionell eher dem männlichen Geschlecht zugeschriebenen Interessen und Aktivitäten nach einer «weiblichen» Sichtweise (wtf?) befragt wird.

All das impliziert nicht nur, Mädchen bräuchten spezielle Förderung, weil sie es von sich aus nicht ‹schaffen›, sich gegen Jungs zu behaupten oder gleich gute Leistungen zu erbringen oder… gleichzeitig festigt es auch dir Vorstellung, Mädchen seien nun mal anders als Jungs, müssten anders behandelt werden, hätten pauschal eine andere Sicht als diese (aber dann bitte alle die gleiche, oder was?) usw. usf.

Gleichzeitig werden Mädchen dadurch noch dazu genötigt, sich an jeder Stelle beweisen zu müssen, denn es herrscht ja automatisch die implizite Unterstellung, sie könnten nichts, könnten es schlechter als Jungs oder wären überhaupt nur dort, wo sie sind, weil sie bevorzugt werden. Das heißt man wird als Mädchen nicht nur unaufgefordert gesondert behandelt und mitunter bevorzugt, man muss sich auch noch gegen Vorwürfe dafür verteidigen. Es ist, als würde jemand beleidigt und derjenige müsste dann auch noch rechtfertigen, wie es dazu kommen konnte und warum er das nicht verhindert habe (etwas seltsame Analogie; ich hoffe, ihr könnt mir folgen).

Und genau DAS sind die hauptsächlichen, hervorstechendsten und mich am meisten aufregendsten Ereignisse und Gelegenheiten, die mir in den Sinn komme, wenn ich «Sexismus» oder ähnliches höre oder darüber nachdenke. In SOLCHEN Momenten fühle ich mich diskriminiert und auf mein Geschlecht reduziert. Und genau dieses Gefühl triggert auch die Frage nach «mehr Frauen in…», Geschlechterquoten, etwaigen Problemen, dem Binnen-I, «Wie interessiert man Frauen für…?»-Fragen und was nicht sonst noch alles. Einiges davon betont ‹nur› das Geschlecht der beteiligten (und unbeteiligten) Personen, anderes stellt eine plumpe Verallgemeinerung der halben (teilweise ganzen) Bevölkerung dar und unterstützt primitives Schubladendenken und ungerechtfertigte Kategorisierungen, welche letztendlich Vorurteile begründen.

Und sollte es bei Gleichberechtigung nicht auch darum gehen, Leute unabhängig ihres (biologischen) Geschlechts zu betrachten? Sollte das Geschlecht nicht eben genau keine Rolle mehr spielen?

Ich glaube, oben von mir zu verbalisieren versuchte Problematik ist es, wenn Leute auf Bemühungen anderer Menschen mit «man kann sich Probleme auch herbeireden (wahlweise: welche machen, wo keine sind)» reagieren. Denn genauso empfinde ich es selbst oft. Es handelt sich also um eine Art Trotzreaktion darauf, die hauptsächlich darauf begründet ist, dass ich das Hervorheben des Geschlechts an sich ablehne und es als Ursprung vieler Probleme sehe.

Damit will ich nicht andeuten, dass die Gleichberechtigung innerhalt der Gesellschaft erreicht ist. Teilweise gibt es immer noch diskriminierende Gesetze, aber vor allem sozial sind wir noch weit davon entfernt. Neben Menschen, die sich für sexistische Witze begeistern und Mario Barth toll finden, gibt es (natürlich auf beiden Seiten) eine erschreckende Anzahl von Leuten, die ganz ernsthaft von traditionellen Rollenbildern überzeugt sind und diese wie selbstverständlich auszufüllen suchen. Dies kann sich so ausprägen, dass sie das andere Geschlecht für in irgendeiner Weise minderwertig halten oder aber schlichtweg meinen, eine oder beide Seiten seien genetisch in gewisser Weise zu bestimmten Handlungsweisen oder auch Begabungen vorgeprägt. Und es gibt Leute wie mich, die sich für von solchen Gedankengängen nicht betroffen gehalten haben.

Aber bin ich das wirklich? Spoiler: Nein, bin ich nicht. Auch ich habe mich - vor allem in letzter Zeit - oft dabei erwischt, in die alte Rollenfalle zu tappen. Damit meine ich nicht unbedingt mein eigenes Verhalten oder die Beurteilung anderer Menschen, aber zum Beispiel die schlichte Einordnung gewisser Handlungsweisen.

Das ist übrigens auch wieder eins der Probleme die ich u.a. mit dem sog. Feminismus, aber auch mit sexistisch geprägten Weltbildern habe. Dort gibt es ja bekanntlich Vorstellungen à la «Frauen tun X» und «Männer sollten Y» und ähnliches mehr. Dadurch, dass man nun nahezu zwangsläufig einem der beiden Geschlechter angehört, wird man in seinem Leben immer mal wieder in eine dieser beiden Rollen gedrängt.

Natürlich kann ich das ganze nur aus meiner Perspektive beurteilen, aber ich habe in Bezug auf geschlechtsspezifische Dinge häufig folgende Erfahrung gemacht: Wenn ich etwas nicht kann, das für mein Geschlecht als un- bzw. für das andere als typisch gilt, liegt mein Unvermögen an meinem Geschlecht. Gleichzeitig repräsentiere ich plötzlich alle anderen Vertreter dieses Geschlechts und untermauer somit auch noch das Vorurteil, das ich gerade beschrieben habe und bringe den ‹Rest› durch mein Unvermögen sozusagen auch noch in eine prekäre Lage.

Gut in etwas zu sein, dass nicht meinem Rollenbild entspricht, ist dagegen fast selbstverständlich eine Auszeichnung.

Kann ich hingegen etwas, das für mein Geschlecht typisch ist, ist das irgendwie auch wieder nicht gut, weil es natürlich wieder das Klischee zementiert. Ich neige sogar häufig dazu, es (bei mir selbst!) alleind eshalb als minderwertig anzusehen, weil es eben nun mal als typische Eigenschaft dieses Geschlechts gilt. Sprich: Eigenschaften meines Geschlechts = minderwertig. Dazu sollte erwähnt werden, dass ich niemals bewusst eine andere Person aufgrund solcher Fähigkeiten oder Eigenschaften abgewertet habe und mir auch nicht einfiele, warum ich das tun sollte. Warum also bei mir selbst? Warum fühle ich mich genötigt, einem Klischee zu widersprechen? Und warum führt dieser Widerspruchswunsch dann auch noch dazu, dass ich gewisse Eigenschaften (an mir) als minderwertig empfinde?

Kommen wir nach diesem kurzen Exkurs nun dazu, was mich daran stört, wie die Debatte geführt wird. Da ist zunächst mal die Art, wie das Thema überhaupt an andere herangetragen wird.

Das wird meistens in der oder einer ähnlichen Art getan, wie ich oben die Erstkontakte zu Gleichberechtigungsbestrebungen innerhalb der Gesellschaft beschrieben habe. Sprich: Es wird erstmal ein Unterschied zwischen Jungs und Mädchen herbeigeredet, im schlimmsten Fall sogar pauschalisiert und betont. Da ich genau dieses Gebaren als Sexismus und diskriminierend empfinde, setzt es bei mir dann leider häufig schon aus, so dass es extrem schwierig ist, noch inhaltlich an mich heranzukommen. Das mag unreif sein und nicht unbedingt für mich als Mensch sprechen, aber so ist es vorerst einmal und mit emotionalen Reaktionen muss man immer rechnen; insbesondere, wenn man anderen ein kontroverses Thema nahebringen will (zur Verteidigung der Gegenseite: konnte die ja nicht wissen, dass das ganze so kontrovers ist).

Dann kommen noch Randerscheinungen wie das sogenannte «Gendering» von Texten, die Forderung von Quoten oder auch die Begründung von irgendwas außer Kinderkriegen und dergleichen (im besten Fall noch Qualifikation - wtf?!²) mit «weil ich eine Frau bin» hinzu, die mich extrem schnell und leicht unsachlich werden lassen. An dieser Stelle könnte eine längliche Darlegung stehen, warum ich beides für (polemisch ausgedrückt) mehr oder minder groben Unfug halte, aber der Post ist, glaube ich, bereits lang genug. Aber vielleicht werde ich das bei Interesse mal nachreichen.

Schlussendlich seien noch die involvierten Personen erwähnt. Nun kenne ich die meisten nicht näher und kann daher nur oberflächlich, wenn überhaupt, beurteilen, um was für Menschen es sich handelt. Aber ich kann zumindest beschreiben, welchen Eindruck sie auf mich machen.

Da fällt einerseits auf, dass der Großteil biologisch weiblich ist. Nun, das ist an sich nicht schlimm - es kann ja auch niemand etwas für sein Geschlecht - uns es gab auch männliche und weitere Vertreter; nur leider ist es eben schwierig, das Thema Gleichberechtigung, bei dem es mir besonders wichtig erscheint, so viele Menschen wie möglich einzubeziehen, vernünftig zu diskutieren, wenn so viele nicht mit einbezogen sind (wobei ich nicht unterstellen will, dass dabei absichtlich jemand ausgeschlossen wird - vielmehr denke ich, ein Großteil der Personen wird aus oben aufgeführten und noch zu nennenden Gründen von der Teilnahme abgeschreckt).

Ich meine aber zumindest, beobachtet zu haben, dass sich diese Menschen auch auf eine gewisse Art verhalten, sei es nun durch Ausdrücke, Diskussionskultur oder anderes, mit der ich mich persönlich so wenig identifizieren kann, dass ich nicht mit ihnen zusammenarbeiten möchte. Ja, richtig, ich fühle mich unter diesen Menschen nicht wohl, nicht zugehörig und ich habe den Eindruck, dass meine Sicht der Dinge nicht relevant ist, da sie ohnehin als Blödsinn abgetan würde.

Nun ist mir letzteres nicht unbedingt unbekannt; im Gegenteil. Für gewöhnlich juckt es nicht, wenn jemand meine Meinung nicht teilt (das ist üblich) oder der Großteil einer Gruppe anderer Ansicht ist. Das allein hält mich nicht unbedingt von der Teilnahme an einer Diskussion ab. Es ist mehr das vage Gefühl (!), diese Leute interessierte meine Ansicht nur marginal und es ginge primär darum, mich zu überzeugen, dass ich falsch läge. Ich sehe, meine Formulierung lässt hier zu wünschen übrig, denn genau das ist (leider) nicht unüblich und stört mich bei sonstigen Debatten höchstens oberflächlich. Vielleicht ist es auch die Vermutung, meine Denkweise könne nicht nachvollzogen - oder von mir sogar gar nicht richtig erklärt? - werden, die mich stört. Oder aber die Aussicht, die sinnlose Anstrengung zu unternehmen, ein extrem komplexes Thema aus meiner Perspektive zu beleuchten, ohne, dass es interessiert oder verstanden wird oder jemanden zum Nachdenken anregt, wenn diese ganze Fragestellung meines Erachtens hochgradig fruchtlos zu werden verspricht. Und die Tatsache, dass ich meine Zeit im Zweifelsfall lieber mit Leuten verbringe, deren Ansichten oder Denkweisen den meinen ähneln (nicht notwendigerweise gleichen) und mit denen ich andere, womöglich erbaulichere Themenfelder beackern kann.

Aber wie kann man das ändern, sofern es denn gewollt ist? Gute Frage, offene Antwort. Denn abgesehen von «mehr Personen einbinden» fällt mir dazu nichts konstruktives ein. Dennoch sollte man die Fragestellung meines Erachtens nicht einfach unter den Tisch fallen lassen - insbesondere, da das ganze leider eben doch immer noch aktuell ist, vor allem sozial, und auch innerhalb der Piratenpartei zumindest solange nicht überwunden scheint, wie einige es als solches ansehen und es zudem nicht möglich ist, ein sachliches Gespräch darüber zu führen, welches die Problemlage näher erörtert.

Was schließe ich also daraus? Hauptsächlich, dass das Thema noch verzweigter und diffiziler ist, als ich vermutet habe; ich höchstwahrscheinlich die Hälfte oder mehr vergessen und ungezählte Male den faden verloren hab, so dass ich mich jetzt ernsthaft frage, ob dieser Text auch nur im entferntesten nachvollziehbar ist oder überhaupt für irgendwas anderes als die Tonne taugt. Und: Es gibt zu diesem Thema noch so unglaublich viel mehr zu sagen, dass ich angesichts dieses Bergs unwillkürlich kapitulieren möchte.

Aber am allerneugierigsten bin ich auf andere Meinungen, die mir im Idealfall noch dabei helfen, mir selbst darüber klarer zu werden, was ich hier eigentlich zu sagen versuche.

* Allein den Begriff an sich finde ich bereits unglücklich gewählt, da er quasi automatisch impliziert, es drehte sich dabei nur um Frauen - es ist aber natürlich unlogisch, nur Frauen ‹gleiche› Rechte zuzusprechen, denn der Natur des Wortes nach müssen gleiche Rechte nun mal für alle gleich sein, und das schließt eben Menschen aller Geschlechter ein, weswegen der Begriff, unter den die Bewegung(en) und deren Bemühungen zusammengefasst wird, dies meines Erachtens auch reflektieren und nicht eine oder mehrere Gruppen ausschließen sollte.

Tatort Zukunft

14. März 2011

An dieser Stelle könnte etwas über Atomkraft stehen. Und obwohl eine Diskussion darüber sicherlich nicht verkehrt ist, liefe es höchstwahrscheinlich ohnehin auf eine Kritik an der Sachlichkeit der momentanen Debatte hinaus, zu der an anderer Stelle schon viel kluges geschrieben wurde, dem ich mich in dem Sinne daher nur kurz anschließe (was im Übrigen nichts an meiner grundsätzlichen Haltung gegenüber Kernkraft ändert).

Kommen wir nun zu etwas vollkommen anderem…

Dieses Wochendende fand eine kleine Veranstaltung zum (groben) Thema «Zukunft» und deren Ausgestaltung statt, an der ich auch teilnahm. Zu einem ausführlichen Bericht wird es wohl nicht reichen, aber ein paar Gedanken möchte ich doch festhalten.

Ich hatte mich - ganz klischeehaft - für das Themengebiet «Medien» gemeldet. In unserer Gruppe wurde dann erst Diskussionsobjekt und die vorhandenen Problematiken etwas erläutert, danach ging es in die Erarbeitung von Standpunkten. Hierfür haben wir zunächst mal aufgeschrieben, wie man es schlimmer machen könnte. Das war zugegebenermaßen ganz witzig, allerdings bin ich persönlich auch nicht der Ansicht, dass man dann durche ine einfache Negativierung der Thesen zu sinnvollen Forderungen kommt. Ein Foto möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten:

Wie die Zukunft NICHT aussehen sollte

Wie die Zukunft NICHT aussehen sollte

Wie man sieht (falls man überhaupt was sieht), wir hatten Spaß. Mehr oder weniger.

Bis zu diesem Punkt gab es - zumindest in unserer Abteilung - auch so gut wie keine wirklich kontroversen Diskussionen, obwohl hier ja durchaus unterschiedliche ‹Lager› (ich mag diese Einteilung eigentlich überhaupt nicht) vertreten waren. Andererseits fehlte bei uns wohl der Teil, der anderer Meinung gewesen wäre. Zuerst fand ich das etwas enttäuschend, denn abgesehen davon, dass ich mitunter eine perverse Freude an kontroversen Debatten habe (sonst wäre ich wohl schon durchgedreht), kann man dabei üblicherweise auch immer noch am meisten lernen. Andererseits ermöglicht die mehr oder weniger bewusste ‹Ausklammerung› diskussionswürdiger Themen konstruktiveres Arbeiten, was wiederum auch so einges wert ist. Ändert zwar nichts daran, dass man auch kontroverse Themen ansprechen und letztendlich ausdiskutieren sollte bzw. muss, aber man kann sich dafür ja auch einen passenderen Zeitpunkt aussuchen als ein arbeitsorientiertes Wochenende *g*

Was ich bis dahin selbstverständlich nicht wusste: Am Sonntag würde ich davon noch mehr als genug bekommen. Denn dort ging es im großen Plenum darum, sich die Vorschläge der anderen Teams anzuhören, sie erneut zu diskutieren, gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zu machen und letztendlich darüber abzustimmen.

Hierbei trat dann auch sehr eklatant hervor, was sich bei mir bereits im Vorfeld dezent bemerkbar gemacht hatte. Diese Leute sind einfach vollkommen verrückt! Es wurde sich wirklich ins Zeug gelegt, auch noch das hinterletzte Klischeevorurteil zu bestätigen (okay, ich gestehe, dass diese Formulierung dezent polemisch ist und es nur halb so shclimm war… die Vertreter der Grünen Jugend stellten sich nicht als dauerkiffende Ökos mit Vollbart, Dreads und Sandalen heraus). Ich bin zu schreiben geneigt, ihnen wäre wohl nichts zu albern gewesen - allerdings war es ihnen damit ja durchaus ernst, was überhaupt erst die Traurigkeit der Sache ausmacht.

Zum einen wäre da die konsequente Verschandelung des Sprach- und Schriftbildes durch grammatikalische Fehlkonstruktionen wie das Binnen-I sowie Verweiblichungen mit Unterstrich (kurzes Beispiel: Student_innen). Ja, ich gestehe: Da bin ich empfindlich. Sehr empfindlich. Abgesehen davon, dass sowas einen Text auf die ein oder andere Weise mehr oder weniger unleserlich macht (entweder im Stillen oder beim Vorlesen) ist es schlichtweg unnötig und falsch. Es gibt im Deutschen generische Formen - das meistbekannte hierbei das generische Maskulinum, aber auch generisches Femininum und Neutrum. Diese existieren meines Erachtens aus gutem Grund: Es ist einfach umständlich, Texte mit diesen offensichtlich künstlichen Einschüben halbwegs vernünftig zu lesen (von der gesprochenen Sprache mal ganz abgesehen); außerdem werden nahezu zwangsweise Leute außen vor gelassen - da kann auch ein Unterstrich nicht wirklich helfen. Aber näher will ich auf dieses Thema eigentlich gar nicht eingehen, sonst reg ich mich bloß wieder unnötig auf (abgesehen davon haben das andere schon besser gemacht).

Ein eng damit verknüpfter Aspekt ist natürlich auch die Forderung nach Quoten an jeder Ecke. Rednerliste nach Meldereihenfolge? Unsinn! Da spielt das Geschlecht womöglich ja überhaupt keine Rolle bei. Und das geht schließlich GAR nicht… bei anderen Jugendorganisationen scheint es - so zumindest mein Eindruck - die Pflicht aller Mitglieder zu sein, einander möglichst oft an die eigenen (womöglich utnerschiedlichen) geschlechter zu erinnern. Damit einhergehend selbstverständlich auch die Tatsache, dass man Gleichberechtigung/-stellung/-kekse prinzipiell erzwingen muss, denn es haben ja ohnehin alle unterschwellige Vorurteile, durch die dann letztendlich Frauen Menschen benachteiligt werden. Letzterem würde ich nicht mal per se widersprechen wollen - die Frage ist nur, ob die Überbetonung der unterschiedlichen (auf die binäre Ausprägung beschränkten) Geschlechter und damit einhergehende Ungleichbehandlung aufgrund selbiger die Lösung sein kann. Die Fragen, die sich mir dabei immer stellen: Kann (oder sollte oder will) man Gleichberechtigung durch Ungleichbehandlung erreichen? Kann (oder sollte oder will) man die Losgelöstheit vom biologischen Geschlecht durch eine Überbetonung desselbigen auch in Bereichen, in denen dieses überhaupt nichts zur Sache tut (also den meisten), erreichen? Ehrlich gesagt macht dieses Verhalten auf mich irgendwo den Eindruck, eventuell unterschwellig vorhandene diskriminierende Handlungsweisen dadurch zu bekämpfen, indem man diskriminierende Handlungsweisen erzwingt - da weiß man dann wenigstens, woran man ist?

Nun ja. Dies führte dann auch zu einigen - meiner Meinung nach - absurden Forderungen, die ich hier aufgrund anhaltender Faulheit nicht wiedergeben werde. Aber ihr findet sie sicherlich später irgendwo im Netz.

Wurde denn auch noch etwas anderes beschlossen? Zum Glück ja. Einiges davon ist vieles nichts neues, und wurde so oder ähnlich schon mal an anderer Stelle gefordert oder steht sicherlich auch bereits in einigen Wahl- oder Parteiprogrammen (zumindest ein oder zwei Piratenstandpunkte sind vertreten), manches ist zumindest ein bisschen provokant, manches immer noch unsinnig, aber hey - wenigstens muss ich mich nicht als Teil dieser Gruppe fühlen, oder?

Obwohl ich nicht jeden Punkt des Dokuments ablehne, sondern vielen auch oder zumindest im Großteil zustimme, konnte ich ihm dann schlussendlich aber nicht in seiner Gänze zustimmen. Zwar stecken da wirklich einige für mich ungangbare Klopper drin, aber letztendlich habe ich mich dann doch nur enthalten, wenngleich sich eine Ablehnung im Nachhinein wohl besser anfühlen würde.

Letztendlich wurde von den Organisatoren unsere sachliche Zusammenarbeit gelobt, wobei ich diese persönlich nicht durchgehend, aber doch überwiegend bestätigen kann. Einige Male kam es zu polemischen oder anderweitig ausartenden Diskussionen, allerdings halte ich das für fast unvermeidlich, selbst wenn in den Grundsätzen alle einer Meinung sind.

Etwas schade war meiner Ansicht nach auch, dass für viele Sachen keine wirkliche Zeit blieb. Einerseits kann man zwar sagen, dass Grundsatzdiskussionen im Allgemeinen wenig bringen, da die Meinungen für gewöhnlich sowieso feststehen - und da ist sicherlich auch viel wahres dran - andererseits bin zumindest ich auch dorthin gegangen, um selbst noch etwas dazuzulernen. Und für mich persönliche finde ich es durchaus bereichernd, so eine Diskussion zu führen. Natürlich hängt das auch vom Diskussionspartner ab - aber je nachdem ist es dabei durchaus möglich, auf zuvor noch nicht gehörte Argumente zu stoßen (und die eigene Sichtweise dann eventuell anzupassen) oder schlichtweg die eigene Position zu stärken und die Beweggründe nochmal mit der Realität abzugleichen. Solange man eine Debatte nicht als ‹Wettbewerb› auffasst, den es zu gewinnen gilt, kann man dabei eigentlich fast nur gewinnen - oder zumindest Spaß haben… vorausgesetzt, der/die Gesprächspartner sieht/sehen das zumindest ähnlich.

P.S. Irgendwie ist es mir gelungen, diesen Text zu schreiben, ohne in Lobhudeleien für die JuPis auszubrechen. Bin ich jetzt cool?

Ethik & Empathie

18. Januar 2011

Seit ich mich mit dem Thema befasse - und im Grunde auch vorher schon - ist mir aufgefallen, dass viele das Nichttöten (und Nichtquälen) von (nichtmenschlichen) Tieren mit Empathie begründen. So passend sie für diese Individuen auch sein mag - sie will mir nicht gefallen. Meines Erachtens ist Mitgefühl weder eine Notwendigkeit noch ein Garant für Moral.

Vielleicht bin ich damit alleine, aber meines Erachtens sollten ethische Fragestellung in gewissem Sinne rational und nicht emotional beantwortet werden können. Denn Gefühle sind letztendlich immer willkürlich - und auf Willkür sollte man Werte, die ja oft auch einen gewissen Anspruch auf Allgemeingültigkeit (wenn dieser auch nie absolut sein kann) haben, nicht begründen. Vielmehr sollten sie sich logisch aus gewissen Grundannahmen schlussfolgern lassen. Natürlich kann eine Ethik niemals allen Personen gerecht werden… irgendwer wird es immer anders sehen. Aber mit einem einfachen «ich empfinde das eben so» möchte ich mich auch nicht zufrieden geben.

Ich nehme an der Stelle einfach mal mich selbst als Beispiel, werde aber später auch noch mal allgemein auf die Fragestellung eingehen. Das erste Mal mit Vegetarismus in Kontakt kam ich im Kindergarten. Als Begründung wurde hier, wie so oft, angeführt, die Tiere täten der entsprechenden Person eben Leid. Was an sich natürlich alles andere als verwerflich und sicherlich auch ein guter (persönlicher) Grund ist, sie nicht zu verzehren oder anderweitig an ihrer Tötung mitzuwirken. Es ist aber aus meiner Sicht kein Argument für Vegetarismus (oder Veganismus oder irgendwas anderes). Mir taten sie nämlich nicht Leid. Und das tun sie auch heute nicht. Genauso wenig, wie mir die oft herangezogenen (ver)hungernden Kinder in Drittweltländern leidtun. Aber müssen sie das, damit ich ihre Situation verurteile(n kann)? Damit ich ihr Leid anerkennen kann? Damit ich Verbesserungen für notwendig halten kann? Ich denke nicht.

Nur, damit mich keiner falsch versteht: Stünde ich einem solchen Kind gegenüber, täte es mir womöglich tatsächlich Leid. Ich weiß es nicht. Aber das spielt keine Rolle. Wenn ich jetzt daran denke, dass tagtäglich unzählige Kinder verhungern, empfinde ich dabei keine Trauer und auch kein Mitgefühl. Ich sehe es als schlecht an, ja. Aber Mitgefühl? Nein.

Außerdem könnte man sicher leicht Praktiken wie zum Beispiel die Todesstrafe rechtfertigen, wenn man als Gegenargument lediglich Mitgefühl ins Feld führt. Zumindest kann ich mir vorstellen, dass viele Leute kein Mitleid mit Mördern oder Kinderschändern hätten. Ich allerdings muss für mich sagen, dass ich die Todesstrafe ablehne.

Worauf kann man dann die Rücksichtnahme auf andere Lebewesen (und seien es auch ‹nur› Menschen) begründen? Ich möchte es mit Logik probieren.

Meine Grundannahme dafür ist, dass jedes Lebewesen erstmal frei und gleichwertig ist. Das heißt, es ist niemandem gegenüber verpflichtet und kann - sofern niemand anders dadurch beeinflusst wird - tun und lassen, was es will. Und zwar schlicht aus dem Grund, dass es selbst auch das einzige ist, das die Konsequenzen aus dieser Handlung zu tragen hat. Sobald jemand anderes diese ebenfalls zu tragen hat, muss er mindestens in die Entscheidung mit einbezogen werden.

Weiterhin zählt es auch nicht mehr oder weniger als irgendein anderes, denn wer könnte letztendlich beurteilen, was mehr und was weniger wert wäre und auf welcher Grundlage? Absolute Objektivität existiert ja bekanntermaßen sowieso nicht, also ist es auch nutzlos, sich der Illusion hinzugeben, sie täte es.

Wenn man dies beides akzeptiert, stellt sich die Frage, unter welchen Umständen man das ‹Recht› hätte, eine andere Kreatur zu töten. Da beide gleich viel wert sind, drängt sich eine Situation auf, in der es um Leben und Tod geht - und in der einer von beiden sterben muss, damit der andere überleben kann. Nun kann man einerseits argumentieren, dass es in diesem Fall am gerechtesten wäre, derjenige stürbe, der nur durch das aktive Töten des anderen überleben könne, da dieser, der ja ohne jegliche Veränderung der Situation sein Leben behielte, dadurch vielleicht eher ein Recht darauf hätte (gesetzt dem Fall, es müsste überhaupt nur einer von beiden töten).

Andererseits könnte man diese Art des Egoismus auch gewissermaßen verzeihen (unter der Prämisse, in so einer Situation handelte jeder so oder einfach dadurch, dass das Interesse am eigenen Überleben dies rechtfertige). Oder auch nicht. Damit will ich mich momentan gar nicht näher befassen, da diese Situation im Grunde nichts mit der Fragestellung zu tun hat - sie trifft jedoch in Bezug auf Pflanzen zu (ohne deren Konsum der Mensch ja letztendlich nicht überleben kann), da kann sich an dieser Stelle jeder seine eigene Meinung zu bilden.

Ist aber diese Voraussetzung, dass es um das eigene Überleben geht, nicht mehr gegeben, stellt sich die gleiche Frage erneut: Warum töten? Vor allem: Warum töten, wenn es nicht nötig ist? Es gibt keinen überlebenswichtigen Grund dazu - dementsprechend keinen für einen selbst wirklich essentiellen. Für die Gegenseite allerdings ist diese Frage allesentscheidend. Sie hat dort also einen sehr hohen Stellenwert, während der ‹Nachteil› auf unserer Seite letztendlich zu vernachlässigen wäre, stellt er doch lediglich den Verlust der Befriedigung oberflächlicher Gelüste dar.

Sind die Interessen desjenigen, um dessen Leben es dabei immerhin geht, in dem Fall nicht höher zu bewerten? Egal, ob man ihn mag oder nicht?

Dogville

05. Januar 2011

Dogville ist ein interessanter Film. Nicht unbedingt im Sinne von ‹fesselnd› - tatsächlich fand ich ihn stellenweise sogar recht anstrengend, und er ist auch nicht grade kurz (oder flott erzählt). Umso faszinierender ist dafür das Ende, dem ich mich auch direkt widmen will (in diesem Sinne also Spoiler-Alarm für den restlichen Post und wer eine Inhaltsangabe oder allgemeine Meinungen zum Film haben will, findet diese an anderer Stelle).

Warum gefällt mir das Ende also? Einerseits birgt es natürlich eine gewisse Genugtuung, denn letztendlich sind die Dorfbewohner nichts als dumme Arschlöcher, denen wohl jeder gerne mal die Fresse polieren würde. Das allein macht es aber nicht aus. Auch nicht die Tatsache, dass ich nicht unbedingt damit gerechnet habe. Es ist vielmehr der Konflikt der Situation an sich.

Einerseits zeigt der Ausgang, dass auch Grace letztendlich ‹nur› ein Mensch ist - und menschlich handelt. Kein Gutmensch, kein Übermensch. Keine Belldandy, die auch dem größten Deppen noch Mitleid und Verständnis entgegen bringt (verzeiht, aber dieser Charakter kommt mir in solchen Zusammnhängen immer als erstes in den Sinn… sie ist einfach viel zu nett; ich könnte sie köpfen!).

Während hier also ihre eigene moralische Imperfektion dargelegt wird, werden gleichzeitig ethische Standards verlangt. Wie ihr Vater direkt vorher bemerkt, vergibt Grace zuvor deshalb, weil sie andere nicht an ihren eigenen Werten misst: Sie selbst hätte nicht so wie die Dorfbewohner gehandelt. Sie gesteht hiermit also zweierlei ‹Fehler› ein. Erstens, dass - unter gewissen Voraussetzungen - jeder auf diese Weise hätte gehandelt haben können, was wiederum den freien Willen unterminiert. Zweitens, die Annahme, dass die Menschen von sich aus ihre Fehler eingestehen und verantwortungsbewusst gehandelt hätten, denn das haben sie nicht - sich selbst überlassen, ohne die Gefahr der Bestrafung (von außen oder durch Grace selbst), haben sie nur ihren eigenen Vorteil gesehen.

Aber dies ist auch interessant: Sind Gesetze oder andere äußere Kontrollen notwendig, um ethisches Verhalten zu gewährleisten? Ist es dann überhaupt noch Moral, wenn es von außen oktroyiert wird?

Die komplette Szene sagt sowohl etwas über den Charakter Grace, die menschliche Natur (so diese denn in ihrer Generalität existiert) sowie den Zuschauer selbst aus. Grace selbst wird, wie schon erwähnt, ‹vermenschlicht› - sie verliert ihre Barmherzigkeit, ihre endlose Güte, mit der sie die Menschen, denen sie nie etwas böses wollte, doch nicht erreichen konnte. In jedem Menschen steckt also ein (moralischer) ‹Makels› - nicht unbedingt etwas böses (ich mag diese Schwarz/Weiß-Malerei nicht unbedingt), denn ich denke, unter den gegebenen Umständen ist ihr Verhalten zumindest teilweise verständlich - aber doch etwas, das dem immerguten, engelhaften entgegen steht. Zudem wirft es natürlich die Frage der Macht auf, denn Grace verliert ihre Gnade, als sie selbst in die machthabende Position kommt und nutzt diese zum Nachteil der Schwächeren.

Ist sie also genauso wie die Einwohner Dogvilles, weil sie ihre Macht ebenso gegen sie einsetzt wie diese es zuvor taten oder steht sie dennoch abseits von ihnen, da sie dies nicht völlig ohne Grund und letztendlich im Namen der Moral tut?

Was es letztendlich über den Zuschauer selbst aussagt, liegt natürlich an ihm… empfindet er Genugtuung beim Massaker der Dorfbewohner? Empfindet er es als gerechte Strafe? Hätte er eventuell sogar genauso gehandelt? Was erwartet er in der Situation von Grace - und hätte er im Zweifelsfall genauso gehandelt?

So passend ich sie selbst empfand, sind Grace’ Handlungen also gerechtfertigt? Natürlich nicht. Aber meines Erachtens geht es darum auch gar nicht. Sicherlich hätte sie, realistisch betrachtet, weder alle töten noch zurück nach Dogville gemusst. Aber dann hätte der Film nicht funktioniert. Genauso, wie er nicht funktioniert hätte, wäre sie bis zum Ende hin ‹gut› geblieben.

Auch ist es aus meiner Sicht eher unerheblich, dass sie auch das Baby erschießen lässt. Offensichtlich hat dies objektiv gesehen nichts falsches gemacht (machen können) - aber es ist ein Mensch, aufgezogen von den Dorfbewohnern. Filmisch betrachtet ist es ein Einwohner Dogvilles (allein durch das Setting wird meiner Auffassung nach unterstrichen, dass es sich hierbei um eine Parabel und nicht um eine realistische Darstellung handelt).

Der Hund hingegen bleibt am Leben: er ist ‹unschuldig›. Warum ist der Hund unschuldig und das Kind nicht? Zunächst einmal ist er kein Mensch. Traditionell betrachtet sind andere Tiere - zumindest aus unserer Sicht - nicht zu moralischen Betrachtungen oder gar Handlungen fähig. Wir wissen nicht mal, ob sie eine Wahl haben (während dies von Menschen hingegen zumindest angenommen wird). Auch hat er Grace natürlich nicht ausgenutzt - im Gegenteil, sie hat ihm ja den Knochen gestohlen. Er wäre also, von unseren Standards aus betrachtet, überhaupt der einzige gewesen, der einen Grund gehabt hätte, Groll gegen Grace zu hegen.

Und: Wissen die Menschen in Dogville, was sie tun? Verstehen sie, dass ihre Handlungen moralisch nicht zu rechtfertigen sind? Wenn nein, sollte man ihnen dann vergeben? Woran macht man überhaupt fest, ob sie ihr Verhalten moralisch einordnen können, ob sie ein ethisches Verständnis haben? Hat Grace ihre Situation selbst nicht dadurch verschlimmert, dass sie ihnen nie wirklich etwas entgegen gesetzt hat? Dass sie ihnen alles vergab und darauf vertraute, dass in ihnen (auch) Gutes steckt? Dass sie ihre Fehler selbst einsähen? Und sind die Gangster wirklich schlimmer als die ‹gewöhnlichen› Menschen, weil sie sich ihrer moralischen Fragwürdigkeit offensichtlich bewusst sind, sogar ganz offen dazu stehen? Wer gehört hier eigentlich nicht zu den Bösen?

Diese Fragen kann natürlich jeder für sich beantworten und ich behaupte nicht, die Antworten zu kennen. Aber ich denke, Menschen sind durchaus zu moralischen Betrachtungen fähig - unabhängig davon, wie ausgeprägt ihre ethische Erziehung war oder nicht (es wird ja im Film erwähnt, dass im Dorf kein Prediger vorhanden ist, der wohl dafür zuständig gewesen wäre). Man kann - und sollte - sich in solchen Fragen nicht auf äußere Autoritäten verlassen (müssen). Auch nicht im Film.

Gilt das auch für die Kinder? Aber sicher. Mir widerstrebt diese Darstellung der «unschuldigen» Kinder sowieso. Seit wann sind Kinder unschuldig? Meiner Erfahrung nach sind das die gemeinsten Menschen überhaupt. Und das nicht ausschließlich, weil sie es nicht verstehen. Herrje, auch Kinder können doch denken! Und ich halte es für offensichtlicht, dass zumindest die aus «Dogville» schon (im Groben) verstanden haben, was sie da tun bzw. dass es nicht eben ‹nett› ist. Die einzige Ausnahme, die ich an dieser Stelle machen mag, ist Achilles.

Auch kann ich nicht verstehen, wie einige behaupten, Grace sei selbst an ihrer misslichen Lage schuld. Sicherlich, sie hat sich einiges gefallen lassen. Dennoch ist - zumindest bei mir - nie der Eindruck entstanden, es könne ihr gefallen oder wenigstens nichts ausmachen. Sie hat doch in den meisten Szenen recht deutlich gemacht, dass sie nicht einverstanden mit dem Verhalten der Bürger war (beispielsweise bat sie Chuck, wenn auch auf eine in Anbetracht der Situation überaus freundliche Weise, flehentlich darum, sie in Ruhe zu lassen und auch später, im Gespräch in der Kirche, auch wenn dieses selbst nicht gezeigt wird, versucht sie, die Leute zumindest zum Nachdenken zu bringen).

Überhaupt ist Verantwortung ein Thema. Die Leute aus Dogville übernehmen diese nicht, sondern schieben sie auf andere (Grace wird fortlaufend beschuldigt, die Leute zu ihrem Verhalten ermutigt zu haben oder dergleichen). Tom übernimmt sie nicht - er schiebt jegliche Schuld Grace in die Schuhe (für den Diebstahl des Geldes seines Vaters etc.), ersinnt bis zum Ende hin windige Ausflüchte, warum sein Verhalten gerechtfertigt wäre, da er sich selbst für moralisch überlegen hält (gleichzeitig aber wohl erkennt/nicht wahrhaben will, dass er es nicht ist).

Und Grace will sie ihnen auch gar nicht aufbürden - zunächst. Fortwährend findet sie Entschuldigungen und Ausflüchte für die Menschen, redet sich ein, sie hätte womöglich genauso gehandelt. Ironischerweise bestätigt sie dies letztendlich sogar teilweise, indem sie sie auf unmoralische Weise zur Verantwortung zieht. Ist es gerechtfertigt, Gerechtigkeit durch Ungerechtigkeit zu erlangen?

Allerdings gibt es natürlich nicht nur Rache und Vergebung. In der Realität muss der Vericht auf Rache nicht zwangsläufig Absolution bedeuten.

Ist es deshalb falsch, von anderen weniger zu verlangen als von einem selbst? Also quasi einen anderen Maßstab anzulegen?

Generell ist es natürlich eher weniger wünschenswert, da nicht integer und somit potentiell willkürlich, mit zweierlei Maß zu messen. Andererseits tut man auf diese spezielle Weise weniger anderen als sich selbst Unrecht. Zumindest moralisch gesehen bestünde hier meines Erachtens also weniger ein Problem. Zudem muss man bedenken, dass Ethik niemals allumfassend ist. Wer bestimmt, was richtig und falsch ist? Letztendlich immer Individuen mit subjektiven Betrachtungsweisen. Darf ich also über andere urteilen? Darf ich meine moralischen Maßstäbe an andere anlegen - auch, wenn ich damit mitunter ihre Freiheit einschränke? Kann ich andere überhaupt adäquat beurteilen, obwohl ich sie niemals in ihrer Gänze erfassen kann (im Gegensatz zu mir selbst)?

Oder ist es tatsächlich, wie Grace’ Vater behauptet, arrogant, anzunehmen, andere würden den eigenen Maßstäben nicht gerecht werden? Könnten ihnen eventuell gar nicht gerecht werden? Erhebt man sich damit nicht sogar prinzipiell über sie (ob nun auf intellektueller oder anderer Ebene)? Oder, wie hier formuliert: Wie viel kann/darf/sollte man anderen vergeben, das man sich selbst nicht vergeben könnte?

Vielleicht ist es ein bisschen von beidem. Vielleicht ist es genau diese Fragestellung, die den Ausgang interessant macht.

Hat mich übrigens ein wenig an Brecht’s Der gute Mensch von Sezuan erinnert.

«Ich beschäftige mich nicht damit, aber motzen tu ich trotzdem» (Update)

02. Dezember 2009

So oder so ähnlich scheint das Credo von Chris zu sein. Zumindest legt er den Piraten in seinem neusten Artikel mal wieder nahe, doch bitte nicht so viele Spinner in den Vorstand zu wählen (was ich selbstverständlich unterstütze und nach bestem Wissen und Gewissen zu befolgen versuche), aber sobald man ihn dann fragt, wie man die denn im Vorfeld erkennen soll (rechtsverbindliche Irrenmarkierung?), heißt es lapidar: «Hatte ich schon erwähnt, dass ich mich mit den Piraten-Deppen weitestgehend nicht mehr auseinandersetze?»

Es sei dir ja herzlich vergönnt, dich nicht mit der Piratenpartei auseinanderzusetzen - aber dann gib doch auch nicht irgendwelche wirren ‹Tips›, die jeder Realisierungsmöglichkeit entbehren… das nützt keinem.

Warum ich das jetzt hier auf meinem Blog schreibe und nicht direkt bei F!XMBR? Nun ja, die Kommentare zum Post sind anscheinend geschlossen und ohnehin weiß man da sowieso nie, was durchkommt und was in der persönlichen Abneigung der Autoren hängenbleibt (und nein, selbstverständlich habe ich weder gegen Chris noch Oliver irgendwelche persönlichen Abneigungen; ich kenne sie ja nichtmals).

(Nachtrag: Ich hatte in dem besagten Post ursprünglich auch einen Kommentar hinterlassen, dieser wurde mittlerweile entfernt.)

Wo gingen Schäuble und Schavan zur Schule?

25. Juni 2009

In Bezug auf das Spickmich-Urteil erklärten Wolfgang Schäuble und Annette Schavan heute, anonyme Bewertungsplattformen würden dem «besonderen Vertrauensverhältnis» zwischen Lehrern und Schülern nicht gerecht. Jetzt würde mich echt mal interessieren, auf welche Schule die gegangen sind. Ich zumindest kann mich nicht erinnern, zu irgendeinem Lehrer überhaupt irgendein Vertrauensverhältnis gehabt zu haben - ganz zu schweigen von einem besonderen.

Klar war mir durchaus auch mal ein Lehrer sympathisch - ob das umgekehrt ebenfalls vorkam, kann ich nicht beurteilen, wage es aber zu bezweifeln - dennoch ist in meinen Augen selbstverständlich, dass noch jeder Lehrer als subjektiv, eventuell auch voreingenommen oder parteiisch angesehen werden muss. Möglicherweise ja auch unbewusst oder unabsichtlich, das möchte ich hier gar nicht bestreiten. Lehrer sind ja auch nur Menschen und damit per definitionem alles andere als perfekt. Und so dürfte es sich in den meisten Fällen auch für die eigene Person als negativ erweisen, Kritik an den Lehrmethoden einer Autoritätsperson zu üben. Aber selbst wenn nicht (ich erinnere mich an Fälle, in denen Lehrer sogar nach Kritik an ihrem Unterricht fragten), ‹fürchten› viele Schüler sicherlich trotzdem Repressalien oder Benachteiligung.

Und dem kommt dann so ein Bewertungsportal durchaus entgegen (außerdem kann man sich dadurch auch klassenübergreifend viel einfacher über die Meinungen anderer informieren, aber das nur am Rand). Jedenfalls denke ich nicht, dass das Schüler-Lerhrer-Verhältnis (wie auch immer es im Einzelfall nun aussehen mag) durch eine anonyme Plattform in irgendeiner Weise gefährdet ist. Schließlich ist die ja anonym.

Die Sperrliste «identifiziert» kinderpornografische Seiten?

25. Juni 2009

In einem Interview mit Franziska Heine und Ursula von der Leyen in der ZEIT (und in gekürzter und irreführender Fassung auch in deren Print-Ausgabe) macht Frau von der Leyen unter anderem diese Aussage:

Die Technik der Zugangssperren führt dazu, dass wir jetzt erstmals systematisch kinderpornografische Websites identifizieren.

Jetzt frage ich mich: Wie soll man das verstehen? Webseiten werden erst dann als illegal bzw. Seiten mit dokumentiertem Kindesmissbrauch identifiziert, wenn sie bereits auf der Sperrliste sind? Wie kommen sie dann auf die Sperrliste? Oder kommen in entsprechendem Verdacht stehende Seiten etwa automatisch drauf? Und inwiefern hilft eine Sperre dabei, Internetseiten zu «identifizieren», die man, um sie auf genannte Liste zu bekommen, sowieso erstmal finden muss? Und nach welchem «System» wird da überhaupt vorgegangen?

Mit anderen Worten: Was will uns Ursula von der Leyen damit sagen?

Auch Jörg-Olaf Schäfers von Netzpolitik.org und Torsten vom Notizblog machen sich Gedanken dazu.

Schreibstil

18. Juni 2009

Beim Verfassen von Beiträgen für diesen Blog (oder natürlich auch anderswo), schreibe ich in der Regel, wie ich auch spreche - natürlich nicht genau so, aber ich meine damit, ohne mir großartig Gedanken über die ‹beste› Formulierung zu machen, alles noch mal gegenzulesen (außer in Bezug auf Rechtschreibung und Grammatik) und insbesondere ohne mich mit der Qualität des ‹Textflusses› zu beschäftigen oder mir die Frage zu stellen, ob ein angemessener Spannungsbogen vorhanden ist.

Und ich denke, das merkt man auch. Mit anderen Worten: Meine Einträge hier sind vermutlich allein von der Formulierung her furchtbar zu lesen; außer, wenn einen der Inhalt wirklich interessiert, würde man sie freiwillig nicht lesen. Da ich das hier nur hobby-mäßig betreibe, nehme ich das mal so in Kauf.

Meines Erachtens müsste sich der perfekte Blog wie ein Roman von Chuck Palahniuk lesen. Dieser hat nämlich - im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren übrigens - einen für meinen Geschmack fantastischen, sehr unterhaltsamen Schreibstil. Besonders im englischen Original sticht dessen Besonderheit und Wiedererkennungswert im Gegensatz zu den meisten ‹herkömmlicheren› deutlich hervor. Bei ihm macht das Lesen eines Textes sogar dann Freude, wenn einen der Inhalt eigentlich kaum bis gar nicht interessiert. Und wer kann das schon von sich behaupten?

(Übrigens ähnelt seine Art sich auszudrücken der meinigen überhaupt nicht; ihr könnt also gefahrlos etwas von ihm lesen, auch wenn euch mein Geschreibsel hier absolut nicht zusagt.)

Überhaupt bin ich ein Fan des Minimalismus. In diesem Sinne ähneln die Geschichten von Herrn Palahniuk vielleicht ein bisschen den Spielen von Team ICO - diese haben sich ja auch «Design by Substraction» auf die Fahnen geschrieben (oh nein - und ich dachte, ich müsste dieses seltsame Idiom nie benutzen!). Und so ähnlich verhält es sich bei Chuck auch: Nur die wichtigen Dinge werden erwähnt, und auch diese werden möglichst knapp zusammengefasst. So kann man auch das Ergebnis einer halben Ewigkeit an Nachgrübeleien, Argumentierung und Abwägung in dem Satz «erst, nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun» subsumieren.

Und genau das gefällt mir auch - dieses Fehlen des Überflüssigen. Denn weder ein Text noch ein Spiel (noch ein Film noch ein…) braucht Elaboriertheit, um zu beeindrucken. Manchmal ist es eben diese Konzentration auf das Wesentliche, die die Faszination von etwas ausmacht.

Fazit: Ich sollte an meinem Schreibstil arbeiten…

Welches Linux für mein Netbook?

03. Mai 2009

Nach einigem Hin & Her und längerem Grübeln ist es nun endlich soweit - ich habe mir ein Netbook bestellt. Angekommen ist es noch nicht, aber umso länger kann ich mich noch auf meinen EeePC freuen. Und mir überlegen, mit welchem Betriebssystem ich es bestücken werde, denn das vorinstallierte Windows XP wollte ich nicht nehmen. Erstens steige ich ja sowieso grade um und zweitens scheint die Leistung auch nicht perfekt an die Ansprüche eines Netbooks angepasst zu sein.

Abgesehen davon… all die Möglichkeiten! Ich bin direkt mal wieder überfordert und weiß gar nicht, was ich nehmen soll. Da ich mich auch auf dem Desktop zunächst für Kubuntu entschieden hatte, wäre ja Eeebuntu naheliegend. Wie bereits dem Namen zu entnehmen ist, ist die Distribution explizit auf EeePCs ausgelegt (läuft allerdings auch auf dem Acer Aspire One).

In die gleiche Richtung geht dann auch Easy Peasy (ehemals «Ubuntu Eee»). Auf der Website wird sich in Bezug auf Netbooks allerdings nicht auf ein bestimmtes Gerät festgelegt. Leider wird auch sonst mit Informationen eher gegeizt (mich interessiert dabei ja vor allem die ungefähre Größe einer fertigen Installation, da 12GB nun wirklich nicht allzu viel Speicherplatz sind).

Und dann gibt es da ja noch Eeedora… zumindest so halb. Nach einer Unterhaltung von neulich interessiert mich Fedora ja schon etwas (nicht, dass ich jetzt viel darüber sagen könnte - oder es eine Linux-Distribution gäbe, die ich prinzipiell erstmal uninteressanter fände… es sei denn vielleicht, es wäre eine kommerzielle Variante). Da ich ja eher so zu den DAUs zähle, bin ich natürlich etwas skeptisch - aber zumindest werde ich das ganze bis zur Ankunft meines neuen Babys Spielzeugs mal im Auge behalten.

Zu guter Letzt gibt es auch noch einige Distributionen, die zwar nicht explizit auf Netbook-Gebrauch ausgelegt sind, aber trotzdem passend und kompatibel zu sein scheinen. So macht Linux Mint beispielsweise einen vernünftigen Eindruck auf mich - andererseits kenne ich mich ja auch wieder nicht wirklich umfassend aus. Der Fokus auf niedrige Hardware-Anforderungen scheint aber schonmal netbook-kompatibel zu sein; auch die umfassende Multimedia-Unterstützung ist sicherlich nicht verkehrt, wenn man nicht erstmal stundenlang basteln will (hierzu sei im Übrigen angemerkt, dass ich auch unter Kubuntu eigentlich keine Kompatibilitätsprobleme hatte… andererseits habe ich meinen Scanner auch gar nicht erst versucht, zum Laufen zu bringen).

Ebenfalls reizvoll ist natuerlich auch die Idee, einfach Xubuntu zu installieren (gibt auch schon eine angepasste Version für Netbooks). Neuere Releases von Mandriva scheinen auch eee-freundlich zu sein.

So viele Möglichkeiten… so wenig Ahnung!

P.S. Warum gibt es die 20GB-Linux-Version des EeePC 901 eigentlich nicht in Deutschland…? Sie wäre so perfekt gewesen, dass ich kaum noch hätte drüber nachdenken müssen!

Filesharing per Mail?

31. Januar 2009

Wie ich so neulich auf gulli las, kam mir eine - zugegebenermaßen vermutlich nicht sehr originelle - Idee, die ich euch trotzdem nicht vorenthalten möchte.

Und zwar dachte ich mir, wie im obigen Beitrag schon angedeutet, dass man ja eigentlich einen Account bei einem Freemail-Anbieter für Filesharing-Zwecke nutzen könnte. Es müsste sich doch nur jemand einen Account bei einem beliebigen Freemail-Anbieter (aufgrund des ca. 7GB umfassenden Speicherplatzes drängt sich Googlemail dabei ja gradezu auf… aber ich schweife ab) erstellen, dessen Nutzername und Passwort keinerlei Verbindung zur eigenen Person aufweisenen - natürlich sollte man dabei entsprechende Anonymisierungsdienste zum Verschleiern der IP benutzen - und diese dann (mehr oder weniger) öffentlich zugänglich machen. Danach kann man dort dann so viele Dateien ‹parken›, wie man möchte. Und jeder, der sich einloggt, könnte sie runterladen…

Ist das nicht irgendwie verlockend? Man könnte sogar Wunschlisten und dergleichen anlegen, wie in einem klitzekleinen Forum… selbstverständlich könnte man kein riesengroßes Dateiarchiv anlegen - nicht mit ein paar Gigabyte (wenn überhaupt). Andererseits kann man sich ja auch einfach mehrere Benutzerkonten anlegen.