Als ich das erste Mal von The Social Network gelesen habe, war mein Interesse - trotz des, wenn auch relativ geringen, doch offensichtlichen Geek-Faktors - zugegebenermaßen nicht sehr groß. Mag daran gelesen haben, dass meine Liebe zu Facebook nicht eben ausgeprägt ist und ich am liebsten gar nichts weiter darüber wissen möchte.
Nachdem ich dann erfuhr, das es sich beim Regisseur um David Fincher (u.a. Fight Club und Se7en) handelte und Trent Reznor - zusammen mit Atticus Ross - an der musikalischen Untermalung mitgewirkt hatte, änderte sich dies jedoch erstmal. Zwar war meine Aufmerksamkeit diesem Film gegenüber immer noch nicht übermäßig, aber ich war immerhin nicht mehr abgeneigt, ihn anzuschauen. Man könnte sogar von Interesse sprechen, obgleich ich immer noch eine Art ‹Dokumentation› (etwa im Stil von Zodiac, der ja vom gleichen Regisseur ist) vor Augen hatte. Es kam dann aber doch ganz anders.
Gleich die Eröffnungsszene war sehr unterhaltsam, wenn ich auch sicherlich nicht jeder Einzelheit folgen konnte (jaja, immer diese Aufmerksamkeitsdefizitären, was?). Der Plot sollte mittlerweile relativ bekannt sein - falls nicht: es geht um die Entstehung des sozialen Netzwerks Facebook. Natürlich wird das ganze höchstwahrscheinlich nicht komplett adäquat der Realität nachempfunden sein, aber das ist meines Erachtens auch zweitrangig. Die Aufmachung des Streifens hat bereits ausdrücklich genug nahegelegt, dass es sich hierbei um einen Unterhaltungsfilm und keine Dokumentation handelt. Und unterhalten hat er.
Besonders faszinierend fand ich, dass das Werk nahezu komplett auf einfache Schwarz/Weiß-Darstellungen der Charaktere verzichtet. Tatsächlich werden die Figuren, allen voran natürlich Mark Zuckerberg (der einem aus der Ferne eigentlich fast nur wie ein Arsch vorkommen kann, oder?), von mehreren Seiten beleuchtet und erhalten so fast automatisch eine Plastizität, die ich aus anderen - auch guten - Filmen eher selten kenne. Es gibt weder ‹die Guten› noch ‹die Bösen›. Nur Menschen. Und das ist schon erwähnenswert, wenn Protagonisten mal wirklich menschlich wirken.
Die Geschichte wird mit Hilfe einiger Zeitsprünge erzählt, die mir persönlich jedoch nicht negativ aufgefallen sind, da sie weder die Handlung behindert noch den Erzählfluss in anderer Weise (z.B. durch ungewollte Verwirrung) gestört haben.
Auch die Musik hat sich passend in das Gesamtbild eingefügt. Besonders angetan hat es mir eine Interpretation des Stücks «In the Hall of the Mountain King» von Edvard Grieg. Ansonsten hält sie sich angenehm im Hintergrund, aber wenn man genau hinhört, lässt sich natürlich die Handschrift von Herrn Reznor mehr oder weniger deutlich heraushören. Mit Ausnahme des eben erwähnten (das sich dafür allerdings als ziemlich eingängig herausstellen kann) waren richtige Ohrwurmstücke für mich beim ersten Hören jedoch nicht dabei.
Übrigens gelange ich immer mehr zu der Überzeugung, dass Fincher vor allem gut im Verfilmen ist. Der Großteil seiner in meinen Augen besten Filme waren immerhin Verfilmungen; zumindest aber scheint er Spaß an der Sache zu haben. Andererseits gibt es generell kaum Regisseure, von denen ich mehr als ein oder zwei Filme wirklich mag… aber ich schweife ab.
Abschließend bleibt zu sagen, dass, auch wenn es sich sicherlich nicht um eine künstlerische Offenbarung handelt, mir «The Social Network» dennoch sehr gut gefallen hat und ich mich trotz der leichten Überlänge, von der man meines Erachtens nichts spürt, durchweg gut unterhalten gefühlt habe.
Möglicherweise basiert mein Wohlwollen aber auch auf der Tatsache, dass ich nach Benjamin Button und bereits erwähntem «Zodiac» einfach nicht mehr allzu viel erwartet habe. Andererseits soll mich das nicht weiter stören, denn Spaß hatte ich deshalb ja nicht weniger.