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Themenarchiv: Bücher

Im Namen des Lexikons

23. August 2011

Im Namen des Lexikons ist ein Buch von Amélie Nothomb. Das heißt, es ist wie alle Bücher von Madame Nothomb: sehr gut zu lesen, aber mit nervigen, bisweilen dämlichen Charakteren, mindestens einem ‹perfekten› Kind, seltsamen Namen und einem unausgegorenen Ende. So oder so ähnlich könnte man es vielleicht zusammen­fassen - aber dann wäre dieser Post ja schrecklich kurz.

Fangen wir also mit einer kurzen Inhaltsangabe an: Auch in der deutschsprachigen Ausgabe von «Robert de Noms propres» geht es um ein Mädchen mit dem - angeblich - seltsamen Vornamen «Plectrude». Da meine Französischkenntnisse allerdings nach der zehnten Klasse angefangen haben, sich rasant zurückzubilden (und es immer noch täten, wenn sie dadurch nicht schon längst im negativen Bereich angelangt wären), kann ich diesen Umstand jedoch nicht recht beurteilen. Glück gehabt, denn eigentlich tut er auch nur wenig zur Sache.

Während sie anfangs noch ein wenig seltsam anmutet, versteht es ihre Geschichte im Verlauf selbiger durchaus, Interesse für sich zu wecken und mitunter sogar, zu unterhalten. Auch, wenn sich hier erneut viele Versatzstücke anderer Nothomb-Werke wiederfinden. So hat sie offensichtlich nicht nur immer noch einen Hang zu ausgefallenen Namen, sie macht diese Tatsache auch noch ungemein gerne zum Thema ihrer Bücher. Selbstverständlich hatt auch wieder die personifizierte Perfektion, diesmal in Gestalt der Plectrude höchstselbst, einen Auftritt. Nicht zu vergessen natürlich die dazu gehörige grenzenlose Verehrung durch Mitmenschen (oder -figuren). Und ja, gemordet wird natürlich auch - und das nicht nur einmal. Wer sich für die weiteren vorkommenden nothomb-typischen Themen interessiert, kann ja mal ein anderes ihrer Bücher aufschlagen. Er findet bestimmt was.

Kann ich darüber noch ein wenig entrückt hinwegsehen (ich weiß ja, worauf ich mich einlasse - zudem entwickelt der Plot, trotz seiner relativen Austauschbarkeit, in der Mitte plötzlich eine Art sanften Sog und ich auch nicht leugnen kann, dass mich einige der nothomb-typischen Themen ja durchaus ansprechen), so muss ich doch sagen, dass das Ende für meinen Geschmack doch ein wenig zu unausgegoren geworden ist. Die Handlung wirkt ab einem gewissen Punkt plötzlich so, als hätte die Autorin keine Zeit mehr gehabt, ihre Ideen für den weiteren Verlauf vernünftig auszuarbeiten und als wären ihr selbige letztendlich sogar vollkommen ausgegangen. Das ist natürlich umso bedauerlicher, da sie es gerade erst geschafft hatte, Interesse für das Leben der kleinen Plectrude zu wecken.

Aber sei’s drum: Kaum hat man die Verfehlungen der letzten Seiten so richtig bemerkt, ist es auch schon vorbei.

Achso: Bei dem Roman handelt es sich angeblich um ein semi-biografisches Buch der französischen Sängerin RoBERT, die ich jedoch nicht kenne. Vielleicht ist der Ausgang also auch einfach nur eine Anhäufung irgendwelcher Insider, über die sich die beiden insgeheim kaputtlachen. Wer weiß.

2010

07. Januar 2011

Eigentlich liegen mir derartige Rückblicke ja nicht, weil ich alles immer sofort vergesse. Außerdem erscheint es mir fragwürdig, Erlebnisse in willkürliche Zeiteinheiten einzuteilen. Aber grade deshalb will ich es diesmal trotzdem versuchen - und sei es nur, um mich vielleicht doch noch an etwas zu erinnern.

Also, was bleibt von 2010?

Filme

The Social Network
The Social Network war mein Überraschungs-Hit dieses Jahr. Ursprünglich hatte ich ihn gar nicht auf dem Schirm, dan interessierte er mich höchstens mäßig (selbstinitiativ hätte ich ihn wohl kaum angekuckt). Als ich dann jedoch erfahren habe, dass David Fincher der Regisseur war, habe ich es doch noch ernsthaft in Erwägung gezogen - obwohl eine ‹Erfolgsquote› von weniger als 50% auch nicht unbedingt für erwähnten spricht. Aber ich wurde positiv überrascht. Vielleicht grade, weil ich nicht sehr viele Erwartungen hatte. Auf jeden Fall hatte ich sehr viel Spaß mit diesem Film und habe keinen Euro bereut, den ich für den Kinobesuch ausgegeben habe. Da ich mich allerdings schon mal zu dem Film geäußert habe, belasse ich es an dieser Stelle mal dabei.

Inception
Vor Inception hingegen war man im Vorfeld ja kaum sicher - und das, obwohl ich mich nach wie vor als ziemlich hype-resistent bezeichnen würde. Und sei’s nur, weil ich einfach nichts mitbekomme… aber ich schweife ab. Allzu viel hatte ich auch in diesem Fall im Vorfeld nicht gehört, so dass ich relativ unvoreingenommen an die Sache gehen konnte (auf Geschwafel von irgendwelchen Leuten, die meinen Geschmack sowieso eher nicht teilen, lohnt es sich meistens auch nicht, ersnthaft etwas zu geben). Zwar handelt es sich hierbei nicht unbedingt um das Meisterwerk, als das er häufig verkauft wird, aber unterhaltsam ist er allemal. Etwas schade fand ich, dass die Charaktere verhältnismäßig zweidimensional bleiben und ihr Schicksal einen nie wirklich zu berühren vermag.

Scott Pilgrim vs. the World
Eigentlich hat auch Scott Pilgrim nur halbherzig mein Interesse wecken können (ein Kumpel, dessen Filmgeschmack sich von meinem traditionell doch erheblich unterscheidet - ich glaube, der einzige Film, den wir beide mögen, ist Fight Club - hatte mich überhaupt erst auf ihn aufmerksam gemacht), aber eine blauhaarige Ramona Flowers mit Fliegerbrille hat mich dann doch zum Anschauen bewogen. Wenn auch nicht im Kino, denn er wurde hier bereits nach einer Woche wieder abgesetzt. Aber für solche Fälle gibt es heutzutage ja glücklicherweise andere Methoden… letztendlich hat es sich für mich immerhin als lohnenswert erwiesen, wenngleich auch er nicht unbedingt zu meinem Lieblingsfilm avanciert ist. Und - hey - Asiatinnen und blaue Haare!

Was sonst noch so lief:

Machete
Um ein Meisterwerk handelt es sich hierbei natürlich nicht unbedingt, aber wer das erwartet, hat sich wohl im Film geirrt. Unterhaltsam war er allemal und zudem einer der wenigen Filme, bei dem das Kino wirklich proppevoll war. Und wer will, kann sogar ein klitzekleines bisschen Gesellschaftskritik in diesem Trash-Spektakel entdecken.

Chatroom
Tja… fand ich den jetzt gut oder schlecht? Fakt ist, dass Chatroom meines Erachtens weit unter seinem Potential bleibt. Die Idee ist zwar nicht schlecht und optisch weiß er durchaus zu gefallen (auch die einzelnen Räume fand ich ganz gut umgesetzt; technische Spielereien wären hier vermutlich auch unangebracht gewesen). Dafür wurde leider an den Charakteren gespart - besonders William hätte man irgendwie besser charakterisieren können. Zwar wird an manchen Stellen versucht wird, ihm mehr Menschlichkeit/Tiefe zu verleihen, doch bleibt dies meist erfolglos, so dass er im Grunde die ganze Zeit einfach primitiv ‹böse› und sein Handeln nicht wirklich nachvollziehbar bleibt (wie das besser geht, zeigt David Fincher in «The Social Network»). Die anderen Charaktere sind leider ähnlich flach, so dass ich mich bis zum Schluss nicht wirklich für sie erwärmen konnte.

The Princess and the Frog
Liegt’s eigentlich an mir oder sind die Animationen nicht so schön wie bei älteren Disney-Filmen? Außerdem haben die ganzen CG-Effekte genervt, aber das mag ich bei gezeichneten Filmen generell nicht.

Prince of Persia
Von Videospielverfilmungen erwartet man ja generell nichts (oder sollte es meiner Meinung nach zumindest nicht). Insofern kann ich auch nicht erklären, warum ich ihn mir überhaupt angesehen habe… aber da’s nun mal passiert ist, kann ich auch gleich was dazu schreiben. Besonders toll ist er erwartungsgemäß nicht, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet. Tatsächlich hätten mir hier mehr Action-Szenen (insbesondere mit etwas mehr an die Vorlage angelehnte Akrobatik) gefallen. Dass er am Ende (Achtung, Spoiler) das Mädchen kriegt, musste wohl sein. Hier fand ich die Vorlage sogar story-technisch besser.

Avatar
Eigentlich von vorletztem Jahr, aber ich habe ihn erst 2010 gesehen. Wie erwartet kein Meisterwerk, die Na’vi sind auch immer noch hässlich, aber ganz nett war er dann doch. Was vermutlich hauptsächlich an der echt hübsch designten Umgebung liegt, aber sei’s drum… wie es ein Mitschüler formulierte: Urlaub auf Pandora, anyone?

Alice im Wunderland
Hier muss ich zugeben, doch etwas enttäuscht gewesen zu sein. Nicht unbedingt, weil der Film von Tim Burton ist - der hat schon ein paar Ausreißer gehabt, also wär das nichts neues. Auch die Originalgeschichte ist jetzt nicht soo toll, dass man da groß was erwarten muss, aber… irgendwie… nun, man hätte sicherlich mehr draus machen können. In der Theorie passen Burton’s distinktiver Stil und das doch recht abgedrehte Setting inklusive Charakteren von Alice eigentlich sehr gut zusammen, in der Praxis fand ich das ganze dann aber doch nicht so überzeugend. Hinzu kam die eher mäßige Story (nicht, dass ich hier mit großartigem gerechnet hätte), die vielen unnötigen Computeranimationen und auch noch das unsägliche 3D (sorry, aber hier bin ich einfach mal total konservativ - wie eigentlich immer… ups!), so dass am Ende für mich kein erinnerungswürdiger Film übrig blieb.

Ein gutes Herz
Auch hier haben mir die für mich weniger nachvollziehbaren Handlungsweisen der Charaktere etwas die Freude am Werk verdorben. Insbesondere Miss MacGuffin April handelt aus meiner Sicht völlig willkürlich. Sehr plötzlich and (anscheinend) grundlos erschienen mir auch die Veränderungen der beiden Hauptcharaktere, welche sich nur teilweise aus dem Handlungsverlauf ableiten lassen (insbesondere im Fall von Jaques). Er hatte aber auch ein paar nette Elemente, die ich hier nicht unterschlagen will.

Ondine
Die Exposition versprach nettes, was der Film anfangs auch halbwegs hielt, dann jedoch immer weiter in - nun ja - uninteressante Gefilde abdriftete. Die Charaktere konnten mich großteils nicht fesseln, das Kind war (wie es Film- und auch echte Kinder leider oft so an sich haben) sogar überaus nervig und die Auflösung irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei. Zudem hat mir die visuelle Umsetzung irgendwie nicht gepasst, wenngleich ich auch nicht genau sagen kann, warum. Aber so den Anfang, den kann man schon kucken. Und wer hätte gedacht, dass ich mal etwas an einem Lied von Sigur Rós finde?

Metropia
In einem Wort: Meh.

Precious
Fand ich auch nicht soo doll wie angepriesen, aber schlecht war er auch nicht. Er hat einfach weniger meinen Geschmack getroffen. Und hey: Mariah Carey kann ja sogar gut aussehen.

9
Wär ebenfalls fast an mir vorbei gegangen - aber eben nur fast. Anfangs war ich skeptisch bezüglich der Optik, aber dann gefielen mir die Character Designs doch ganz gut. Dafür erschien mir der Plot etwas unentschlossen: Viele Dinge entwickeln sich sehr plötzlich; kaum ist eine Action-Szene vorbei, kommt schon die nächste, ohne dass immer klar ist, wie es überhaupt dazu kam oder warum die Figuren diese oder jene Handlung nun durchgeführt haben. Die coole 7 hat mich aber ein wenig darüber hinweggetröstet (ehrlich!).

Ponyo on the Cliff by the Sea
Es ist nicht unbedingt der nächste Mononoke, ganz niedlich fand ich ihn aber trotzdem. Obwohl sich die Geschichte an einigen Stellen für meinen Geschmack etwas zu abrupt entwickelt und das Ende etwas mehr ‹Biss› hätte vertragen können (insbesondere die Stelle mit der «Prüfung»… Sousuke wird gefragt, ob er Ponyo denn auch als Goldfisch möge/mochte, er bejaht und das war’s? …srsly?). Es mag nur mein verklärter Eindruck sein, aber mir scheint, auch die Qualität von Ghibli-Filmen nähme ab…

Filme, die ich gerne gesehen hätte, aber irgendwie verpasst habe:
The Road (leider erst im Nachhinein von erfahren)
Karate Kid (jaja, ich gestehe… der Trailer hat mir gefallen)
Buried (ist einfach irgendwie untergegangen)
Fish Tank (ebenso)
Shutter Island (erst viel zu spät Interesse aufgekommen)

Sonst noch dieses Jahr gesehen, lief aber nicht neu an:

Stadt der verlorenen Kinder
Ich behaupte einfach mal: ein typischer Jeunet (bzw. Jeunet-Caro). Über die Qualität der Story kann man sich sicherlich streiten, aber das Aussehen ist klasse. Sehr hübsches Setting, insbesondere die Stadt. Zur Abwechslung ist der Farbraum auch mal jenseits von Beige/Braun angesiedelt (als Videospieler reagiere ich leicht allergisch auf diese Kombination), was ich als sehr erfrischend empfand. Und natürlich Miette.

Long Dimanche de Fiançailles
Wo wir grad bei Beige waren… kommt meines Erachtens nicht unbedingt an seine übrigen Filme ran, ist aber trotzdem alles andere als schlecht. Ob das Ende nun positiv oder negativ gemeint ist, kann sich jeder selbst überlegen. Außerdem hat er natürlich die niedliche Audrey Tautou als Mathilde für sich zu verbuchen. Und, wie bei Jeunet üblich, das hübsche Design.

Hana & Alice
Aww! Hana & Alice ist ein sehr… wie soll man es sagen, ohne kitschig zu klingen… berührender Film. Zwar hat er, wie die anderen mir bekannten Werke von Shunji Iwai auch, gelegentliche Längen, jedoch wird dies durch das beeindruckende Ende und die interessanten Charaktere mehr als wett gemacht. Die Handlung selbst beginnt etwas abgedreht, stellt aber im Grunde nur die Kulisse für das Wirken der Charaktere. Besonders die zarte und doch starke Alice ist mir hier in Erinnerung geblieben, aber mehr will ich im Grunde gar nicht verraten.

There will be Blood
Zugegebenermaßen muss ich gestehen, dass ich nicht verstehe, was an There will be Blood so toll sein soll. Ja, er hat ein paar ‹wertvolle› Momente, über die man durchaus mal nachdenken kann. Aber unterhaltsam ist doch was anderes. Es sind nicht die durchweg unsympathischen Charaktere, die mir den Spaß daran verdorben haben. Die Schuld dafür schiebe ich vielmehr der (scheinbaren) Belanglosigkeit der ganzen Geschichte oder von mir aus auch überaus trockenen Erzählweise in die Schuhe. Was es auch sein mag - er konnte mich einfach nicht begeistern.

Dogville
Über das Ende habe ich ja an anderer Stelle bereits ausführlich geschrieben, nehme ich mich nun doch einmal dem Rest des Films an. Und, was soll ich sagen? Unterhaltsam geht definitiv anders. Tatsächlich fand ich ihn stellenweise sogar recht anstrengend. Und gäbe es nicht das fulminante Finale, die Geschichte wäre mir sicherlich nicht mal eine Erwähnung wert gewesen… aber es gibt es. Und daher schreibe ich hier nun, dass es nicht das unkonventionelle Set war, das mich gestört hat. Allerdings kann ich nicht sagen, ob der Dialog am Schluss wirklich so grandios war oder ob er einfach nur so wirkte, weil die anderen einfach so unscheinbar waren. Aber es war definitiv dieser, der den Film in meiner Gunst ‹gerettet› hat und im Grunde sein komplettes Grübelpotential ausmacht. Und ja, ich mochte das Ende, wenngleich vielleicht auch aus anderen Gründen als manch anderer (oder auch nicht).

Stalker
Absolut nicht vergleichbar mit dem Roman, auf dem er basiert, aber diesen sollte man am besten gar nicht im Hinterkopf haben - schließlich handelt es sich hierbei ja auch nicht um eine Verfilmung an sich. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, die Unkenntnis des Genannten könnte hier hilfreich sein. Aber was weiß ich schon? Jedenfalls lebt das Werk hauptsächlich von seiner Atmosphäre, die teils unheimlich, teils mysterös daherkommt. Neben der Farbgebung unterstützt vor allem die musikalische Untermalung hier das eigentümlich gespenstische, das den ganzen Film umgibt. Zwar wird die ‹Geschichte› recht langsam erzählt, die gehaltvollen Dialoge schaffen jedoch einen guten Ausgleich.

Let the right one in
Obwohl die Umsetzung nicht unbedingt perfekt ist, ein sehr eigentümlicher Film und zudem bestimmt einer der besten Vampirfilme, die ich kenne. Eli und Oskar sind besondere, wenn auch sicherlich moralisch fragwürdige Charaktere. Ihre Geschichte hätte man vielleicht auch etwas anders erzählen können, aber gerecht wird sie ihnen allemal (oh Gott, ergibt dieser Satz überhaupt Sinn?).

Alben

Ich als Musikliebhaber… *husthust* Okay, okay - da ich dieses Jahr überhaupt höchstens zwei neue Alben kennen gelernt habe, von denen mir auch nur eins wirklich gefiel, gewinnt hier völlig außer Konkurrenz:

Deftones - Diamond Eyes
Mal wieder so ein Fall, bei dem ich nicht damit gerechnet hab, dass es mir letztendlich so gut gefallen würde. Nicht, dass ich die Deftones nicht mögen würde… es ist nur so, dass mir Alben als Gesamtwerke allgemein selten zusagen. Meistens gefallen mir nur ein bis zwei Lieder und das war’s dann. Nicht so bei Diamond Eyes. Nicht nur lässt sich das ganze Album am Stück hören, es befinden sich auch noch einige erwähnenswerte Highlights drauf. So haben es mir neben dem titelgebenden Stück noch mindestens fünf weitere Lieder angetan - und das soll in meinem Fall schon was heißen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, «Diamond Eyes» sei mein Lieblingsalbum der Deftones - und vermutlich hätte ich Recht damit.

Bücher

Haha! Als hätte ich irgendwas gelesen, das dieses Jahr erschienen ist… dafür bekommt ihr aber einen kurzen Einblick in die von mir gelesenen und für erwähnenswert befundenen Schriebe:

Arkadi & Boris Strugatzki - Picknick am Wegesrand
Hier habe ich mich definitiv gut unterhalten gefühlt. Das Buch verströmt eine unglaubliche Atmosphäre, und das rein durch Wörter. Vielleicht ist nicht jeder Abschnitt gleich fesselnd, aber trotzdem wollte ich nie aufhören zu lesen. Die Charaktere sind, trotz nicht eben ausgeprägter Beschreibungen, nicht langweilig, wenn es auch nicht sie sind, die hier im Mittelpunkt stehen: Im Zentrum steht die Welt, die Zone, einige Gedanken (sowohl der Figuren als auch allgemeine Fragestellungen) sowie größere Zusammenhänge.

Amélie Nothomb - Biographie des Hungers
Das zweite semi-autobiografische Buch, das ich von Madame Nothomb gelesen habe. Das erste - Metaphysik der Röhren - hat mir zwar nur teilweise zugesagt, aber da mir ihr Schreibstil im Allgemeinen gefällt, habe ich mir schon so einiges aus ihrer Feder zu Gemüte geführt, obwohl die Handlung nicht immer das Nonplusultra darstellt. Warum genau mir dieses Buch besonders im Gedächtnis geblieben ist, kann ich gar nicht explizit sagen… es hatte einfach irgendwas. Die Tatsache, dass einige der beschriebenen Situation der Autorin vermutlich so oder so ähnlich wirklich zugestoßen sind, trägt sicherlich einen Teil zur Faszination bei.

David Kushner - Masters of DOOM
Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen nicht überragend. Das lag zum einen daran, dass es sich hierbei nicht um einen Roman, sondern eher um eine Art ‹Sachbuch› handelt, das tatsächliche Geschehnisse beschreibt (Biografie?) und zum anderen daran, dass ich auch mit id Software selbst nie so viel am Hut hatte. Habe zwar Quake II (und III) gespielt, aber das war’s im Grunde auch schon; alles andere hab ich höchstens mal angespielt. Dazu beigetragen, dass es mir trotzdem gefallen hat, haben sicherlich auch der flotte und prägnante Schreibstil des Autors (er ist eigentlich Journalist und ich finde, das merkt man auch) sowie die teils skurrilen Erlebnisse und Ereignisse, die geschildert werden. Allen voran stechen aber die einprägsamen Hauptakteure, die sehr plastisch beschrieben sind, hervor. Neben den beiden Johns werden auch noch andere, teilweise bekannte Personen erwähnt, auf die jedoch mit weniger Detailreichtum eingegangen wird - was ich allerdings nicht als unpassend empfand, da hier ja von vornherein klar ist, auf wem das Hauptaugenmerk liegt.

Neal Stephenson - Snow Crash
Da die deutsche Übersetzung bei Amazon eher schlecht weggekommen ist, habe ich mich für die englische Version meines ersten Buches von Stephenson entschieden. Überraschenderweise gestaltete sich das verständnis trotz - oder gerade? - der komplett anderen Welt und den teilweise detaillierten Beschreibungen technischer Geräte und Funktionalitäten nicht allzu schwierig. ich würde sogar behaupten, es war einfacher als bei einigen nichtphantastischen Romanen… aber ich schweife ab. Inhaltlich hat mir das Buch durchaus zugesagt, obwohl der Aspekt mit den ganzen Gottheiten und der Sprache mir nicht ganz so zugesagt hat - ich hab’s wohl eher so mit Techpr0n. Die Charaktere sind zwar nicht unbedingt vielschichtig, dafür ist aber das Szenario umso spannender. Und, hach, wie nerdig! (’tschuldigt den Ausdruck, aber…)

So viel zu den ‹Krachern›. Ansonsten gab’s da noch:

Philip K. Dick - Ubik
Zwar ist es nicht direkt zu meinem Lieblingsbuch avanciert, besonders hervorheben möchte ich Ubik hier aber doch. Und das nicht nur, weil es mein erster Kontakt mit einem Buch von Herrn Dick (hihi) war, sondern auch, weil es mir wirklich gefallen hat. Obwohl es keine Offenbarung ist, hat es mir dennoch unheimlichen Spaß beim Lesen bereitet - und das kann eigentlich nichts schlechtes sein, oder? Das Buch überzeugt zwar nicht unbedingt durch seine vielschichtigen Charaktere, aber allein die Beschreibugn der Welt macht schon einen großen teil des Reizes aus, den es unweigerlich verströmt.

John Ajvide Lindqvist - So finster die Nacht
Zugegebenermaßen hatte das Buch seine Längen. Vor allem die Szenen mit den erwachsenen Nebencharakteren haben mich weit weniger gereizt als die Geschichte von Eli und Oskar. Wie nicht eben unüblich werden im Buch auch einige Dinge erwähnt, die es nicht in den Film geschafft haben, wovon ein Teil wiederum unterhaltsam und gewissermaßen ‹wissenswert› erschien, ich auf manch anderes dafür aber auch hätte verzichten können (erwähnte Handlungsstränge mit - im Film - eher Nebencharakteren).

Diana Wynne Jones - Sophie im Schloss des Zauberers
Wie es bei Ghibli ja häufiger der Fall ist, unterscheidet sich sie Buchvorlage zu Howl’s moving Castle doch deutlich von diesem. Trotzdem konnte mich diese Version der Erzählung auf ihre Weise mitreißen und viele Hintergründe, die so in der filmischen Umsetzung nicht vorkommen, ermöglichen es einem, die Charaktere und deren beweggründe etwas besser zu verstehen. Einige Zusammenhänge sind auch etwas anders oder Sachverhalte kommen gar nicht oder nur am Rande vor. Vielleicht ist es kein literarisches Meisterwerk, aber eine nette Geschichte bleibt es doch.

Muriel Barbery - Eleganz des Igels
Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Das Dilemma fängt schon damit an, dass mir so gut wie alle Charaktere unsympathisch sind. Die beiden Erzählerinnen sind herablassend und fühlen sich in der Art, wie sie sich für den ‹gemeinen Pöbel› anpassen auch noch überlegen und klug. Die Nebencharaktere erwähne ich lieber gar nicht erst, denn diese sind ohnehin so angelegt, dass sie dem Leser möglichst nicht gefallen. Die einzige Ausnahme bietet Herr Ozu (und vielleicht Manuela, der aber eher weniger Platz eingeräumt wird), der mir allerdings schon deshalb nicht gefallen konnte, weil er im Grunde die typische hochstilisierte Japanophilie darstellt, die mir spätestens seit dem Anime-Boom sowas von auf den Keks geht… aber ich schweife ab. Hat der Roman auch was gutes zu bieten? Irgendwie schon. Er liest sich recht unkompliziert (außer, wenn mal wieder auf intellektuell gemacht wird) und die Auflösung ist, wenn auch nicht überraschend, doch insgesamt nicht schlecht (lieber ein zwangsläufig schlechtes Ende als ein erzwungenes Happy End, oder?).

Linus Torvalds & David Diamond - Just for Fun
Obgleich ich es für nicht ganz so unterhaltsam wie Masters of DOOM halte, war es die Lebenszeit doch allemal wert und das, obwohl ich von den technischen Aspekten eigentlich keine Ahnung habe (davor wird an einigen Stellen im Buch gewarnt, was ich allerdings überhaupt nicht als störend empfunden habe - im Gegenteil, die zum Überpringen empfohlenen Seiten waren mit das interessanteste). Für das Thema (also «Open Source» an sich; nicht unbedingt Linux im Speziellen) sollte man sich aber wohl schon interessieren, schätze ich. Andererseits ist das vermutlich nicht so ungewöhnlich.

Spiele

Auch hier war dieses Jahr eher Flaute… aber ich versuch’s trotzdem mal.

Bayonetta
Oder auch «Fan Service: The Game». Sobald man die drei Tanzchoreographien im Abspann (inklusive Pole Dance) gesehen hat, weiß man, warum die Entwickler anscheinend kaum noch Zeit mehr für animierte Zwischensequenzen hatten… ansonsten ist das ganze für aktuelle Verhältnisse bockschwer, für Hideki-Kamiya-Verhältnisse wohl ‹normal› (was immer das heißen mag). Mir persönlich war es irgendwann auch zu repetetiv, als gefühlt alle paar Minuten einer der drei immer gleichen Zwischengegner auftauchte. Aber vielleicht lag’s auch nur daran, dass ich für jeden davon eine geschätzte Viertelstunde oder sogar länger brauchte. Ähem… keine Kommentare zu meiner Spielkompetenz!

Prince of Persia - Forgotten Sands
Spielerisch im Grunde Sands of Time mit der Möglichkeit, Wasser zu stoppen. Wer sich also schon immer mal eine Fortsetzung gewünscht hat…

Snuff

09. November 2008

Im neusten Buch von Chuck Palahniuk geht es um Pornos. Ich will gar nicht wissen, wie viele sich der Autor dafür im Vorfeld als «Recherche» ansehen ‹musste›. Die Ausführungen machen nämlich autorentypisch den Eindruck ausführlicher Beschäftigung mit dem besprochenen Thema.

Leider hat der Roman außerdem nicht so viele interessante Aspekte zu bieten wie andere Bücher von Herrn Palahniuk. Natürlich gibt es auch eine Handlung mit allem drum und dran, in der einige der Teilnehmer des Pornomarathons, um den es im Roman geht, näher vorgestellt und ihre Beweggründe und Charaktere dargelegt werden.

Ein wenig ekliges gibt es natürlich auch wieder zu Hauf. Seien es nun die detallierten Beschreibungen der Pornofilme oder von Sheila’s Haarschuppen, es ist besimmt für jeden was dabei. Übrigens rücken diese Schilderungen meinem ganz persönlichen Empfinden nach in diesem Werk sogar ein wenig mehr in den Vordergrund als in den meisten anderen von Chuck.

Aber - irgendwas fehlt. Dieses eine kleine bisschen besonderes, das Chuck’s Bücher - neben seinem umwerfenden Schreibstil - so hervorhebt. Als erstes Wort fällt mir dafür «Gesellschaftskritik» ein, auch wenn es nicht genau das ist, was ich suche. Jemand, der andere Bücher von ihm kennt, weiß vielleicht, was gemeint ist.

Trotzdem ist «Snuff» deswegen nicht automatisch ein schlechtes Buch. Es ist eben bloß nicht so gut wie seine anderen.