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Themenarchiv: Filme

Hell

23. September 2011

Angesichts mehrerer positiver Presseartikel, über die ich in letzter Zeit zum Film Hell gestolpert bin, muss ich nun doch nochmal meine Meinung zu dem Regiedebüt von Tim Fehlbaum kundtun. Worum es geht, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein: Die Sonne scheint - aus welchem Grund auch immer - unnachgiebig, es ist heiß, Spuren der Zivilisation wie auch Rohstoffe gibt es nur noch spärlich. Leider sieht man vor allem von der im Titel angekündigten Helligkeit insgesamt nur recht wenig, da der Großteil des Films nachts oder in einem trüben Zwielicht spielt. Einerseits verständlich, da man ansonsten vermutlich nicht allzu viel erkennen könnte (und vor allem ständig die Charaktere verwechseln würde). Auch nicht unbedingt unästhetisch, nur sind verwaschene blaugraue Bilder nicht eben bahnbrechend innovativ. Zudem gibt es auch nur spärlich verteilte Totalaufnahmen, so dass einem das ‹große Ganze› insgesamt eher verschlossen bleibt und es höchstens bis zu einer diffusen Idee, die man sich aus diversen, im Vorfeld gelesenen Beschreibungen zusammengestückelt hat, reicht. Schade.

Nachdem ich das nun mit möglichst umständlichen Bandwurmsätzen (sorry~) geklärt hätte, kommen wir zu den anderen Aspekten des Films. Zunächst einmal wären da die Charaktere. Diese bleiben anfangs recht flach (nur Phillip darf sich etwas unbeliebt machen), mutieren aber auch später nicht mehr zu übermäßig tiefgründigen Persönlichkeiten. Vielleicht bezeichnend, dass Tom für mich nicht nur der interessanteste, sondern auch sympathischste Charakter war. Denn viel Screentime hat der arme Junge nicht unbedingt spendiert bekommen.

Marie erschien mir als Hauptfigur nur teilweise nachvollziehbar. Ebenso wenig konnte ich mich durchweg für ihr Schicksal erwärmen, obwohl sie zumindest in keine grobe Charakterfalle (Zickigkeit, «Damsel in Distress»-Anwandlungen oder ähnliches) tappt. Leonie hingegen wirkt eher wie ein etwas miesepetriger MacGuffin. Oder so. Aber damit habe ich im Großen und Ganzen kein Problem - letztendlich können jüngere Geschwister wie auch kleine Kinder in Filmen viel, viel nerviger sein.

Die Story haut mich, wie auch der Rest der Mischung, nicht unbedingt vom Hocker. Sie ist aber auch nicht schlecht. Die Art des Films verleitet mich zu der Annahme, um sie gehe es hier sowieso weniger. Schließlich heißt das Setting Postapokalypse - wen interessiert da noch der Plot! Andere Vertreter des Genres (ist das überhaupt ein Genre?) haben gezeigt, dass man dieses Metier auch (fast) ohne rocken kann. Aber um die soll’s hier nicht gehen.

Erwähnenswert wäre noch, dass sich der Streifen für eine deutsche Produktion überraschend (und irgendwie erfrischend) ‹undeutsch› anfühlt. Rein optisch als auch inhaltlich. Dass die Schauspieler Deutsche sind, merkt man natürlich irgendwie. Aber wie sollte man das auch nicht? Sie sprechen ja deutsch.

Insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob ich vom Film wirklich enttäuscht sein soll. Er war nicht schlecht. Nur eben auch nicht wirklich gut. Die Möglichkeiten des Szenarios werden meiner Meinung nach aber nur leidlich ausgeschöpft, obwohl der Film keineswegs trashig daherkommt. Optisch ist das ganze zwar stimmig umgesetzt, es fehlt mir aber eben der etwas häufigere Blick auf die Umgebung. Ich will verdörrte Landschaften sehen und gleißende Sonnenstrahlen über Zivilisationsresten (oder wahlweise Bergen, Wäldern,…)!

Bereue ich es also, den Film als einen von zweien Kinobesuchen des letzten Fantasy Filmfests auserkoren zu haben? Eigentlich nicht - und sei es nur aufgrund des sympathischen Regisseurs, der doch eigentlich nur einen Zombiefilm drehen wollte («Nur, damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich will immer noch einen Zombiefilm drehen.»).

Und woher verdammt kenne ich Hannah Herzsprung?

2010

07. Januar 2011

Eigentlich liegen mir derartige Rückblicke ja nicht, weil ich alles immer sofort vergesse. Außerdem erscheint es mir fragwürdig, Erlebnisse in willkürliche Zeiteinheiten einzuteilen. Aber grade deshalb will ich es diesmal trotzdem versuchen - und sei es nur, um mich vielleicht doch noch an etwas zu erinnern.

Also, was bleibt von 2010?

Filme

The Social Network
The Social Network war mein Überraschungs-Hit dieses Jahr. Ursprünglich hatte ich ihn gar nicht auf dem Schirm, dan interessierte er mich höchstens mäßig (selbstinitiativ hätte ich ihn wohl kaum angekuckt). Als ich dann jedoch erfahren habe, dass David Fincher der Regisseur war, habe ich es doch noch ernsthaft in Erwägung gezogen - obwohl eine ‹Erfolgsquote› von weniger als 50% auch nicht unbedingt für erwähnten spricht. Aber ich wurde positiv überrascht. Vielleicht grade, weil ich nicht sehr viele Erwartungen hatte. Auf jeden Fall hatte ich sehr viel Spaß mit diesem Film und habe keinen Euro bereut, den ich für den Kinobesuch ausgegeben habe. Da ich mich allerdings schon mal zu dem Film geäußert habe, belasse ich es an dieser Stelle mal dabei.

Inception
Vor Inception hingegen war man im Vorfeld ja kaum sicher - und das, obwohl ich mich nach wie vor als ziemlich hype-resistent bezeichnen würde. Und sei’s nur, weil ich einfach nichts mitbekomme… aber ich schweife ab. Allzu viel hatte ich auch in diesem Fall im Vorfeld nicht gehört, so dass ich relativ unvoreingenommen an die Sache gehen konnte (auf Geschwafel von irgendwelchen Leuten, die meinen Geschmack sowieso eher nicht teilen, lohnt es sich meistens auch nicht, ersnthaft etwas zu geben). Zwar handelt es sich hierbei nicht unbedingt um das Meisterwerk, als das er häufig verkauft wird, aber unterhaltsam ist er allemal. Etwas schade fand ich, dass die Charaktere verhältnismäßig zweidimensional bleiben und ihr Schicksal einen nie wirklich zu berühren vermag.

Scott Pilgrim vs. the World
Eigentlich hat auch Scott Pilgrim nur halbherzig mein Interesse wecken können (ein Kumpel, dessen Filmgeschmack sich von meinem traditionell doch erheblich unterscheidet - ich glaube, der einzige Film, den wir beide mögen, ist Fight Club - hatte mich überhaupt erst auf ihn aufmerksam gemacht), aber eine blauhaarige Ramona Flowers mit Fliegerbrille hat mich dann doch zum Anschauen bewogen. Wenn auch nicht im Kino, denn er wurde hier bereits nach einer Woche wieder abgesetzt. Aber für solche Fälle gibt es heutzutage ja glücklicherweise andere Methoden… letztendlich hat es sich für mich immerhin als lohnenswert erwiesen, wenngleich auch er nicht unbedingt zu meinem Lieblingsfilm avanciert ist. Und - hey - Asiatinnen und blaue Haare!

Was sonst noch so lief:

Machete
Um ein Meisterwerk handelt es sich hierbei natürlich nicht unbedingt, aber wer das erwartet, hat sich wohl im Film geirrt. Unterhaltsam war er allemal und zudem einer der wenigen Filme, bei dem das Kino wirklich proppevoll war. Und wer will, kann sogar ein klitzekleines bisschen Gesellschaftskritik in diesem Trash-Spektakel entdecken.

Chatroom
Tja… fand ich den jetzt gut oder schlecht? Fakt ist, dass Chatroom meines Erachtens weit unter seinem Potential bleibt. Die Idee ist zwar nicht schlecht und optisch weiß er durchaus zu gefallen (auch die einzelnen Räume fand ich ganz gut umgesetzt; technische Spielereien wären hier vermutlich auch unangebracht gewesen). Dafür wurde leider an den Charakteren gespart - besonders William hätte man irgendwie besser charakterisieren können. Zwar wird an manchen Stellen versucht wird, ihm mehr Menschlichkeit/Tiefe zu verleihen, doch bleibt dies meist erfolglos, so dass er im Grunde die ganze Zeit einfach primitiv ‹böse› und sein Handeln nicht wirklich nachvollziehbar bleibt (wie das besser geht, zeigt David Fincher in «The Social Network»). Die anderen Charaktere sind leider ähnlich flach, so dass ich mich bis zum Schluss nicht wirklich für sie erwärmen konnte.

The Princess and the Frog
Liegt’s eigentlich an mir oder sind die Animationen nicht so schön wie bei älteren Disney-Filmen? Außerdem haben die ganzen CG-Effekte genervt, aber das mag ich bei gezeichneten Filmen generell nicht.

Prince of Persia
Von Videospielverfilmungen erwartet man ja generell nichts (oder sollte es meiner Meinung nach zumindest nicht). Insofern kann ich auch nicht erklären, warum ich ihn mir überhaupt angesehen habe… aber da’s nun mal passiert ist, kann ich auch gleich was dazu schreiben. Besonders toll ist er erwartungsgemäß nicht, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet. Tatsächlich hätten mir hier mehr Action-Szenen (insbesondere mit etwas mehr an die Vorlage angelehnte Akrobatik) gefallen. Dass er am Ende (Achtung, Spoiler) das Mädchen kriegt, musste wohl sein. Hier fand ich die Vorlage sogar story-technisch besser.

Avatar
Eigentlich von vorletztem Jahr, aber ich habe ihn erst 2010 gesehen. Wie erwartet kein Meisterwerk, die Na’vi sind auch immer noch hässlich, aber ganz nett war er dann doch. Was vermutlich hauptsächlich an der echt hübsch designten Umgebung liegt, aber sei’s drum… wie es ein Mitschüler formulierte: Urlaub auf Pandora, anyone?

Alice im Wunderland
Hier muss ich zugeben, doch etwas enttäuscht gewesen zu sein. Nicht unbedingt, weil der Film von Tim Burton ist - der hat schon ein paar Ausreißer gehabt, also wär das nichts neues. Auch die Originalgeschichte ist jetzt nicht soo toll, dass man da groß was erwarten muss, aber… irgendwie… nun, man hätte sicherlich mehr draus machen können. In der Theorie passen Burton’s distinktiver Stil und das doch recht abgedrehte Setting inklusive Charakteren von Alice eigentlich sehr gut zusammen, in der Praxis fand ich das ganze dann aber doch nicht so überzeugend. Hinzu kam die eher mäßige Story (nicht, dass ich hier mit großartigem gerechnet hätte), die vielen unnötigen Computeranimationen und auch noch das unsägliche 3D (sorry, aber hier bin ich einfach mal total konservativ - wie eigentlich immer… ups!), so dass am Ende für mich kein erinnerungswürdiger Film übrig blieb.

Ein gutes Herz
Auch hier haben mir die für mich weniger nachvollziehbaren Handlungsweisen der Charaktere etwas die Freude am Werk verdorben. Insbesondere Miss MacGuffin April handelt aus meiner Sicht völlig willkürlich. Sehr plötzlich and (anscheinend) grundlos erschienen mir auch die Veränderungen der beiden Hauptcharaktere, welche sich nur teilweise aus dem Handlungsverlauf ableiten lassen (insbesondere im Fall von Jaques). Er hatte aber auch ein paar nette Elemente, die ich hier nicht unterschlagen will.

Ondine
Die Exposition versprach nettes, was der Film anfangs auch halbwegs hielt, dann jedoch immer weiter in - nun ja - uninteressante Gefilde abdriftete. Die Charaktere konnten mich großteils nicht fesseln, das Kind war (wie es Film- und auch echte Kinder leider oft so an sich haben) sogar überaus nervig und die Auflösung irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei. Zudem hat mir die visuelle Umsetzung irgendwie nicht gepasst, wenngleich ich auch nicht genau sagen kann, warum. Aber so den Anfang, den kann man schon kucken. Und wer hätte gedacht, dass ich mal etwas an einem Lied von Sigur Rós finde?

Metropia
In einem Wort: Meh.

Precious
Fand ich auch nicht soo doll wie angepriesen, aber schlecht war er auch nicht. Er hat einfach weniger meinen Geschmack getroffen. Und hey: Mariah Carey kann ja sogar gut aussehen.

9
Wär ebenfalls fast an mir vorbei gegangen - aber eben nur fast. Anfangs war ich skeptisch bezüglich der Optik, aber dann gefielen mir die Character Designs doch ganz gut. Dafür erschien mir der Plot etwas unentschlossen: Viele Dinge entwickeln sich sehr plötzlich; kaum ist eine Action-Szene vorbei, kommt schon die nächste, ohne dass immer klar ist, wie es überhaupt dazu kam oder warum die Figuren diese oder jene Handlung nun durchgeführt haben. Die coole 7 hat mich aber ein wenig darüber hinweggetröstet (ehrlich!).

Ponyo on the Cliff by the Sea
Es ist nicht unbedingt der nächste Mononoke, ganz niedlich fand ich ihn aber trotzdem. Obwohl sich die Geschichte an einigen Stellen für meinen Geschmack etwas zu abrupt entwickelt und das Ende etwas mehr ‹Biss› hätte vertragen können (insbesondere die Stelle mit der «Prüfung»… Sousuke wird gefragt, ob er Ponyo denn auch als Goldfisch möge/mochte, er bejaht und das war’s? …srsly?). Es mag nur mein verklärter Eindruck sein, aber mir scheint, auch die Qualität von Ghibli-Filmen nähme ab…

Filme, die ich gerne gesehen hätte, aber irgendwie verpasst habe:
The Road (leider erst im Nachhinein von erfahren)
Karate Kid (jaja, ich gestehe… der Trailer hat mir gefallen)
Buried (ist einfach irgendwie untergegangen)
Fish Tank (ebenso)
Shutter Island (erst viel zu spät Interesse aufgekommen)

Sonst noch dieses Jahr gesehen, lief aber nicht neu an:

Stadt der verlorenen Kinder
Ich behaupte einfach mal: ein typischer Jeunet (bzw. Jeunet-Caro). Über die Qualität der Story kann man sich sicherlich streiten, aber das Aussehen ist klasse. Sehr hübsches Setting, insbesondere die Stadt. Zur Abwechslung ist der Farbraum auch mal jenseits von Beige/Braun angesiedelt (als Videospieler reagiere ich leicht allergisch auf diese Kombination), was ich als sehr erfrischend empfand. Und natürlich Miette.

Long Dimanche de Fiançailles
Wo wir grad bei Beige waren… kommt meines Erachtens nicht unbedingt an seine übrigen Filme ran, ist aber trotzdem alles andere als schlecht. Ob das Ende nun positiv oder negativ gemeint ist, kann sich jeder selbst überlegen. Außerdem hat er natürlich die niedliche Audrey Tautou als Mathilde für sich zu verbuchen. Und, wie bei Jeunet üblich, das hübsche Design.

Hana & Alice
Aww! Hana & Alice ist ein sehr… wie soll man es sagen, ohne kitschig zu klingen… berührender Film. Zwar hat er, wie die anderen mir bekannten Werke von Shunji Iwai auch, gelegentliche Längen, jedoch wird dies durch das beeindruckende Ende und die interessanten Charaktere mehr als wett gemacht. Die Handlung selbst beginnt etwas abgedreht, stellt aber im Grunde nur die Kulisse für das Wirken der Charaktere. Besonders die zarte und doch starke Alice ist mir hier in Erinnerung geblieben, aber mehr will ich im Grunde gar nicht verraten.

There will be Blood
Zugegebenermaßen muss ich gestehen, dass ich nicht verstehe, was an There will be Blood so toll sein soll. Ja, er hat ein paar ‹wertvolle› Momente, über die man durchaus mal nachdenken kann. Aber unterhaltsam ist doch was anderes. Es sind nicht die durchweg unsympathischen Charaktere, die mir den Spaß daran verdorben haben. Die Schuld dafür schiebe ich vielmehr der (scheinbaren) Belanglosigkeit der ganzen Geschichte oder von mir aus auch überaus trockenen Erzählweise in die Schuhe. Was es auch sein mag - er konnte mich einfach nicht begeistern.

Dogville
Über das Ende habe ich ja an anderer Stelle bereits ausführlich geschrieben, nehme ich mich nun doch einmal dem Rest des Films an. Und, was soll ich sagen? Unterhaltsam geht definitiv anders. Tatsächlich fand ich ihn stellenweise sogar recht anstrengend. Und gäbe es nicht das fulminante Finale, die Geschichte wäre mir sicherlich nicht mal eine Erwähnung wert gewesen… aber es gibt es. Und daher schreibe ich hier nun, dass es nicht das unkonventionelle Set war, das mich gestört hat. Allerdings kann ich nicht sagen, ob der Dialog am Schluss wirklich so grandios war oder ob er einfach nur so wirkte, weil die anderen einfach so unscheinbar waren. Aber es war definitiv dieser, der den Film in meiner Gunst ‹gerettet› hat und im Grunde sein komplettes Grübelpotential ausmacht. Und ja, ich mochte das Ende, wenngleich vielleicht auch aus anderen Gründen als manch anderer (oder auch nicht).

Stalker
Absolut nicht vergleichbar mit dem Roman, auf dem er basiert, aber diesen sollte man am besten gar nicht im Hinterkopf haben - schließlich handelt es sich hierbei ja auch nicht um eine Verfilmung an sich. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, die Unkenntnis des Genannten könnte hier hilfreich sein. Aber was weiß ich schon? Jedenfalls lebt das Werk hauptsächlich von seiner Atmosphäre, die teils unheimlich, teils mysterös daherkommt. Neben der Farbgebung unterstützt vor allem die musikalische Untermalung hier das eigentümlich gespenstische, das den ganzen Film umgibt. Zwar wird die ‹Geschichte› recht langsam erzählt, die gehaltvollen Dialoge schaffen jedoch einen guten Ausgleich.

Let the right one in
Obwohl die Umsetzung nicht unbedingt perfekt ist, ein sehr eigentümlicher Film und zudem bestimmt einer der besten Vampirfilme, die ich kenne. Eli und Oskar sind besondere, wenn auch sicherlich moralisch fragwürdige Charaktere. Ihre Geschichte hätte man vielleicht auch etwas anders erzählen können, aber gerecht wird sie ihnen allemal (oh Gott, ergibt dieser Satz überhaupt Sinn?).

Alben

Ich als Musikliebhaber… *husthust* Okay, okay - da ich dieses Jahr überhaupt höchstens zwei neue Alben kennen gelernt habe, von denen mir auch nur eins wirklich gefiel, gewinnt hier völlig außer Konkurrenz:

Deftones - Diamond Eyes
Mal wieder so ein Fall, bei dem ich nicht damit gerechnet hab, dass es mir letztendlich so gut gefallen würde. Nicht, dass ich die Deftones nicht mögen würde… es ist nur so, dass mir Alben als Gesamtwerke allgemein selten zusagen. Meistens gefallen mir nur ein bis zwei Lieder und das war’s dann. Nicht so bei Diamond Eyes. Nicht nur lässt sich das ganze Album am Stück hören, es befinden sich auch noch einige erwähnenswerte Highlights drauf. So haben es mir neben dem titelgebenden Stück noch mindestens fünf weitere Lieder angetan - und das soll in meinem Fall schon was heißen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, «Diamond Eyes» sei mein Lieblingsalbum der Deftones - und vermutlich hätte ich Recht damit.

Bücher

Haha! Als hätte ich irgendwas gelesen, das dieses Jahr erschienen ist… dafür bekommt ihr aber einen kurzen Einblick in die von mir gelesenen und für erwähnenswert befundenen Schriebe:

Arkadi & Boris Strugatzki - Picknick am Wegesrand
Hier habe ich mich definitiv gut unterhalten gefühlt. Das Buch verströmt eine unglaubliche Atmosphäre, und das rein durch Wörter. Vielleicht ist nicht jeder Abschnitt gleich fesselnd, aber trotzdem wollte ich nie aufhören zu lesen. Die Charaktere sind, trotz nicht eben ausgeprägter Beschreibungen, nicht langweilig, wenn es auch nicht sie sind, die hier im Mittelpunkt stehen: Im Zentrum steht die Welt, die Zone, einige Gedanken (sowohl der Figuren als auch allgemeine Fragestellungen) sowie größere Zusammenhänge.

Amélie Nothomb - Biographie des Hungers
Das zweite semi-autobiografische Buch, das ich von Madame Nothomb gelesen habe. Das erste - Metaphysik der Röhren - hat mir zwar nur teilweise zugesagt, aber da mir ihr Schreibstil im Allgemeinen gefällt, habe ich mir schon so einiges aus ihrer Feder zu Gemüte geführt, obwohl die Handlung nicht immer das Nonplusultra darstellt. Warum genau mir dieses Buch besonders im Gedächtnis geblieben ist, kann ich gar nicht explizit sagen… es hatte einfach irgendwas. Die Tatsache, dass einige der beschriebenen Situation der Autorin vermutlich so oder so ähnlich wirklich zugestoßen sind, trägt sicherlich einen Teil zur Faszination bei.

David Kushner - Masters of DOOM
Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen nicht überragend. Das lag zum einen daran, dass es sich hierbei nicht um einen Roman, sondern eher um eine Art ‹Sachbuch› handelt, das tatsächliche Geschehnisse beschreibt (Biografie?) und zum anderen daran, dass ich auch mit id Software selbst nie so viel am Hut hatte. Habe zwar Quake II (und III) gespielt, aber das war’s im Grunde auch schon; alles andere hab ich höchstens mal angespielt. Dazu beigetragen, dass es mir trotzdem gefallen hat, haben sicherlich auch der flotte und prägnante Schreibstil des Autors (er ist eigentlich Journalist und ich finde, das merkt man auch) sowie die teils skurrilen Erlebnisse und Ereignisse, die geschildert werden. Allen voran stechen aber die einprägsamen Hauptakteure, die sehr plastisch beschrieben sind, hervor. Neben den beiden Johns werden auch noch andere, teilweise bekannte Personen erwähnt, auf die jedoch mit weniger Detailreichtum eingegangen wird - was ich allerdings nicht als unpassend empfand, da hier ja von vornherein klar ist, auf wem das Hauptaugenmerk liegt.

Neal Stephenson - Snow Crash
Da die deutsche Übersetzung bei Amazon eher schlecht weggekommen ist, habe ich mich für die englische Version meines ersten Buches von Stephenson entschieden. Überraschenderweise gestaltete sich das verständnis trotz - oder gerade? - der komplett anderen Welt und den teilweise detaillierten Beschreibungen technischer Geräte und Funktionalitäten nicht allzu schwierig. ich würde sogar behaupten, es war einfacher als bei einigen nichtphantastischen Romanen… aber ich schweife ab. Inhaltlich hat mir das Buch durchaus zugesagt, obwohl der Aspekt mit den ganzen Gottheiten und der Sprache mir nicht ganz so zugesagt hat - ich hab’s wohl eher so mit Techpr0n. Die Charaktere sind zwar nicht unbedingt vielschichtig, dafür ist aber das Szenario umso spannender. Und, hach, wie nerdig! (’tschuldigt den Ausdruck, aber…)

So viel zu den ‹Krachern›. Ansonsten gab’s da noch:

Philip K. Dick - Ubik
Zwar ist es nicht direkt zu meinem Lieblingsbuch avanciert, besonders hervorheben möchte ich Ubik hier aber doch. Und das nicht nur, weil es mein erster Kontakt mit einem Buch von Herrn Dick (hihi) war, sondern auch, weil es mir wirklich gefallen hat. Obwohl es keine Offenbarung ist, hat es mir dennoch unheimlichen Spaß beim Lesen bereitet - und das kann eigentlich nichts schlechtes sein, oder? Das Buch überzeugt zwar nicht unbedingt durch seine vielschichtigen Charaktere, aber allein die Beschreibugn der Welt macht schon einen großen teil des Reizes aus, den es unweigerlich verströmt.

John Ajvide Lindqvist - So finster die Nacht
Zugegebenermaßen hatte das Buch seine Längen. Vor allem die Szenen mit den erwachsenen Nebencharakteren haben mich weit weniger gereizt als die Geschichte von Eli und Oskar. Wie nicht eben unüblich werden im Buch auch einige Dinge erwähnt, die es nicht in den Film geschafft haben, wovon ein Teil wiederum unterhaltsam und gewissermaßen ‹wissenswert› erschien, ich auf manch anderes dafür aber auch hätte verzichten können (erwähnte Handlungsstränge mit - im Film - eher Nebencharakteren).

Diana Wynne Jones - Sophie im Schloss des Zauberers
Wie es bei Ghibli ja häufiger der Fall ist, unterscheidet sich sie Buchvorlage zu Howl’s moving Castle doch deutlich von diesem. Trotzdem konnte mich diese Version der Erzählung auf ihre Weise mitreißen und viele Hintergründe, die so in der filmischen Umsetzung nicht vorkommen, ermöglichen es einem, die Charaktere und deren beweggründe etwas besser zu verstehen. Einige Zusammenhänge sind auch etwas anders oder Sachverhalte kommen gar nicht oder nur am Rande vor. Vielleicht ist es kein literarisches Meisterwerk, aber eine nette Geschichte bleibt es doch.

Muriel Barbery - Eleganz des Igels
Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Das Dilemma fängt schon damit an, dass mir so gut wie alle Charaktere unsympathisch sind. Die beiden Erzählerinnen sind herablassend und fühlen sich in der Art, wie sie sich für den ‹gemeinen Pöbel› anpassen auch noch überlegen und klug. Die Nebencharaktere erwähne ich lieber gar nicht erst, denn diese sind ohnehin so angelegt, dass sie dem Leser möglichst nicht gefallen. Die einzige Ausnahme bietet Herr Ozu (und vielleicht Manuela, der aber eher weniger Platz eingeräumt wird), der mir allerdings schon deshalb nicht gefallen konnte, weil er im Grunde die typische hochstilisierte Japanophilie darstellt, die mir spätestens seit dem Anime-Boom sowas von auf den Keks geht… aber ich schweife ab. Hat der Roman auch was gutes zu bieten? Irgendwie schon. Er liest sich recht unkompliziert (außer, wenn mal wieder auf intellektuell gemacht wird) und die Auflösung ist, wenn auch nicht überraschend, doch insgesamt nicht schlecht (lieber ein zwangsläufig schlechtes Ende als ein erzwungenes Happy End, oder?).

Linus Torvalds & David Diamond - Just for Fun
Obgleich ich es für nicht ganz so unterhaltsam wie Masters of DOOM halte, war es die Lebenszeit doch allemal wert und das, obwohl ich von den technischen Aspekten eigentlich keine Ahnung habe (davor wird an einigen Stellen im Buch gewarnt, was ich allerdings überhaupt nicht als störend empfunden habe - im Gegenteil, die zum Überpringen empfohlenen Seiten waren mit das interessanteste). Für das Thema (also «Open Source» an sich; nicht unbedingt Linux im Speziellen) sollte man sich aber wohl schon interessieren, schätze ich. Andererseits ist das vermutlich nicht so ungewöhnlich.

Spiele

Auch hier war dieses Jahr eher Flaute… aber ich versuch’s trotzdem mal.

Bayonetta
Oder auch «Fan Service: The Game». Sobald man die drei Tanzchoreographien im Abspann (inklusive Pole Dance) gesehen hat, weiß man, warum die Entwickler anscheinend kaum noch Zeit mehr für animierte Zwischensequenzen hatten… ansonsten ist das ganze für aktuelle Verhältnisse bockschwer, für Hideki-Kamiya-Verhältnisse wohl ‹normal› (was immer das heißen mag). Mir persönlich war es irgendwann auch zu repetetiv, als gefühlt alle paar Minuten einer der drei immer gleichen Zwischengegner auftauchte. Aber vielleicht lag’s auch nur daran, dass ich für jeden davon eine geschätzte Viertelstunde oder sogar länger brauchte. Ähem… keine Kommentare zu meiner Spielkompetenz!

Prince of Persia - Forgotten Sands
Spielerisch im Grunde Sands of Time mit der Möglichkeit, Wasser zu stoppen. Wer sich also schon immer mal eine Fortsetzung gewünscht hat…

Dogville

05. Januar 2011

Dogville ist ein interessanter Film. Nicht unbedingt im Sinne von ‹fesselnd› - tatsächlich fand ich ihn stellenweise sogar recht anstrengend, und er ist auch nicht grade kurz (oder flott erzählt). Umso faszinierender ist dafür das Ende, dem ich mich auch direkt widmen will (in diesem Sinne also Spoiler-Alarm für den restlichen Post und wer eine Inhaltsangabe oder allgemeine Meinungen zum Film haben will, findet diese an anderer Stelle).

Warum gefällt mir das Ende also? Einerseits birgt es natürlich eine gewisse Genugtuung, denn letztendlich sind die Dorfbewohner nichts als dumme Arschlöcher, denen wohl jeder gerne mal die Fresse polieren würde. Das allein macht es aber nicht aus. Auch nicht die Tatsache, dass ich nicht unbedingt damit gerechnet habe. Es ist vielmehr der Konflikt der Situation an sich.

Einerseits zeigt der Ausgang, dass auch Grace letztendlich ‹nur› ein Mensch ist - und menschlich handelt. Kein Gutmensch, kein Übermensch. Keine Belldandy, die auch dem größten Deppen noch Mitleid und Verständnis entgegen bringt (verzeiht, aber dieser Charakter kommt mir in solchen Zusammnhängen immer als erstes in den Sinn… sie ist einfach viel zu nett; ich könnte sie köpfen!).

Während hier also ihre eigene moralische Imperfektion dargelegt wird, werden gleichzeitig ethische Standards verlangt. Wie ihr Vater direkt vorher bemerkt, vergibt Grace zuvor deshalb, weil sie andere nicht an ihren eigenen Werten misst: Sie selbst hätte nicht so wie die Dorfbewohner gehandelt. Sie gesteht hiermit also zweierlei ‹Fehler› ein. Erstens, dass - unter gewissen Voraussetzungen - jeder auf diese Weise hätte gehandelt haben können, was wiederum den freien Willen unterminiert. Zweitens, die Annahme, dass die Menschen von sich aus ihre Fehler eingestehen und verantwortungsbewusst gehandelt hätten, denn das haben sie nicht - sich selbst überlassen, ohne die Gefahr der Bestrafung (von außen oder durch Grace selbst), haben sie nur ihren eigenen Vorteil gesehen.

Aber dies ist auch interessant: Sind Gesetze oder andere äußere Kontrollen notwendig, um ethisches Verhalten zu gewährleisten? Ist es dann überhaupt noch Moral, wenn es von außen oktroyiert wird?

Die komplette Szene sagt sowohl etwas über den Charakter Grace, die menschliche Natur (so diese denn in ihrer Generalität existiert) sowie den Zuschauer selbst aus. Grace selbst wird, wie schon erwähnt, ‹vermenschlicht› - sie verliert ihre Barmherzigkeit, ihre endlose Güte, mit der sie die Menschen, denen sie nie etwas böses wollte, doch nicht erreichen konnte. In jedem Menschen steckt also ein (moralischer) ‹Makels› - nicht unbedingt etwas böses (ich mag diese Schwarz/Weiß-Malerei nicht unbedingt), denn ich denke, unter den gegebenen Umständen ist ihr Verhalten zumindest teilweise verständlich - aber doch etwas, das dem immerguten, engelhaften entgegen steht. Zudem wirft es natürlich die Frage der Macht auf, denn Grace verliert ihre Gnade, als sie selbst in die machthabende Position kommt und nutzt diese zum Nachteil der Schwächeren.

Ist sie also genauso wie die Einwohner Dogvilles, weil sie ihre Macht ebenso gegen sie einsetzt wie diese es zuvor taten oder steht sie dennoch abseits von ihnen, da sie dies nicht völlig ohne Grund und letztendlich im Namen der Moral tut?

Was es letztendlich über den Zuschauer selbst aussagt, liegt natürlich an ihm… empfindet er Genugtuung beim Massaker der Dorfbewohner? Empfindet er es als gerechte Strafe? Hätte er eventuell sogar genauso gehandelt? Was erwartet er in der Situation von Grace - und hätte er im Zweifelsfall genauso gehandelt?

So passend ich sie selbst empfand, sind Grace’ Handlungen also gerechtfertigt? Natürlich nicht. Aber meines Erachtens geht es darum auch gar nicht. Sicherlich hätte sie, realistisch betrachtet, weder alle töten noch zurück nach Dogville gemusst. Aber dann hätte der Film nicht funktioniert. Genauso, wie er nicht funktioniert hätte, wäre sie bis zum Ende hin ‹gut› geblieben.

Auch ist es aus meiner Sicht eher unerheblich, dass sie auch das Baby erschießen lässt. Offensichtlich hat dies objektiv gesehen nichts falsches gemacht (machen können) - aber es ist ein Mensch, aufgezogen von den Dorfbewohnern. Filmisch betrachtet ist es ein Einwohner Dogvilles (allein durch das Setting wird meiner Auffassung nach unterstrichen, dass es sich hierbei um eine Parabel und nicht um eine realistische Darstellung handelt).

Der Hund hingegen bleibt am Leben: er ist ‹unschuldig›. Warum ist der Hund unschuldig und das Kind nicht? Zunächst einmal ist er kein Mensch. Traditionell betrachtet sind andere Tiere - zumindest aus unserer Sicht - nicht zu moralischen Betrachtungen oder gar Handlungen fähig. Wir wissen nicht mal, ob sie eine Wahl haben (während dies von Menschen hingegen zumindest angenommen wird). Auch hat er Grace natürlich nicht ausgenutzt - im Gegenteil, sie hat ihm ja den Knochen gestohlen. Er wäre also, von unseren Standards aus betrachtet, überhaupt der einzige gewesen, der einen Grund gehabt hätte, Groll gegen Grace zu hegen.

Und: Wissen die Menschen in Dogville, was sie tun? Verstehen sie, dass ihre Handlungen moralisch nicht zu rechtfertigen sind? Wenn nein, sollte man ihnen dann vergeben? Woran macht man überhaupt fest, ob sie ihr Verhalten moralisch einordnen können, ob sie ein ethisches Verständnis haben? Hat Grace ihre Situation selbst nicht dadurch verschlimmert, dass sie ihnen nie wirklich etwas entgegen gesetzt hat? Dass sie ihnen alles vergab und darauf vertraute, dass in ihnen (auch) Gutes steckt? Dass sie ihre Fehler selbst einsähen? Und sind die Gangster wirklich schlimmer als die ‹gewöhnlichen› Menschen, weil sie sich ihrer moralischen Fragwürdigkeit offensichtlich bewusst sind, sogar ganz offen dazu stehen? Wer gehört hier eigentlich nicht zu den Bösen?

Diese Fragen kann natürlich jeder für sich beantworten und ich behaupte nicht, die Antworten zu kennen. Aber ich denke, Menschen sind durchaus zu moralischen Betrachtungen fähig - unabhängig davon, wie ausgeprägt ihre ethische Erziehung war oder nicht (es wird ja im Film erwähnt, dass im Dorf kein Prediger vorhanden ist, der wohl dafür zuständig gewesen wäre). Man kann - und sollte - sich in solchen Fragen nicht auf äußere Autoritäten verlassen (müssen). Auch nicht im Film.

Gilt das auch für die Kinder? Aber sicher. Mir widerstrebt diese Darstellung der «unschuldigen» Kinder sowieso. Seit wann sind Kinder unschuldig? Meiner Erfahrung nach sind das die gemeinsten Menschen überhaupt. Und das nicht ausschließlich, weil sie es nicht verstehen. Herrje, auch Kinder können doch denken! Und ich halte es für offensichtlicht, dass zumindest die aus «Dogville» schon (im Groben) verstanden haben, was sie da tun bzw. dass es nicht eben ‹nett› ist. Die einzige Ausnahme, die ich an dieser Stelle machen mag, ist Achilles.

Auch kann ich nicht verstehen, wie einige behaupten, Grace sei selbst an ihrer misslichen Lage schuld. Sicherlich, sie hat sich einiges gefallen lassen. Dennoch ist - zumindest bei mir - nie der Eindruck entstanden, es könne ihr gefallen oder wenigstens nichts ausmachen. Sie hat doch in den meisten Szenen recht deutlich gemacht, dass sie nicht einverstanden mit dem Verhalten der Bürger war (beispielsweise bat sie Chuck, wenn auch auf eine in Anbetracht der Situation überaus freundliche Weise, flehentlich darum, sie in Ruhe zu lassen und auch später, im Gespräch in der Kirche, auch wenn dieses selbst nicht gezeigt wird, versucht sie, die Leute zumindest zum Nachdenken zu bringen).

Überhaupt ist Verantwortung ein Thema. Die Leute aus Dogville übernehmen diese nicht, sondern schieben sie auf andere (Grace wird fortlaufend beschuldigt, die Leute zu ihrem Verhalten ermutigt zu haben oder dergleichen). Tom übernimmt sie nicht - er schiebt jegliche Schuld Grace in die Schuhe (für den Diebstahl des Geldes seines Vaters etc.), ersinnt bis zum Ende hin windige Ausflüchte, warum sein Verhalten gerechtfertigt wäre, da er sich selbst für moralisch überlegen hält (gleichzeitig aber wohl erkennt/nicht wahrhaben will, dass er es nicht ist).

Und Grace will sie ihnen auch gar nicht aufbürden - zunächst. Fortwährend findet sie Entschuldigungen und Ausflüchte für die Menschen, redet sich ein, sie hätte womöglich genauso gehandelt. Ironischerweise bestätigt sie dies letztendlich sogar teilweise, indem sie sie auf unmoralische Weise zur Verantwortung zieht. Ist es gerechtfertigt, Gerechtigkeit durch Ungerechtigkeit zu erlangen?

Allerdings gibt es natürlich nicht nur Rache und Vergebung. In der Realität muss der Vericht auf Rache nicht zwangsläufig Absolution bedeuten.

Ist es deshalb falsch, von anderen weniger zu verlangen als von einem selbst? Also quasi einen anderen Maßstab anzulegen?

Generell ist es natürlich eher weniger wünschenswert, da nicht integer und somit potentiell willkürlich, mit zweierlei Maß zu messen. Andererseits tut man auf diese spezielle Weise weniger anderen als sich selbst Unrecht. Zumindest moralisch gesehen bestünde hier meines Erachtens also weniger ein Problem. Zudem muss man bedenken, dass Ethik niemals allumfassend ist. Wer bestimmt, was richtig und falsch ist? Letztendlich immer Individuen mit subjektiven Betrachtungsweisen. Darf ich also über andere urteilen? Darf ich meine moralischen Maßstäbe an andere anlegen - auch, wenn ich damit mitunter ihre Freiheit einschränke? Kann ich andere überhaupt adäquat beurteilen, obwohl ich sie niemals in ihrer Gänze erfassen kann (im Gegensatz zu mir selbst)?

Oder ist es tatsächlich, wie Grace’ Vater behauptet, arrogant, anzunehmen, andere würden den eigenen Maßstäben nicht gerecht werden? Könnten ihnen eventuell gar nicht gerecht werden? Erhebt man sich damit nicht sogar prinzipiell über sie (ob nun auf intellektueller oder anderer Ebene)? Oder, wie hier formuliert: Wie viel kann/darf/sollte man anderen vergeben, das man sich selbst nicht vergeben könnte?

Vielleicht ist es ein bisschen von beidem. Vielleicht ist es genau diese Fragestellung, die den Ausgang interessant macht.

Hat mich übrigens ein wenig an Brecht’s Der gute Mensch von Sezuan erinnert.

The Social Network

29. Oktober 2010

Als ich das erste Mal von The Social Network gelesen habe, war mein Interesse - trotz des, wenn auch relativ geringen, doch offensichtlichen Geek-Faktors - zugegebenermaßen nicht sehr groß. Mag daran gelesen haben, dass meine Liebe zu Facebook nicht eben ausgeprägt ist und ich am liebsten gar nichts weiter darüber wissen möchte.

Nachdem ich dann erfuhr, das es sich beim Regisseur um David Fincher (u.a. Fight Club und Se7en) handelte und Trent Reznor - zusammen mit Atticus Ross - an der musikalischen Untermalung mitgewirkt hatte, änderte sich dies jedoch erstmal. Zwar war meine Aufmerksamkeit diesem Film gegenüber immer noch nicht übermäßig, aber ich war immerhin nicht mehr abgeneigt, ihn anzuschauen. Man könnte sogar von Interesse sprechen, obgleich ich immer noch eine Art ‹Dokumentation› (etwa im Stil von Zodiac, der ja vom gleichen Regisseur ist) vor Augen hatte. Es kam dann aber doch ganz anders.

Gleich die Eröffnungsszene war sehr unterhaltsam, wenn ich auch sicherlich nicht jeder Einzelheit folgen konnte (jaja, immer diese Aufmerksamkeitsdefizitären, was?). Der Plot sollte mittlerweile relativ bekannt sein - falls nicht: es geht um die Entstehung des sozialen Netzwerks Facebook. Natürlich wird das ganze höchstwahrscheinlich nicht komplett adäquat der Realität nachempfunden sein, aber das ist meines Erachtens auch zweitrangig. Die Aufmachung des Streifens hat bereits ausdrücklich genug nahegelegt, dass es sich hierbei um einen Unterhaltungsfilm und keine Dokumentation handelt. Und unterhalten hat er.

Besonders faszinierend fand ich, dass das Werk nahezu komplett auf einfache Schwarz/Weiß-Darstellungen der Charaktere verzichtet. Tatsächlich werden die Figuren, allen voran natürlich Mark Zuckerberg (der einem aus der Ferne eigentlich fast nur wie ein Arsch vorkommen kann, oder?), von mehreren Seiten beleuchtet und erhalten so fast automatisch eine Plastizität, die ich aus anderen - auch guten - Filmen eher selten kenne. Es gibt weder ‹die Guten› noch ‹die Bösen›. Nur Menschen. Und das ist schon erwähnenswert, wenn Protagonisten mal wirklich menschlich wirken.

Die Geschichte wird mit Hilfe einiger Zeitsprünge erzählt, die mir persönlich jedoch nicht negativ aufgefallen sind, da sie weder die Handlung behindert noch den Erzählfluss in anderer Weise (z.B. durch ungewollte Verwirrung) gestört haben.

Auch die Musik hat sich passend in das Gesamtbild eingefügt. Besonders angetan hat es mir eine Interpretation des Stücks «In the Hall of the Mountain King» von Edvard Grieg. Ansonsten hält sie sich angenehm im Hintergrund, aber wenn man genau hinhört, lässt sich natürlich die Handschrift von Herrn Reznor mehr oder weniger deutlich heraushören. Mit Ausnahme des eben erwähnten (das sich dafür allerdings als ziemlich eingängig herausstellen kann) waren richtige Ohrwurmstücke für mich beim ersten Hören jedoch nicht dabei.

Übrigens gelange ich immer mehr zu der Überzeugung, dass Fincher vor allem gut im Verfilmen ist. Der Großteil seiner in meinen Augen besten Filme waren immerhin Verfilmungen; zumindest aber scheint er Spaß an der Sache zu haben. Andererseits gibt es generell kaum Regisseure, von denen ich mehr als ein oder zwei Filme wirklich mag… aber ich schweife ab.

Abschließend bleibt zu sagen, dass, auch wenn es sich sicherlich nicht um eine künstlerische Offenbarung handelt, mir «The Social Network» dennoch sehr gut gefallen hat und ich mich trotz der leichten Überlänge, von der man meines Erachtens nichts spürt, durchweg gut unterhalten gefühlt habe.

Möglicherweise basiert mein Wohlwollen aber auch auf der Tatsache, dass ich nach Benjamin Button und bereits erwähntem «Zodiac» einfach nicht mehr allzu viel erwartet habe. Andererseits soll mich das nicht weiter stören, denn Spaß hatte ich deshalb ja nicht weniger.

Perfect Blue

22. Juli 2009

Dass Perfect Blue schon einige Jahre alt ist, merkt man eigentlich nur daran, dass der Hauptcharakter in einer Szene fragt, worum es sich bei «diesem Internet» eigentlich handele. Mit anderen Worten ist er, wie einige andere Vertreter ebenfalls, exzellent gealtert. Selbst die Animations- und Zeichenqualität kann durchaus noch mit heutigen Standards mithalten. Dadurch, dass auf ausufernde Nutzung von CG-Effekten verzichtet wurde, wirkt das ganze meines Erachtens sogar noch um einiges besser und in sich stimmiger.

Kurz zusammengefasst geht es in dem Film um ein Ex-Idol (sog. «Idols» sind japanische Popstars, ähnlich westlicher Casting-Gruppen oder «Promis»), die sich nun als Schauspielerin in einer Fernsehserie versucht. Ob dies aufgrund ihrer eigenen Initiative oder vielmehr durch Entscheidungen ihres Managements geschieht, wird dabei nicht abschließend geklärt; vielmehr scheint es so, als sei sich Mima selbst nicht so ganz im Klaren darüber, was sie eigentlich will. Die Ereignisse spitzen sich zu, als sie nicht nur mit ihrer eigenen Zielsetzung zu kämpfen hat, sondern sich zusätzlich durch einen anscheinend verrückten Fan bedroht fühlt und ihre Wahrnehmung zunehmend zwischen Traum und Realität alterniert, bis die Grenzen nicht nur für den Zuschauer nahezu verschwimmen.

Nebenbei gibt es natürlich auch ein paar Seitenhiebe auf die Idol-Kultur und deren, in den 90ern anscheinend besonders rigiden, ‹Richtlinien› und Erwartungen an die Popstars. So werden alle Entscheidungen bezüglich Mima’s Karriere, ihrem Image sowie öffentlichem Auftreten von ihrer Agentur bestimmt. Ihre eigenen Wünsche oder Ansichten spielen in der Regel nur eine untergeordnete Rolle.

Gefallen hat mir - neben der hochwertigen Präsentation - der Aufbau der Handlung als solches. Die Szenen wechseln ständig zwischen Erinnerungen, Gegenwart sowie Mima’s Traumwelt und es bleibt bis kurz vor Schluss unklar, was sich denn nun tatsächlich zugetragen hat. Auch sind einige Ansätze in Bezug auf die Definition der Persönlichkeit interessant und hätten von mir aus gerne weiter verfolgt und ausgearbeitet werden können. Schade ist hingegen die (nahezu) vollständige Aufklärung der Geschichte am Ende. Hier hätte durchaus noch einiges offen bleiben können.

In diesem Punkt erinnert mich der Film übrigens an The Machinist, der meines Erachtens ein ähnliches Problem hatte, obwohl einige sehr überzeugende Ansätze in Bezug auf Atmosphäre und Erzählung vorhanden waren.

Watchmen

13. März 2009

Habe mir gestern (bzw. vorgestern) recht spontan Watchmen im Kino angeschaut. Die entsprechenden Comics kenne ich nicht, auch gelesen hatte ich darüber bisher nichts, ging also dementsprechend erwartungsarm ran, obwohl ich - zumindest über die Vorlage - schon gutes gelesen hatte.

Normalerweise bin ich kein allzu großer Fan von Comic-Verfilmungen (wobei die ja meistens immerhin noch besser sind als Videospielverfilmungen) - egal, ob ich die Originale nun kenne oder nicht. Die meisten gefielen mir letztendlich nicht oder nicht genug, als dass es mir den Kinopreis wert gewesen wäre. Die einzige Ausnahme stellt in diesem Fall Sin City dar, mit dem ich doch durchaus meinen Spaß hatte - allerdings hauptsächlich aufgrund visueller Gegebenheiten; die Story haut ja letztendlich auch nicht unbedingt vom Hocker. Aber darum soll’s hier ja gar nicht gehen.

Besonders am Anfang wusste ich nicht wirklich, was ich von dem Film halten soll. Er bewegt sich konsequent auf einem schmalen Grat zwischen Selbstironie und Ernsthaftigkeit, und driftet dabei auch bei mehreren Gelegenheiten in Albernheit ab. Eigentlich sind nämlich alle Charaktere irgendwo lächerlich, fast schon Witzfiguren - und dabei völlig unsympathisch. Außer Rorschach natürlich.

Filmfiguren haben ja leider öfter das Problem, dass sie sich in der (relativ) kurzen Laufzeit eines Films nicht so detailliert charakterisieren lassen wie in einem Buch, Comic oder einer Fernsehserie… diesen Eindruck hatte ich teils auch hier, insbesondere bei den eigentlich ‹Haupt›charakteren (?). Vielleicht lag’s aber auch ganz einfach daran, dass mich die meisten ohnehin nicht sehr interessiert haben. Dennoch denke ich, dass da diesbezüglich irgendwo noch Potential vorhanden sein muss.

Der Film ist recht lang und ich muss sagen, zu Anfang zieht er sich auch etwas. Nicht unbedingt durch Langatmigkeit; vielmehr scheint in der kompletten ersten Häflte kein wirklich eindeutiger roter Faden vorhanden, so dass er mehr wie eine Aneinanderreihung aus kleinen, (noch) nicht vekrnüpften Erzählungen wirkt, deren großes Ganzes sich dem Zuschauer - wenn überhaupt - erst später offenbart.

Nun, dagegen ist im Grunde ja auch überhaupt nichts einzuwenden. Im Gegenteil - ich mag Filme, in denen nicht alles sofort offensichtlich ist und es noch Wendungen und Überraschungen, idealerweise sogar interpretationsfähige Stellen und offene Fragen gibt. Das Ende ‹rettet› (an dieser Stelle bitte ich diesen doch etwas harten begriff zu entschuldigen; ich benutze ihn lediglich in Ermangelung einer besseren Formulierung - Schande auf mein unfähiges Nichtschreiberhaupt) in diesem Zusammenhang auch wieder so einiges. Ich zumindest fand es nicht schlecht.

Am meisten aufgewertet wird der Film meines Erachtens aber, wie bereits erwähnt, durch Rorschach. Tollster Charakter ever! Bin bei der Gelegenheit grade mal spontan zum Rorschach-Fan mutiert (zumindest soweit das bei meiner begrenzten Kenntnis des Charakters durchgeht). Zuerst fand ich es ja etwas doof und geradezu desillusionierend, als man ihn ohne Maske gesehen hat, aber dann gefiel er mir letztendlich umso besser (und das, obwohl mir politisch rechts eingestellte Charaktere in der Regel alles andere als sympathisch sind - vermutlich lag’s aber bloß daran, dass das im Film nicht so prominent präsentiert wurde).

Mich wundert übrigens, dass der Film in den USA überhaupt erschienen ist - bei den ganzen Nacktszenen.

P.S. Jetzt mal im Ernst: Pausen in Kinofilmen nerven doch, oder?

Galerians: Rion

03. Januar 2009

Nachdem ich ja grade erst Galerians für PlayStation durchgespielt habe, musste ich mir im Anschluss natürlich auch noch den darauf basierenden CG-Film Galerians: Rion zu Gemüte führen.

Der Film hält sich dabei recht genau an die Vorlage, mit einigen Freiheiten im Detail. Diese bestehen zum großen Teil aus Aussparungen und leichten visuellen Veränderungen, neue oder veränderte Szenen gibt es nur ein oder zwei, auch die Dialoge sind meistens nah am Original (zumindest, soweit ich das beurteilen kann - habe von «Galerians» nur die deutsche Version gespielt).

Bei einigen Mono- und Dialogen ist mir jedoch aufgefallen, dass selbst winzigkleine Änderungen an der mir bekannten Formulierung die Aussage bereits völlig verändern, oder zumindest stark abwandeln können. Jetzt bin ich mir natürlich nicht sicher, ob das explizit so beabsichtigt war oder es sich lediglich um Unschärfen der Übersetzung (wie gesagt, ich spielte die deutsche version des Spiels und sah eine englisch untertitelte Fassung des Films) handelt… weiteres Eingehen auf diese Unterschiede würde im Übrigen in weitreichenden Spoilern enden, so dass ich an dieser Stelle darauf verzichte.

Qualitativ ist die Grafik hochwertiger als die des Spiels, dessen Render-Sequenzen doch recht steif und teilweise lieblos wirkten. An FMVs aktueller Spiele (oder gar Filme) kommen die Animationen zwar trotzdem nicht ran, aber sei’s drum. Was mir viel eher aufstößt, ist das Erzähltempo. Mag daran liegen, dass ich den Plot aus der Videospielvorlage bereits kenne, aber mir erschien die Erzählweise sehr straff und ohne viel Entwicklungsspielraum für die Charaktere. Selbst das Original hatte mehr davon, und da wurde immerhin ein großer Teil mit reiner Spielzeit ‹vergeudet›. Andererseits dauern dessen Filmsequenzen insgesamt vermutlich auch länger als eineinhalb Stunden…

Trotzdem hatte ich irgendwie den Eindruck, dass von den vorhandenen Szenen hauptsächlich die action-lastigen umgesetzt wurden anstatt mehr auf die Charakterentwicklung zu achten. Das finde ich in Anbetracht der Figuren - insbesondere natürlich Rion - etwas schade, da grade bei solchen Sachen doch eigentlich die Stärken einer filmischen Umsetzung hätten liegen können.

In der englischen Version wurden übrigens einige - oder auch alle - Musikstücke durch Lieder bekannter Bands ausgetauscht, was meistens allerdings nur leidlich passt. Vor allem hat das aber auch zur Folge, dass häufig Sound-Effekte einfach fehlen (vergessen?), was das ganze Geschehen noch künstlicher erscheinen lässt. Synchrontechnisch ist die Qualität gemischt; Rion’s Stimme klang mir persönlich etwas zu alt, während z.B. Rita meines Erachtens passend besetzt war.

Anders als in der PlayStation-Fassung heißt der Chefarzt hier allerdings «Dr. Rem» und nicht «Dr. Lem» (in Japan gibt es keinen Unterschied zwischen «L» und «R»), wodurch die Anspielung auf den gleichnamigen Autor verloren geht (ich nehme mal an, dass es sich um eine handelt).

Letztendlich kann ich nicht wirklich einschätzen, wie der Film auf mich gewirkt hätte, hätte ich die Geschichte nicht bereits aus dem Videospiel gekannt. Im direkten Vergleich würde ich vom jetzigen Standpunkt aus das Spiel jederzeit vorziehen - mag daran liegen, dass ein eher simpler Plot als Spiel nahezu immer besser ‹wirkt›. Es ist einfach schöner, wenn sich die Handlung langsamer entfaltet, man selbst etwas zur Aufdeckung der Rätsel und Mysterien beiträgt… und letztendlich fühlte ich mich auch dem Hauptcharakter verbundener und näher, als ich ihn noch selbst ‹kontrollierte› und nicht lediglich beim Handeln zusah.

Und das, obwohl der Löwenanteil der Story auch in der Vorlage durch Cutscenes und Render-Videos vermittelt wurde.

Motion Capturing

15. November 2008

Wir hatten letzte Woche Character-Design-Dozentur bei Harald Siepermann und ENDLICH ist auch mal jemand anderes der Ansicht, Motion Capturing sei nicht der Weisheit letzter Schluss in Sachen Animationen von Computer-Grafiken! Allein dafür könnte ich ihn ja knuddeln, wenn das nicht so vollkommen abwegig wär.

Laut seiner Aussage können Motion-Capturing-Aufnahmen zwar menschliche (oder auch andere) Bewegungen an sich ‹realistischer› darstellen, allerdings wirkt es dadurch eben letztendlich doch nicht echter… sondern, im Gegenteil - leblos. Und da stimme ich vollkommen zu. Ich meine, wenn man nur mal die Animationen von Heavenly Sword und Shadow of the Colossus vergleicht, haben letztere viel mehr Leben, Charakter und Tiefe (manche mögen es vielleicht auch «Seele» nennen). Was nützen mir diese ganzen talentierten Schauspieler in ihren schwarzen Noppenanzügen, wenn von ihrem Geist in der späteren Umsetzung letztendlich nichts mehr übrig bleibt?

Ich habe mal die Aufnahmen zu erwähntem Spiel gesehen - die waren wirklich nicht schlecht, diese Schauspieler. Trotz Fehlen jeglicher Kostüme oder Hintergrunddekoration kamen die Szenen gut rüber, weil sie voller Leben waren. Wenn man sich dagegen die fertigen CG-Sequenzen anschaut, wirken sie steif und leblos; egal, wie hübsch die Grafiken sind.

Warum ist es eigentlich erstrebenswert, dass Spiele (oder auch sonstige computer-generierte Grafiken) aussehen wie die Realität? Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass das jemals zu 100% funktionieren wird. Im Stillstand vielleicht, aber nicht in der Bewegung. Wie dem auch sei, so toll ist die Realität doch gar nicht. Perfekt schon gar nicht. Ich persönlich finde es viel schöner und entspannter, wenn man sich ein wenig (oder auch ein wenig mehr) Freiheit nehmen und die Sachen so darstellen kann, wie sie der eigenen Meinung nach grad am besten passen oder das, was man ausdrücken möchte, am besten transportieren.

Der gleiche Grund greift für mich übrigens auch beim Vergleich von Zeichentrick- und CG-Animationsfilmen. Zumindest konnte mich bisher noch keine Produktion davon überzeugen, dass gezeichnetes nicht immer hübscher ist als computer-animiertes. Oder handgezeichnete Frames besser aussehen als am Computer erstellte (zumal Computer-Grafik und Handzeichnungen meines Erachtens allein von der Optik und vom Stil überhaupt nicht zusammen passen).

Und deshalb finde ich es auch überhaupt nicht abwegig, auch in aktuellen Spielen Cutscenes durch z.B. Anime-Sequenzen darzustellen. Denn im direkten Vergleich sind CG-Animationen (immer noch) einfach nur steif und unrealistisch; auch oder gerade wenn sie durch Motion Capturing erstellt wurden. Harald formulierte das so, dass Polygon-Charaktere alle das gleiche Gewicht hätten. Was auch irgendwie stimmt, wenn man mal drauf achtet, find ich.

Nennt mich von mir aus konservativ, aber das ist einfach meine Ansicht dazu. Ich finde, selbst wenn man die einfachen, fast schon kritzeligen Zeichnungen eines Edna bricht aus mit den sterilen Polygon-Figuren aus Crysis vergleicht, versprüht letzteres lange nicht so viel Charme. Egal, wie toll und realitätsnah die Grafik auch sein mag. Und «Edna» ist noch nicht mal besonders toll oder aufwendig animiert.

Ich zumindest würde handgemachte Key Frames jederzeit teuer produzierten Motion Captures vorziehen. Genauso wie ich gezeichnete Szenen immer lieber ansehen werde als am Computer erstellte.