Vor ein paar Tagen habe ich die zweite Staffel des Anime Code Geass beendet. Ich hatte keine großen Erwartungen an die Serie, bin auch eher zufällig daran geraten.
Auf den Inhalt will ich an dieser Stelle auch nur ganz kurz eingehen: Die Serie spielt in einer nahen Alternativzukunft, in der sich die Welt größtenteils auf das Heilige Britische Reich, die Chinesische Föderation sowie das Euro Universe aufteilt. Japan ist dabei als sogenannte «Area 11» eine Kolonie von Britannien und die Einwohner werden nur als «Eleven» oder «Numbers» bezeichnet. Die Story verfolgt dabei den ehemaligen britischen Prinzen Lelouch Lamperouge, der mit seiner Schwester Nunnally inkognito in Japan lebt. Nachdem er von der mysterösen C.C. ein sogenanntes «Geass» erhält, das ihm die Macht verleiht, anderen durch Blickkontakt Befehle zu erteilen, wird er unter dem Pseudonym «Zero» (inklusive peinlichem Kostüm und Maske) Anführer des terroristischen Ordens der Schwarzen Ritter.
Das Szenario ist natürlich relativ weit hergeholt, soll mich an dieser Stelle aber nicht weiter stören. Viel auffälliger war für mich, dass es im Verlauf der Serie irgendwie kein Charakter so richtig schaffte, meine Sympathien auf sich zu ziehen. Der Hauptcharakter fällt durch seine generelle Unehrlichkeit und Neigung, alle Menschen außer seiner Schwester lediglich als Schachfiguren anzusehen sowie seiner Handlungsmaxime, der Zweck heilige die Mittel, schon mal prinzipiell raus. Auch Suzaku Kururugi, sein ehemaliger Kindheitsfreund, konnte bei mir zwar im späteren Verlauf durchaus Interesse wecken, mögen tu ich ihn jedoch ebenfalls nicht.
Natürlich sind Charaktersympathien nicht das wichtigste. Und so hatte ich trotz dessen durchaus Spaß mit «Code Geass» - vor allem, da grade diese Abneigung gegen nahezu alle Figuren ihrerseits wiederum einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt hat. Denn so egoistisch und verdreht Lelouch und die anderen auch scheinen mögen, so ist es doch eine reizvolle Herausforderung, zu versuchen, sich ein wenig in sie hineinzuversetzen und ihre Beweggründe zu verstehen. Grade weil das alles so abwegig und ‹falsch› scheint - man braucht ja schließlich auch mal neue Perspektiven.
Was ich hingegen schade fand, war, dass zwar durchaus einige sehr vielversprechende Themengebiete angesprochen und gestreift wurden, hier allerdings nicht das volle Potential ausgeschöpft wurde und meines Erachtens vieles auf der Strecke blieb (allein die Szene, in der Euphemia von Zero versehentlich befohlen wird, alle Japaner auszulöschen, hätte so viel mehr bieten können, wäre man in irgendeiner Weise darauf eingegangen, dass ihr Ritter Suzaku ursprünglich ebenfalls Japaner ist). Sei es nun dadurch, dass viele Protagonisten, bevor sich die Erzählung ‹ihrer› Konflikte annahm, das Zeitliche segneten oder die Angelegenheiten durch anderweitige Gründe versandeten. Teilweise wurden diese sogar mehr oder weniger einfach unverfolgt stehengelassen! Meiner Ansicht nach hätte man sich hier ruhig mehr Zeit für die einzelnden Charaktere nehmen können; der generellen Dramatik hätte es sicher gutgetan.
In späteren Episoden von «R2» leidet dann teilweise auch noch der Plot und ich bekam leicht das Gefühl, die Autoren wussten selbst nicht so genau, was sie dem Zuschauer eigentlich vermitteln wollten. So ist der eigentliche Höhepunkt der zweiten Staffel schon irgendwo zwischen Episode 16 und 20 (nachträgliche Schätzung) erreicht; danach gibt es nur noch ein wenig Geplänkel sowie relativ vorhersehbare Handlungen.
Noch ein kurzer, spoiler-lastiger Kommentar zum Ende: Ungeachtet aller vorherige Ereignisse und Grausamkeiten, die während der Geschichte stattfinden und der generellen Aussage über die menschliche Natur zum Trotz (die zumindest ich in der Handlung zu erkennen glaubte), ist das Ende doch ziemlich kitschig geraten. Meiner Meinung nach kein guter Abschluss einer eigentlich recht unterhaltsamen Serie.
Ungeachtet dessen soll hier aber erwähnt werden, dass ich trotz der kleineren (und eventuell auch größeren) Mängel durchaus meine Freude an «Code Geass» hatte - ansonsten hätte ich mir den Anime sicherlich nicht bis zum Ende angesehen.
P.S. Ich habe es geschafft, einen ganzen Text über «Hangyaku no Lelouch» zu verfassen, ohne dabei ein einziges Mal über Nunnally abzulästern! YES!!1!




