Habe mir gestern (bzw. vorgestern) recht spontan Watchmen im Kino angeschaut. Die entsprechenden Comics kenne ich nicht, auch gelesen hatte ich darüber bisher nichts, ging also dementsprechend erwartungsarm ran, obwohl ich – zumindest über die Vorlage – schon gutes gelesen hatte.
Normalerweise bin ich kein allzu großer Fan von Comic-Verfilmungen (wobei die ja meistens immerhin noch besser sind als Videospielverfilmungen) – egal, ob ich die Originale nun kenne oder nicht. Die meisten gefielen mir letztendlich nicht oder nicht genug, als dass es mir den Kinopreis wert gewesen wäre. Die einzige Ausnahme stellt in diesem Fall Sin City dar, mit dem ich doch durchaus meinen Spaß hatte – allerdings hauptsächlich aufgrund visueller Gegebenheiten; die Story haut ja letztendlich auch nicht unbedingt vom Hocker. Aber darum soll’s hier ja gar nicht gehen.
Besonders am Anfang wusste ich nicht wirklich, was ich von dem Film halten soll. Er bewegt sich konsequent auf einem schmalen Grat zwischen Selbstironie und Ernsthaftigkeit, und driftet dabei auch bei mehreren Gelegenheiten in Albernheit ab. Eigentlich sind nämlich alle Charaktere irgendwo lächerlich, fast schon Witzfiguren – und dabei völlig unsympathisch. Außer Rorschach natürlich.
Filmfiguren haben ja leider öfter das Problem, dass sie sich in der (relativ) kurzen Laufzeit eines Films nicht so detailliert charakterisieren lassen wie in einem Buch, Comic oder einer Fernsehserie… diesen Eindruck hatte ich teils auch hier, insbesondere bei den eigentlich ‹Haupt›charakteren (?). Vielleicht lag’s aber auch ganz einfach daran, dass mich die meisten ohnehin nicht sehr interessiert haben. Dennoch denke ich, dass da diesbezüglich irgendwo noch Potential vorhanden sein muss.
Der Film ist recht lang und ich muss sagen, zu Anfang zieht er sich auch etwas. Nicht unbedingt durch Langatmigkeit; vielmehr scheint in der kompletten ersten Häflte kein wirklich eindeutiger roter Faden vorhanden, so dass er mehr wie eine Aneinanderreihung aus kleinen, (noch) nicht vekrnüpften Erzählungen wirkt, deren großes Ganzes sich dem Zuschauer – wenn überhaupt – erst später offenbart.
Nun, dagegen ist im Grunde ja auch überhaupt nichts einzuwenden. Im Gegenteil – ich mag Filme, in denen nicht alles sofort offensichtlich ist und es noch Wendungen und Überraschungen, idealerweise sogar interpretationsfähige Stellen und offene Fragen gibt. Das Ende ‹rettet› (an dieser Stelle bitte ich diesen doch etwas harten begriff zu entschuldigen; ich benutze ihn lediglich in Ermangelung einer besseren Formulierung – Schande auf mein unfähiges Nichtschreiberhaupt) in diesem Zusammenhang auch wieder so einiges. Ich zumindest fand es nicht schlecht.
Am meisten aufgewertet wird der Film meines Erachtens aber, wie bereits erwähnt, durch Rorschach. Tollster Charakter ever! Bin bei der Gelegenheit grade mal spontan zum Rorschach-Fan mutiert (zumindest soweit das bei meiner begrenzten Kenntnis des Charakters durchgeht). Zuerst fand ich es ja etwas doof und geradezu desillusionierend, als man ihn ohne Maske gesehen hat, aber dann gefiel er mir letztendlich umso besser (und das, obwohl mir politisch rechts eingestellte Charaktere in der Regel alles andere als sympathisch sind – vermutlich lag’s aber bloß daran, dass das im Film nicht so prominent präsentiert wurde).
Mich wundert übrigens, dass der Film in den USA überhaupt erschienen ist – bei den ganzen Nacktszenen.
P.S. Jetzt mal im Ernst: Pausen in Kinofilmen nerven doch, oder?






4 Kommentare
In Watchmen ist keine Pause vorgesehen, dann sollte es auch keine geben. Hmpf.
In älteren Filmen aus den 60ern wie z. B. “Ben-Hur” oder “Cleopatra” war eine Paus üblich und wurde bei der Verfilmung auch so eingeplant.
Gruß,
Klaus
Da muss ich zugeben, dass ich die nicht im Kino gesehen habe.
Persoenlich fand ich es bisher noch immer nervig, wenn mal in einem Film eine Pause kam – insbesondere bei Filmen, die unter drei Stunden lang sind, finde ich das absolut unnoetig [so geschehen u.a. auch bei Dark Knight und Curious Case of Benjamin Button; war ersterer ueberhaupt laenger als ein 'normaler' Film?]. Selbst bei Herr der Ringe fand ich das uebertrieben… da kam’s aber gluecklicherweise auch nur einmal vor.
Einzig, wenn man mehrere Filme hintereinander als Feature ankuckt, kann ich das verstehen [oder vielleicht bei solchen Werken wie "Molière", lol].
Na, das ist ungewöhnlich und muss am Kino liegen. Wollen wohl den Popcornverkauf ankurbeln? Finde ich doof.
Ich hab Dark Knight und die Herr-der-Ringe-Teile alle ohne Pause im Kino gesehen.
Ja, das kann natuerlich sein [auch wenn es nicht jedesmal das gleiche Kino war]. Bei LotR gab es ja auch nicht in jedem Kino Pausen… wenn man das bloss vorher wuesste, koennte man gleich das richtige Kino nehmen~
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